Bombenfund Oststadtpark
Die Lage ist noch frisch, die Einsatzorganisationen haben ihre Planungen erst aufgenommen. Steven Müller von der Feuerwehr, Erster Bürgermeister Dirk Büscher und Feuerwehrchef Sebastian Fischer informieren Leon Malik Koß von der PZ (von links) über den Stand der Vorbereitungen zur Evakuierung.
Röhr
Pforzheim
Die wichtigsten Fragen nach dem Bombenfund in Pforzheim – und was die Krisenmanager antworten

Pforzheim. Nach dem Flieger-Bombenfund in der Pforzheimer Oststadt erklären Feuerwehrchef Sebastian Fischer und Erster Bürgermeister Dirk Büscher, wie die Evakuierung ablaufen soll – und was als Nächstes passiert.

In der Hauptfeuerwache am Messplatz laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Es ist wuselig. Die Feuerwehrleute wirken fokussiert, aber entspannt. Nach dem Fund einer Weltkriegsbombe bei Bauarbeiten am Quartierspark in der Oststadt bereiten Feuerwehr, Polizei und Stadtverwaltung eine der größten Evakuierungen der vergangenen Jahre in Pforzheim vor. Fast 30.000 Menschen sind betroffen. Die ganze Innenstadt. Für die PZ haben Feuerwehrkommandant Sebastian Fischer und Erster Bürgermeister Dirk Büscher erklärt, wie die Lage eingeschätzt wird, wie die Evakuierung ablaufen soll – und warum die Bevölkerung die Anweisungen ernst nehmen muss.

Was ist bislang über die Bombe bekannt?

Nach Angaben von Dirk Büscher wurde er am Freitag gegen 12 Uhr über den Fund informiert. Es handle sich um eine englische Luftmine aus dem Zweiten Weltkrieg mit einem geschätzten Gewicht von 1,35 Tonnen – also um eine „sehr, sehr große Bombe“, wie Büscher sagt. Gleichzeitig betont er, dass aktuell keine akute Gefahr bestehe. Die Situation sei kontrolliert, die Bombe stabil und die Entschärfung für Sonntag durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Baden-Württemberg geplant.

Welche Maßnahmen laufen derzeit an?

Sebastian Fischer erklärt, dass die Stadt unmittelbar nach dem Fund den Führungsstab aktiviert habe. Seitdem arbeiten Feuerwehr, Polizei, Hilfsorganisationen und weitere städtische Ämter gemeinsam an der Einsatzplanung. Ausschlaggebend seien dabei die Vorgaben des Kampfmittelbeseitigungsdienstes gewesen.

Das Ergebnis der Lagebewertung: Im Umkreis von 1,5 Kilometern um den Fundort muss am Sonntagmorgen alles geräumt werden. „In diesem Bereich wohnen knapp 30.000 Personen“, sagt Fischer. Die eigentliche Herausforderung sei deshalb weniger die Entschärfung selbst als vielmehr die Evakuierung der Bevölkerung.

Warum ist die Evakuierung zwingend notwendig?

Vor allem in Sozialen Netzwerken hätten ihn bereits zahlreiche Rückmeldungen erreicht, berichtet Büscher. Viele Menschen fragten dort, ob eine Räumung wirklich notwendig sei. Seine Antwort fällt eindeutig aus: „Ja, am Sonntag bis 8 Uhr morgens ist der Bereich zu räumen.“

Dann dürfe sich niemand mehr in der Zone aufhalten. Deshalb richten Fischer und Büscher einen deutlichen Appell an die Bevölkerung, die Anweisungen der Einsatzkräfte ernst zu nehmen und das Gebiet rechtzeitig zu verlassen.

Wie soll die Evakuierung konkret ablaufen?

