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Nur „Traube“-Anwalt Frank Hahn ist erschienen – substanziell ist ihm von der Presse nur zu entlocken, dass Harald Wohlfahrt nicht wieder zurückkehrt. Foto: Meyer
Nur „Traube“-Anwalt Frank Hahn ist erschienen – substanziell ist ihm von der Presse nur zu entlocken, dass Harald Wohlfahrt nicht wieder zurückkehrt. Foto: Meyer
25.07.2017

Einigung noch vor Prozess: Spitzenkoch Harald Wohlfahrt und „Traube Tonbach“

Pforzheim/Baiersbronn. Hat diese spektakulärste Gastro-Scheidung der deutschen Koch-Geschichte sein müssen? Sind nicht schon zerrüttetere Ehen geräuschloser gelöst worden? Das fragt sich seit zwei Wochen jeder, der Dosenchampignons von Perigord-Trüffeln und Fischstäbchen von bretonischem Hummer unterscheiden kann.

Wessen Ruf leidet fortan mehr? Der des höchstdekorierten deutschen Kochs, Harald Wohlfahrt, oder seines bisherigen Patrons Heiner Finkbeiner, Chef der „Traube Tonbach“, wohin Feinschmecker aus aller Welt (natürlich auch aus Pforzheim und dem Enzkreis, man beachte die Nummernschilder der Sportwagen und Limousinen) pilgerten – natürlich in erster Linie nicht wegen der klaren Baiersbronner Luft am Ende der Straße im Tonbachtal. Sondern wegen der „Schwarzwaldstube“. Wegen „ihm“: Harald Wohlfahrt, prominentester Angestellter des Fünf-Sterne-plus-Hotels. Das ließ er Finkbeiner immer wieder wissen – und der Wohlfahrt, dass der Patron ihm die große Bühne erst ermögliche.

15 von 40 Sitzplätzen in einem der Sitzungssäle des Arbeitsgerichts Pforzheim – auch zuständig für den Landkreis Freudenstadt – hat Pressesprecher Matthias Menn für Journalisten reserviert. Hier, an der Simmlerstraße, klagt der Übervater der deutschen Köche im Rahmen eines Eilverfahrens auf Weiterbeschäftigung. Nichts ist es mehr mit dem sanften Hinüberdiffundieren auf den Posten eines wolkig klingenden „Kulinarischen Direktors“ – niemals schtriftlich festgehalten – und der sanften Kochlöffel-Übergabe an Thorsten Michel, seit zehn Jahren sein zweiter Mann im Küchenreich. Finkbeiner hat Wohlfahrt Haus- und natürlich Küchenverbot erteilt, weil Wohlfahrt einfach nicht loslassen habe können, heißt es.

Würden die beiden Hauptpersonen kommen – und wie würden sie einander begegnen? Das fragen sich an diesem Nachmittag Journalisten aus ganz Süddeutschland und neugierige Zuschauer. Mit jeder Minute, die verstreicht, wird klarer: Kein Finkbeiner, kein Wohlfahrt.

Dann geht alles ganz schnell: Die Parteien hätten sich am Vormittag außergerichtlich geeinigt, sagt Arbeitsgerichtsdirektor Hans Weischedel, der der Kammer vorsitzt – „eigentlich ein 08/15-Fall, das kann man als gute Nachricht auffassen“.

Hahn lächelt Nachfragen nach Details weg. Nur so viel: Harald Wohlfahrt sei nicht mehr in der „Traube“ tätig und werde „nicht wiederkommen“. Über den Inhalt der Einigung sei Stillschweigen vereinbart worden.

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