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In Neuenbürg brannten drei Autos, ein viertes wurde dabei im Heckbereich beschädigt.  Fotos: Tilo Keller 
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Drei offenbar bewusst angezündete Autos vermeldet die Polizei aus Neuenbürg. Ein viertes Fahrzeug wurde bei dem Brand am Dienstagmorgen beschädigt. 
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Drei offenbar bewusst angezündete Autos vermeldet die Polizei aus Neuenbürg. Ein viertes Fahrzeug wurde bei dem Brand am Dienstagmorgen beschädigt. 
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Zum Glück hat der Brand dieses Autos in Ersingen nicht auf das angrenzende Wohngebäude übergreifen können. Rund 200 Meter weiter stand zur gleichen Zeit ein anderes Fahrzeug in Flammen.  Foto: Tilo Keller 
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Zum Glück hat der Brand dieses Autos in Ersingen nicht auf das angrenzende Wohngebäude übergreifen können. Rund 200 Meter weiter stand zur gleichen Zeit ein anderes Fahrzeug in Flammen.  Foto: Tilo Keller 
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Nicht mehr viel übrig ist von diesem Auto in Ersingen. Rund 200 Meter weiter stand zur gleichen Zeit ein anderes Fahrzeug in Flammen.  Foto: Tilo Keller 

15 brennende Autos in einer Woche: Brandstifter jetzt in Ersingen und Neuenbürg aktiv

Kämpfelbach-Ersingen/Neuenbürg. Fünf teils mit meterhohen Flammen brennende und ein angeschmortes Auto haben in der Nacht von Montag auf Dienstag Feuerwehren, Polizei und Rettungskräfte in Kämpfelbach-Ersingen und Neuenbürg in Atem gehalten. In Ersingen gingen am Montag kurz vor Mitternacht fast zeitgleich zwei Wagen in Flammen auf, die rund 200 Meter auseinanderstanden. Zwei technische Defekte auf einen Schlag als Brandursache? Daran glaubt bei Polizei und Feuerwehr niemand. Schon gar nicht angesichts der am Dienstag gegen 3 Uhr in Flammen stehenden drei Autos in Neuenbürg, die wie in Ersingen alle in einer Straße standen. Ein viertes Auto wurde in Ersingen durch den Brand eines dahinter stehenden Autos beschädigt.

Mit einer groß angelegten Fahndung, die bereits kurz vor Mitternacht startete, suchten elf Streifenwagen-Besatzungen und ein Polizei-Hubschrauber nach möglichen Brandstiftern in und um Ersingen. Bei der Fahndung nach den Brandstiftern von Neuenbürg waren neben dem Hubschrauber sogar 15 Streifenwagen-Teams im Einsatz. Offenbar blieben beide Suchmaßnahmen ergebnislos.

Erneute Brandanschläge im Enzkreis
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Erneute Brandanschläge im Enzkreis

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Zwei brennende Autos in Ersingen: Erneute Brandstiftung?

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Drei Autos in Neuenbürg angezündet, viertes beschädigt

Riesiger Schaden: Polizei geht von Brandstiftung aus

Eine erste Schätzung der Polizei geht in Ersingen von einem Schaden in Höhe von rund 40.000 Euro an den Fahrzeugen und von 15.000 Euro an einem Gebäude aus. In Neuenbürg wurde der Schaden an den Fahrzeugen auf 100.000 Euro geschätzt.

Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Offenbar wurden Spuren von Brandbeschleuniger gefunden, auch wenn das Feuer, so Polizei-Pressesprecher Raphael Fiedler, viele Spuren vernichte. Bis ein Wagen komplett in Flammen steht, vergehen im Schnitt bis zu acht Minuten. Dann aber kann es heiß werden, je nach Bereich zwischen 700 und 1000 Grad Celsius. Wenn dann noch ausgiebig mit Wasser und Schaum gelöscht wird, bleibt von DNA-Spuren, Fingerabdrücken und Fasern nichts mehr übrig. Und trotzdem werden alle Wracks der vergangenen vier Brandstiftungen akribisch von den Kriminaltechnikern auf Spuren untersucht. Dabei, so scheint es, konnte entzündeter Brandbeschleuniger als Ursache für das Feuer entdeckt werden.

16 brennende Autos in einer Woche

Erst standen am vergangenen Dienstag fünf Autos im Pforzheimer Stadtteil Maihälden in Flammen, dann in der Nacht auf diesen Montag sechs Autos in Remchingen-Singen, es folgten am Montag kurz vor Mitternacht zwei brennende Fahrzeuge an der Laierbergstraße in Ersingen und am Dienstagmorgen sorgten drei entflammte Autos an der Schauinslandstraße in Neuenbürg für Schrecken – entweder lebt hier im Enzkreis ein Brandstifter seinen krankhaften Trieb in immer kürzeren Abständen aus oder es gibt nicht minder kranke Nachahmer, die ihrer Zerstörungswut oder einer fehl geleiteten Geltungssucht frönen. Laut Hans Matheis, Vize-Präsident des Polizeipräsidiums Karlsruhe, müsse man durch Ähnlichkeiten bei der Herangehensweise „stark davon ausgehen, dass es sich um den gleichen Täter handelt“.

Gänzlich bestätigen oder ausschließen könne man dies aber nicht, so Fiedler. Auch ein Nachahmungstäter sei denkbar.