Feuerwehr und Polizei teilen das Gebiet derzeit in einzelne Sektoren auf. Am Sonntagmorgen sollen Lautsprecherfahrzeuge durch die Straßen fahren und die Menschen auffordern, ihre Wohnungen zu verlassen. Zusätzlich werden Einsatzkräfte an Türen klingeln und die Räumung kontrollieren. Grundlage dafür seien die Daten des Melderegisters, erklärt Fischer. Niemand, absolut niemand, dürfe sich nach 8 Uhr am Sonntag in der Zone aufhalten. 

Besondere Aufmerksamkeit gilt Pflegeheimen und anderen sensiblen Einrichtungen im Sperrgebiet. Dort seien bereits spezielle Teams im Einsatz, die gemeinsam mit den Einrichtungen die Evakuierung vorbereiten. Auch das Deutsche Rote Kreuz wird im Einsatz sein, gerade mit Blick auf Menschen mit Behinderungen. 

Gibt es Unterstützung für Menschen, die Hilfe brauchen?

Ja. Wie Fischer erklärt, werden mehrere Hallen geöffnet, in denen sich Betroffene während der Entschärfung aufhalten können. Außerdem richtet die Stadt ein Bürgertelefon unter der Nummer 07231 39-1000 ein. Dieses ist ab Freitag geschaltet.

Zusätzlich soll eine spezielle Koordinierungsstelle für Liegendtransporte eingerichtet werden. Hintergrund sei, dass sich auch Menschen im Evakuierungsgebiet befinden, die ihre Wohnungen nicht eigenständig verlassen können.

Gleichzeitig appelliert Fischer an Angehörige, Nachbarn und Freunde, sich gegenseitig zu unterstützen. Durch den mehrtägigen Vorlauf hätten viele die Möglichkeit, den Sonntag privat zu organisieren. „Ein Ausflug ist sicherlich ein schönerer Zeitvertreib, als sich in einer bereitgestellten Halle aufzuhalten“, sagt der Feuerwehrchef.

Was passiert mit dem Helios Klinikum?

Das Krankenhaus muss nach Angaben von Fischer nicht geräumt werden. Möglich werde das durch einen speziellen Verbau direkt an der Bombe, erklärt der Feuerwehrchef. Dadurch liege das Helios Klinikum nicht innerhalb des endgültigen Sperrradius und könne zumindest eingeschränkt weiter betrieben werden.

Wie sollen Menschen informiert werden, die kaum Deutsch sprechen?

Gerade im betroffenen Innenstadtbereich leben viele Menschen, die nur wenig oder gar kein Deutsch sprechen. Deshalb sollen Informationen in den kommenden Tagen auch mehrsprachig verbreitet werden – unter anderem auf Arabisch und Türkisch. Das Thema stehe „mit auf der Agenda“, sagt Büscher. Die PZ wird sich zudem auf Social Media in mehreren Sprachen an die Bevölkerung wenden. 

Um kurz nach 19 Uhr kam im Februer 2019 die Entwarnung: Die Fliegerbombe aus dem 2. Weltkriegt wurde erfolgreich entschärft. Polizei und Feuerwehr haben Tausende evakuiert, die im Umkreis von 500 Metern rund um die Fundort wohnen.

Wann können die Menschen wieder zurück in ihre Wohnungen?

Sebastian Fischer zeigt sich optimistisch. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst bestehe aus „absoluten Profis“, sagt er. Die Entschärfung selbst werde zwar einige Zeit dauern, entscheidend sei aber vor allem, wie schnell die Evakuierung abgeschlossen werden könne.

Je schneller die Menschen den Bereich verlassen hätten, desto schneller könnten die Einsatzkräfte grünes Licht für die Rückkehr geben. Fischer hofft deshalb, dass viele Pforzheimerinnen und Pforzheimer bereits am Sonntagnachmittag wieder in ihre Wohnungen zurückkehren können.

Dass die Entschärfung an einem Sonntag stattfindet, sei bewusst so gewählt worden. An einem Wochenende könnten die Menschen flexibler reagieren, zudem sei in Firmen und Geschäften weniger Betrieb.

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