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Sieht weiter steigende Bauzinsen kommen, "aber für mich persönlich ist und bleibt die Immobilie eine erstklassige Altersvorsorge", sagt der Mühlacker Immobilienkaufmann und Immobilienmakler Carsten Jurende im PZ-news-Interview.  Foto: Privat 

Carsten Jurende: Trotz steigender Bauzinsen ist die Immobilie eine ideale Altersvorsorge

Während die Immobilienpreise schon länger nach oben klettern, ziehen jetzt im Zuge der Inflation auch die Bauzinsen nach. Steuern wir auf einen Immobiliencrash zu? Nein, sagt der Mühlacker Immobilienkaufmann und Immobilienmakler Carsten Jurende im Interview mit PZ-news. Im Gegenteil: Ein genau kalkulierter Immobilienkauf sei, so Jurende, aktuell trotz gestiegener Zinsen und Immobilienpreise eine wirtschaftlich richtige Entscheidung und eine der besten Möglichkeiten für eine private Altersvorsorge.

PZ-news: Man konnte in Deutschland den Eindruck gewinnen, als würden die Bauzinsen ewig auf einem extrem niedrigen Niveau bleiben und das Häusle bauen zum finanziellen Kinderspiel machen. Jetzt reiben sich manche potenzielle Bauherren verwundert die Augen. Was ist passiert?

Carsten Jurende: Im vergangenen Jahr haben sich die Zinsen nur minimal bewegt, doch seit Jahresanfang geht es rasch nach oben. Angesichts der fortschreitenden Corona-Pandemie war zwar zu erwarten, dass die Bauzinsen steigen, doch nicht zuletzt auch wegen des Krieges in der Ukraine und der sich daraus entwickelnden Inflation auf Basis erhöhter Energiepreise ging es dann schneller und steiler als gedacht in die Höhe. Die Zwei-Prozent-Hürde für kurzfristige Darlehen ist geknackt. Gut möglich, dass in diesem Jahr noch 2,5 bis 3 Prozent Zinsen für zehnjährige Darlehen fällig werden.

Dabei haben die niedrigen Bauzinsen die hohen Immobilienpreise doch erst möglich gemacht, ganz gleich ob man das Geld für Neubauten oder den Kauf einer Bestandsimmobilie genutzt hat. Was müssen wir jetzt an Bauzinsen zahlen?

Carsten Jurende: Die Zinsen im Monatsvergleich haben sich in dem Maß verteuert, je länger die Zinsbindung ist. Ende April lagen sie bei 2,77 Prozent für ein 20-jähriges Darlehen. Im März waren es 1,95 Prozent. Das ist ein beachtliches Plus von 0,82 Prozentpunkten. Stolze 0,68 Prozentpunkte verzeichnen im gleichen Zeitraum die Kredite mit 15-jähriger Zinsbindung. Ende April sprechen wir hier von 2,62 Prozent Zinsen. Am wenigsten verteuerten sich von März auf April die Kredite mit fünfjähriger Zinsbindung: Das Plus liegt bei 0,57 Prozentpunkten. Der Zinssatz: 2,25 Prozent. Um 0,66 Prozentpunkte wuchsen die Zinsen für zehnjährige Darlehen, die im April bei 2,38 Prozent lagen. 

Manche reden inzwischen schon von einem drohenden Immobiliencrash. Bloße Panikmache oder reales Szenario?

Carsten Jurende: Manche Tageszeitungen müssen mit reißerischen Überschriften ihre Artikel interessant machen. Das hilft aber niemand, der sich für Kauf oder Neubau einer Immobilie interessiert. Der Immobiliencrash geht als vermeintliches Schreckgespenst schon eine Weile um. Dabei genügt ein rationaler Blick auf die tatsächlichen Entwicklungen, um nicht panisch werden zu müssen. Ich erinnere mich noch gut an den Anfang der Corona-Pandemie, als für kurze Zeit niemand wusste, was da alles genau auf uns zukommt. Viele spekulierten damals schon auf fallende Preise. Heute wissen wir: Das Gegenteil ist eingetreten.

Was waren die Gründe dafür?

