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Sheldon Eberhardt (l.) will mit Rasta Vechta in dieser Saison mindestens die Playoffs erreichen. 

Sheldon Eberhardt nimmt nach Wechsel zu Rasta Vechta die BBL ins Visier

Pforzheim/Vechta. Wenn die ProA am Freitag in die Saison startet, beginnt für Sheldon Eberhardt ein neues Kapitel in seinem Karriere-Buch. Nach eineinhalb erfolgreichen Jahren bei den Bayer Giants Leverkusen, die in der vergangenen Spielzeit beinahe mit dem Meistertitel in der 2. Bundesliga ihren krönenden Abschluss gefunden hätten, hat der Pforzheimer Basketball-Profi im Sommer das Trikot der Giganten vom Rhein gegen das von Ligarivale Rasta Vechta getauscht – und will mit den Niedersachsen nun hoch hinaus.

"Es ist ein sehr professionelles Umfeld hier mit hohen Ambitionen. Man möchte schon wieder zurück in die BBL", sagt der 25-Jährige im Gespräch mit der PZ, wenngleich er das Wort "Aufstieg" noch nicht explizit in den Mund nehmen möchte: "Die Playoffs sind für uns schon das Mindeste und ab da schauen wir einfach von Tag zu Tag weiter."

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Gefährlich aus der Distanz: Sheldon Eberhardt im Vorbereitungsspiel gegen seinen Ex-Club aus Leverkusen.

Dass für ihn persönlich das erklärte Ziel auf kurze oder lange Sicht die erste Liga ist, daraus hat Eberhardt allerdings noch nie einen großen Hehl gemacht. "Ich möchte einfach so hochklassig spielen wie möglich. Sei es BBL, NBA oder irgendwo anders im Ausland", hatte er bereits im November letzten Jahres klargestellt.

 Eberhardt zieht Vechta BBL-Angeboten vor

Und tatsächlich wäre dieser Schritt schon im Sommer möglich gewesen. Nach der abgelaufenen Saison, in welcher der Shooting Guard die Bayer Giants in den Playoffs als Topscorer bis zur Vizemeisterschaft führte, klopften einige Erstligisten an. Dennoch entschied er sich letztlich für das Angebot des Bundesliga-Absteigers aus der als "Reiterstadt" bekannten Universitätsstadt im Oldenburger Münsterland.

Ausschlaggebend dafür sei vor allem das Gespräch mit Headcoach Derrick Allen gewesen, der ihn mit seinem Konzept und seiner Art, Basketball zu spielen, überzeugen und für einen Wechsel zu den Niedersachsen begeistern konnte.

"Wir waren auf der gleichen Ebene. Ich habe gemerkt, dass das Team und die Organisation genauso hungrig sind wie ich. Es war das perfekte Match", erinnert sich Sheldon Eberhardt an die Gespräche.

Und noch etwas hatte Eberhardt an Allen, dem er während dessen aktiver Zeit als Spieler der BG Karlsruhe zwischen 2004 und 2006 noch als Fan in der Europahalle zugejubelt hatte, imponiert: die akribische Vorbereitung und Videoanalyse seines Spiels. So habe ihm der 41-Jährige viel positive Kritik gegeben, was ihm dabei helfe, ein besserer Spieler zu werden und sein Potenzial voll auszuschöpfen.

Dass ihm das gelingt, werden nicht nur sein Trainer und die Teamkollegen hoffen, sondern auch die Zuschauer: "Rasta hat verrückte Fans, die gut Stimmung machen. Das wusste ich schon zuvor, dafür sind sie bekannt. Und das war ein Punkt, bei dem ich gesagt habe: So eine Atmosphäre will ich auch erleben."

 Vechta fährt Rasta-Film seit Jahren konsequent

Welchen Stellenwert der Basketball in Vechta hat, macht auch die Tatsache deutlich, dass Eberhardt bereits nach wenigen Wochen und ohne ein einziges Pflichtspiel absolviert zu haben, auf der Straße erkannt und angesprochen wird. "Das hat mich auch überrascht und daran muss ich mich erst noch gewöhnen", sagt er mit einem Lachen.

Überhaupt wird man auf der deutschen Basketball-Landkarte nur schwer einen anderen Verein finden, der ähnlich verrückt ist, wie der selbsternannte "Geilste Club der Welt". Entstanden aus einer AG des Gymnasiums Antonianum arbeitet sich Rasta Vechta seit der Gründung 1979 bis in die Beletage vor und blickt inzwischen auf fünf Spielzeiten in der BBL zurück.

Cheerleader Rasta Vechta
Maskottchen "Bob, der Löwe" und die "Marleys" heizen den Fans bei den Heimspielen im Rasta-Dome ein.

Der ungewöhnliche Name "Rasta" ist dabei als eine Hommage an die Reggae-Musik, insbesondere von Bob Marley, zu verstehen. Dessen Song "Positive Vibration", in welchem es unter anderem "Rastaman vibration, yeah! Positive!" heißt, dröhnte bei der Namensfindung aus den Boxen, wie Werner Themann, 2. Vorsitzender und Gründungsmitglied, vor Jahren verriet.

Seitdem fährt man in Vechta den Rasta-Film konsequent. Bei den Heimspielen peitscht Maskottchen Bob, ein Löwe mit Dreadlocks und Rastamütze, Mannschaft und Fans nach vorne und sorgt gemeinsam mit der Cheerleader-Gruppe "Marleys" für die Stimmung im heimischen Rasta-Dome.

 Schweres Spiel zum Auftakt gegen Rostock

Am Freitag betritt nun auch Eberhardt erstmals die Halle für ein Pflichtspiel. Zum Saisonauftakt gastieren die Rostock Seawolves bei den Niedersachsen. Ein Club, an den der gebürtige Pforzheimer nach zwei Siegen in den Playoffs auf dem Weg zur Vizemeisterschaft in der Vorsaison durchaus gute Erinnerungen hat.

Einfach werde die Partie aber keineswegs, ist er sich sicher: "Es wird auf jeden Fall ein hart umkämpftes Spiel. Beide Teams haben hohe Ziele. Aber es ist ein Heimspiel für uns und wir müssen mit voller Energie, Willen und Ehrgeiz spielen." Überhaupt wisse man in der ProA nie, was auf einen zukomme, und dürfe kein Team unterschätzen. 

"Als Absteiger aus der BBL werden wir eine Zielscheibe auf dem Rücken haben und müssen jedes Spiel mit 100 Prozent und voller Kraft spielen. Teams werden es auf uns absehen und darauf müssen wir vorbereitet sein."

Für sich selbst hofft der Sohn einer deutschen Mutter und eines amerikanischen Vaters, dass er den eingeschlagenen Weg der letzten Saison fortsetzen kann. "Ich will auf jeden Fall wieder die Playoffs mit dem Team schaffen und mich weiter in allen Bereichen verbessern, um ein besserer und kompletterer Spieler zu werden", sagt er. Und wer weiß, vielleicht kommt Eberhardt dann irgendwann nicht mehr darum herum, das Wort "Aufstieg" in den Mund zu nehmen.

Sven Sartison

Sven Sartison

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