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Einzigartiges DNA-Ergebnis bei PZ-Redakteur Simon Walter. 

Teil V der PZ-Serie "DNA-Spuren": Badner – und das seit mehr als 500 Jahren

Eindeutig: meine Vorfahren kamen allesamt aus dem Herzen Europas. Und doch kenne ich nun (sehr) weit entfernte Verwandte in Kansas. Mütterliche Gene aus Osteuropa, väterliche aus Südamerika: Das war das Ergebnis, das ich von dem DNA-Test erwartet – erwünscht? – hatte.

Eine Reportage von Simon Walter

Entsprechende Indizien gab es durchaus: Hier die Mutter meiner Mutter, die in Stettin im heutigen Polen geboren wurde und nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtling ins Badische kam. Dort mein Vater, der vor der WM 2014 auch dann noch am brasilianischen Einreiseschalter stand, als die meisten anderen Fluggäste ihre Koffer schon in Richtung Taxistand schoben. Wo er genau herkomme, wollte der Beamte vor seinem Computer wissen. Und wo kommen die Eltern her? Und die Großeltern? Wann wurde seine Mutter geboren? Und wie lautete deren Geburtsname? Der Herr tippte. Runzelte die Stirn. Fragte erneut. Tippte erneut. Grübelte. Und dann, plötzlich, ohne Erläuterung: tudo bem, alles klar, wir durften einreisen.

DNA-Test: Redakteur Simon Walter erfährt seine Ergebnisse
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DNA-Test: Redakteur Simon Walter erfährt seine Ergebnisse

Von da an hoffte ich, weit entfernte Verwandte in Südamerika zu haben. Und nun das: Ich bin deutsch. Oder korrekt gesagt, schließlich machen die Gene nicht an einst mehr oder weniger willkürlich gezogenen Grenzen Halt: Nord- und Westeuropäer – wobei dieses Gebiet in der Karte der Wissenschaftler bis in den Westen Polens und Tschechiens reicht. Demnach war all das Internationale, das mir zusammengesponnen hatte, offenbar doch nur ein Hirngespinst. Zumal auch die in den vergangenen Wochen folgenden Recherche innerhalb der Familie keine Beweise für Multikulti-Gene lieferte. Im Gegenteil! Der Ausgangspunkt dieser Recherche war der Geburtsname der Mutter meines Vaters, den er bei der Einreise nach Brasilien angeben musste: Rosa Burkart. Geburtsjahr: 1909. Geburtsort: Unzhurst, ein Ortsteil von Ottersweier im Landkreis Rastatt.

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Nachrichten aus Kansas

Was weder Namensdatenbanken noch Archive ausgehend von diesen Daten zu Tage förderten, gelang schließlich durch etwas Banales, bisweilen auch Verpöntes: googlen. Stieß ich doch auf diesem Weg auf Gary P. Burkart, einem Soziologen am Benedictine College in Atchison im US-Bundesstaat Kansas. Privat erforscht dieser seine Familiengeschichte, die aus zwei Stämmen besteht: der Familie Lucius aus Luxemburg – und der Familie Burkart aus dem Mittelbadischen. Bis ins späte 16. Jahrhundert konnte er diesen Stamm zurückverfolgen. Bis zu: Martinus Burkart, geboren im Jahr 1590, in Ottersweier. Aber Moment: Kansas? Gibt es demnach trotzdem Verwandte in den USA? Mit Gary P. Burkarts Hilfe konnte ich herausfinden: Ja – wenn auch nur sehr, sehr, sehr weit entfernte. Demnach hatte mein Ur-Ur-Ur-Ur-Opa (Bernhard Burkart), der bis zu seinem Tod 1863 in Ottersweier lebte, sieben Kinder. Darunter: Ignaz und Cyriak. Während Ignaz zu meinem Ur-Ur-Ur-Opa wurde, zeugte Cyriak unter anderem Alois. Und jener war es, der im späten 19. Jahrhundert, vermutlich getrieben von Armut, in die USA auswanderte. Das Glück einer solch detaillierten und belegbaren Vorrecherche hatte ich bei meinen weiteren Vorfahren nicht. Doch vieles spricht dafür, dass die Familie Walter – Rosa Burkart heiratete Fritz Walter (nein, nicht den Weltmeister von 1954) – schon seit Generationen im Badischen lebte.

Wurzeln im heutigen Polen

Und mütterlicherseits? Da gilt großväterlicherseits – Nachname Knebel – Ähnliches. Und mit meiner inzwischen verstorbenen Großmutter habe ich vor einigen Jahren zwar lange Gespräche über ihre Kindheit, den Zweiten Weltkrieg, ihre Flucht und ihre kuriose Ankunft zwischen vielen Narren an einem Rosenmontag in Rastatt-Ottersdorf geführt – und später in einem kleinen Buch zu Papier gebracht. Doch weiter als bis zu ihren Großeltern Otto und Martha Kolbe aus Stettin-Finkenwalde reichten diese nicht zurück. Einige Anhaltspunkte bietet der Nachname aber trotzdem. Lässt er sich doch bis ins 17. Jahrhundert im heutigen Brandenburg und im heutigen Polen zurückverfolgen. Und noch mehr als das: Nach Recherchen der inzwischen gestorbenen Hobby-Ahnenforscher Franz und Monica Wieman (geborene Kolbe) heiratete am 2. Mai 1690 Michael Kolbe eine Frau namens Anna Fritzen aus Schwarzow – einem späteren Ortsteil Stettins.

Ob aus dieser Verbindung viele Generationen später auch meine Großmutter entstand? Das ist zwar durchaus möglich, aber: ich weiß es nicht. Genauso wenig, wie ich herausfinden konnte, wieso mein Vater im Sommer 2014 eine gefühlte Ewigkeit am brasilianischen Einreiseschalter festgehalten wurde. Gut möglich, dass es weder Ur-Ur-Ur-Urgroßeltern oder ein weit entfernter Onkel war, der da auf dem Bildschirm des Beamten auftauchte – sondern einfach nur ein Namensvetter.

MyHeritage und die Pforzheimer Zeitung verlosen sieben DNA-Tests

MyHeritage ist eine Firma mit Sitz in Tel Aviv, die weltweit führend im Bereich DNA- und Stammbaum-Forschung ist. In den vergangenen 17 Jahren hat MyHeritage Millionen von Menschen dabei geholfen, neue Verwandte zu finden und ihre ethnische Herkunft zu entdecken. Die DNA-Tests werden bequem von zu Hause aus per Speichelprobe gemacht und per Post eingesendet. Nach etwa drei bis vier Wochen sind die Speichelproben ausgewertet und der Kunde bekommt die Ergebnisse per E-Mail. Die Resultate beinhalten ausschließlich die ethnische Einschätzung, die die Labore von MyHeritage anhand der Proben aufgeschlüsselt haben.

Im Zuge der Serie „DNA-Spuren“ verlost die Pforzheimer Zeitung wöchentlich einen von sieben DNA-Tests. Um bei der Verlosung mitzumachen, senden Sie eine E-Mail mit dem Stichwort „DNA“ an internet@pz-news.de und erzählen uns in ein paar Zeilen, warum Sie einen solchen Test gerne machen möchten. Vergessen Sie nicht Ihre Kontaktdaten, unter denen die Redaktion Sie im Falle eines Gewinns erreichen kann.

Kein Glück bei Verlosungen? 

Kein Problem: Mit dem Rabbatcode DNAPFORZHEIM sparen PZ-Leser bei der Bestellung eines MyHeritage DNA-Tests die Versandgebühr von 9 Euro. 

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Simon Walter

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