Carsten Jurende: Gründe gibt es viele, aber einen will ich herausheben: Corona hat vieles verändert, auch unsere Arbeitswelt. Homeoffice ist zum Megatrend geworden. Und damit rückten, regional betrachtet, Immobilien im Speckgürtel um die Großstädte Stuttgart und Karlsruhe herum, in den Blickpunkt. Zu diesen Großstadt-Umlandlagen zähle ich große Städte wie Pforzheim und auch kleine Städte wie Mühlacker. Hier zu wohnen heißt schon lange nicht mehr, abseits von der Arbeitswelt in den großen Zentren Stuttgart und Karlsruhe zu leben, sondern nahe genug, um zu pendeln, und vor allem wohnlich und bezahlbar genug, um  hier im Homeoffice zu arbeiten und das grüne, ruhige Umfeld einer überschaubareren Kommune genießen zu können. Mit Immobilien im Speckgürtel verbindet man den eigenen Garten, den sonnigen Balkon oder auch nur ein paar Schritte in die erholsame Natur. Das extrem teure Wohnen in der großen City muss nicht mehr sein, wenn ich per WLAN von daheim aus meine Arbeit im Homeoffice erledigen kann.

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Also ist die Entscheidung, jetzt eine Immobilie zu kaufen, immer noch ratsam?

Carsten Jurende: Grundsätzlich ja. Die Finanzierung muss aber noch genauer kalkuliert werden. Einen plötzlichen Crash der Immobilienpreise halte ich für sehr unrealistisch. Immobilien sind ein eher träges Asset. Bei Aktien zum Beispiel können die Aktionäre in Krisensituationen innerhalb weniger Minuten ihre Aktien verkaufen, wobei solche Panik-Verkäufe auch nicht immer hilfreich sind. Da der Verkaufsprozess bei Immobilien an bestimmte Voraussetzungen wie notarielle Beurkundung, Auflassungsvormerkung, Eigentumsumschreibung und anderes mehr geknüpft ist, dauert es schon einmal ein paar Wochen, bis das Immobiliengeschäft komplett abgewickelt ist. Panikverkäufe und Entscheidungen aus dem Bauch heraus sind im Immobiliengeschäft selten gut überlegt. Statt einem Immobiliencrash erwarte ich eher leichte Preissteigerungen. Für Kaufwillige sehe ich also keinen Grund, jetzt auf einen möglichen sensationellen Preisverfall zu warten.

Wie leicht werden ihre prognostizierten leichten Preissteigerungen sein?

Carsten Jurende: Es wäre unangemessen, jetzt eine genaue Zahl zu nennen, denn zu viele noch unbekannte Faktoren können beschleunigen oder bremsen. Aber darauf könnte ich mich festlegen: Enorme Preissteigerungen werden wir meines Erachtens bei den Immobilien in unserer Region nicht erleben, dennoch gehe ich von einer moderaten Erhöhung der Preise aus. In manchen Gegenden werden sich die Preise vielleicht auf einem ähnlichen Niveau wie heute einpendeln.

Wäre dann jetzt ein Immobilienkauf trotz gestiegener Bauzinsen und Immobilienpreise eine wirtschaftlich richtige Entscheidung?

Carsten Jurende: Ja, allgemein betrachtet stimmt das. Es muss eben genauer als zuvor gerechnet werden. Und manchmal muss man eben auch die eigenen Ansprüche dem Machbaren anpassen. Aber: Immobilien sind auf jeden Fall etwas anderes als Aktien. Man braucht sie immer, sie haben einen real greifbaren Wert, denn man wohnt und lebt in Ihnen. Genau aus diesem Grund ist die Immobilie, egal ob zum Eigennutz oder zur Kapitalanlage, mit einer gesunden Finanzierung immer noch eine der besten Entscheidungen, die jemand für die eigene Altersvorsorge treffen kann. Und die Nachfragesituation am Markt ist ungebrochen.

Sie haben jetzt schon zweimal vom genaueren Kalkulieren gesprochen. Ziehen da die Banken mit?

Carsten Jurende: Weil eben Immobilien weiterhin gefragt sind, laufen auch weiterhin Kreditanfragen bei den Banken ein. Die wollen natürlich ein Geschäft machen, achten aber derzeit etwas genauer auf die finanzielle Situation des Kunden. Das geschieht natürlich auch zum Wohl des möglichen Kreditnehmers, denn ein Immobilienkauf soll ja realisierbar bleiben. Wenn sich die Vorstellungen von Kunden und Kreditgeber zu sehr unterscheiden, wird aktuell sicherlich die eine oder andere Finanzierungsanfrage abgelehnt. Ich persönlich war übrigens noch nie ein Freund von 100-prozentigen Finanzierungen beim Eigenheim. Eine gesunde Höhe an Eigenkapital ist auf jeden Fall von Vorteil. Bei Kapitalanlagen ist das etwas anderes. Je mehr Fremdkapital man hier verwendet, umso größer ist der Hebel, den man auf das Investment hat. Ich will hier natürlich keine Anlageberatung leisten, denn jedes Investment ist immer mit gewissen Risiken verbunden. Aber für mich persönlich ist und bleibt die Immobilie eine erstklassige Altersvorsorge.  

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