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Einkaufen im großen Stil: Die Outlet-Pläne, die derzeit in Pforzheim diskutiert werden, strahlen dabei auf die gesamte Region aus. Gespannt verfolgt werden sie jedenfalls in vielen Kommunen rings um die Goldstadt. Foto: Adobe Stock

Zwischen Hoffen und Warten: So denkt das Umland über die Pforzheimer Outletpläne

Bad Wildbad/Schömberg/Pforzheim. Die Pläne für ein Pforzheimer Outlet im Brötzinger Tal sorgen in der Goldstadt für Debatten. Aktuelle Beschlusslage ist, ein mögliches Factory-Outlet-Center (FOC) erst einmal in den Fachausschüssen des Pforzheimer Gemeinderats vorzuberaten. Der Einzugsbereich eines solchen Einkaufstempels würde allerdings weit über die Goldstadt hinauswirken. Was sagt denn eigentlich das Umland zu den Plänen der Firma Bader?

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Ein klarer Fürsprecher findet sich im Bad Wildbader Bürgermeister. „Ich sehe das Factory-Outlet-Center aus touristischer Sicht, aber auch im Hinblick auf unsere Bevölkerung als große Chance für die Region“, sagt Klaus Mack. Bad Wildbad biete „in nur geringer Stadtbahnentfernung“ Übernachtungsmöglichkeiten. Mit dem FOC könnte die Aufenthaltsdauer der Gäste erhöht werden, so Mack. Zudem hätten die Bürger ein Outlet direkt vor ihrer Haustüre, das stärke den Wohnwert.

Dass ein solches Outlet Auswirkungen auf den Einzelhandel der Innenstädte hätte, blendet der Wildbader Bürgermeister nicht aus. „Doch der Strukturwandel durch den Online-Handel und große Einkaufszentren ist ohnehin nicht aufzuhalten. Wiederum können wir mit dem Outlet eine Wertschöpfung und Kaufkraft in der Region halten, die sonst in andere Gegenden fließen würde.“

Pforzheims unmittelbare Nachbarn in Birkenfeld verfolgen die Outlet-Debatte derzeit mit positivem Interesse, sagt Rathauschef Martin Steiner, der in der Sache Kontakt zu Oberbürgermeister Peter Boch hält. Noch fehlten ihm wichtige Details für eine Bewertung des Projekts. Für die weitere Planung ist Steiner freilich eine intensive Analyse der möglichen Verkehrsauswirkungen wichtig. Schließlich habe Birkenfeld schon heute viel Gewerbeverkehr zu tragen.

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Abwarten ist in der Region noch vielfach die Devise. Auch in einer Stadt wie Mühlacker will man erst dann anschauen, was ein solches Outlet-Center für die eigene Innenstadt bedeuten könnte, wenn klarer werde, wohin die Pläne in Pforzheim gehen, so Bürgermeister Winfried Abicht.

Ähnlich klingt das in Schömberg. Dort blüht der Einzelhandel und zieht auch Pforzheimer Kundschaft an. Bürgermeister Matthias Leyn äußert sich noch zurückhaltend: „Ob und inwieweit Auswirkungen für Schömberg zu erwarten sind, lässt sich ohne entsprechende Detailunterlagen nicht feststellen“, so Leyn. In erster Linie seien Belange der Stadt Pforzheim betroffen – „aus dem Grund möchte ich mich dazu nicht äußern“. Der Landkreis Calw sieht das genauso.

Die Region als Ganzes bildet der Regionalverband Nordschwarzwald ab. Und er ist auch planerisch gefragt. Verbandsdirektor Matthias Proske hatte bereits öffentlich Stellung bezogen. Dem Projekt eines Factory-Outlet-Centers stehe er offen gegenüber, nicht aber der Frage des Standorts betont er. Proske findet, das Center sei im anvisierten Gewerbegebiet falsch aufgehoben. Enger an den Ort angebundene Lösungen wie in Metzingen passen viel besser zu den Vorgaben des Landes, meint er. Für weitere Schritte sieht er die Rolle seines Verbandes so: „Wir achten darauf, dass nicht der eine Ort andere kaputt macht“, so Proske.

Im Übrigen: Proske wittert ebenfalls touristische Chancen durch ein solches Projekt. Da teilt er die Einschätzung Klaus Macks. Der Wildbader hat sich deshalb in der Regionalverbandsversammlung dafür ausgesprochen, das Thema positiv zu begleiten und die Entscheidung der Stadt Pforzheim abzuwarten, sagt er. Mack hat Vorstellungen davon, wie seine Kurstadt auf ein Factory-Outlet-Center in Pforzheim reagieren könnte. „Unsere Innenstadt müsste sich noch mehr in Richtung Gastronomie und touristischem Bedarf entwickeln. Leerstand könnte zu einem dezentralen Stadthotel umgewandelt werden. Produkte, die es im Factory-Outlet-Center nicht gibt, könnten in Bad Wildbad mehr Absatz finden, da insgesamt mehr Besucher in die Region kommen werden.“

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Nadine Schmid

Nadine Schmid

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