Einzeltäter oder Gruppe? 

Zudem sei noch unbekannt, ob es sich um einen oder mehrere Täter handele, hieß es heute von Seiten der Pressestelle der Polizei.

Ein Auto anzuzünden, dass daraus ein Vollbrand entsteht, ist gar nicht so einfach. Gleich mehrere Autos nacheinander in Brand zu setzen, ist aufwändig und eine Frage der Zeit, denn selbst in den abgelegensten Straßen geht mal ein Hundehalter spät noch Gassi mit seinem Vierbeiner oder bestückt ein Austräger die Zeitungsboxen mit der PZ. Vielleicht hat ein Haupttäter einen Helfer oder es handelt sich um eine Gruppe verwirrter Zeitgenossen, die im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Feuer spielen. Denn ein Autobrand kann leicht außer Kontrolle geraten, wenn die Flammen auf benachbarte Gebäude übergreifen.

Autobrand kann außer Kontrolle geraten - Strafanzeige wegen versuchten Mordes

In Ersingen waren Rauchspuren an einer Garage und verschmortes Dichtmaterial an einem Fenster zu sehen. In einem anderen Fall hätte so ein Autobrand möglicherweise auf ein Vordach oder einen Balkon überspringen und sich dann im Dachstuhlbereich weiterentwickeln können und so ernsthaft Menschenleben in Gefahr gebracht.

Aus diesem Grund will zum Beispiel Rechtsanwalt Andreas Bittighofer, der einst CDU-Stadtrat in Pforzheim und Neuenbürg war, Strafanzeige wegen versuchten Mordes stellen. Vor seinem Haus in Neuenbürg brannten zwei Autos, deren Brandgase in Richtung des Kinderzimmers zogen, in dem zum Glück gerade keiner seiner Söhne schlief. Dafür war ein Duschraum mit leicht gekipptem Oberfenster total verraucht. Die Rauchgase, die bei einem Autobrand entstehen, wenn Gummi, Kunst- und Schmierstoffe entflammen, sind hochgiftig und eine Rauchgasvergiftung kann tödlich enden, zumal es nur in weiterem Umkreis einige wenige Kliniken mit Spezialplätzen für akute Notfälle gibt.

„Wir nehmen beide Taten sehr ernst, weil sie vom Umfang und den möglichen Auswirkungen auf Wohngebäude Risiken bergen, die niemand mehr im Griff hat“, sagt Matheis – „vor allen Dingen der Täter nicht.“ Dass dieser gezielt gegen bestimmte Personen vorgehe – dafür gebe es keine Hinweise. Die Ermittlungsgruppe versuche auch, Parallelen zu den Wald- und Autobränden im Sommer in Wilferdingen und Neuenbürg herzustellen und die Spuren von damals neu zu betrachten.

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Das große Aufräumen nach den Autobränden in Neuenbürg

Akribische Suche nach allen möglichen Spuren

Darum suche man rund um die Tatorte akribisch nach Gegenständen, die der Brandstifter weggeworfen oder verloren haben könnte, so Matheis. Auch Videoüberwachung im Umfeld werde ausgewertet und in Tankstellen nachgefragt, ob jemand kurz vor der Tat Brandbeschleuniger gekauft hat. Es gelte, Parallelen zu finden. Etwa, wie der Täter vorgegangen ist und welcher Brandbeschleuniger genutzt wurde. Auch, dass beide Tatorte in Singen und Ersingen in der Nähe von Bahnhöfen liegen, habe man im Blick, so Fiedler.

Die Polizei baut auch auf Hinweise aus der Bevölkerung. Jedes Detail könnte für die Ermittler wichtig sein, sagt Fiedler. Das könne jemand sein, der sich herumtreibe, unentschlossen auf und ab laufe, so Matheis. Gemeldet werden sollten auch verdächtige Gegenstände, die in Zusammenhang mit der Tat stehen könnten. „Lieber einmal zu früh als zu spät anrufen“, sagt er. Im Falle der Neuenbürger Brandstiftung sollen laut Bittighofer vor rund zwei Wochen Unbekannte an der Schauinslandstraße fotografiert haben. Hat hier ein Brandstifter die Lage ausgekundschaftet, waren es Einbecher oder völlig unbescholtene Mitbürger? Ein komisches Gefühl hätte einige Anwohner schon gehabt, sagte Bittighofer gegenüber PZ-news. Er habe auch gehört, dass eine Videoüberwachungsanlage in der Nachbarschaft eventuell etwas aufgenommen habe, was vielleicht zu den Brandereignissen passen könnte.   

Personen, die sachdienliche Angaben machen können, werden gebeten sich mit dem Kriminaldauerdienst Karlsruhe unter Telefon (0721) 666-5555 in Verbindung zu setzen. Für Hinweisgeber und Zeugen, die gerne anonym Aussagen machen wollen, ist ein rund um die Uhr besetztes anonymes Hinweistelefon unter der Nummer 0721-666-6666 geschaltet.

Die Ermittlungsgruppe "Lenkrad" wurde inzwischen von 15 auf 20 Beamte vergrößert und ist jetzt eine BAO (Besondere Aufbau-Organisation) mit mehr Befugnissen und Zeitbudget, um die Ermittlungen zu intensivieren. Polizeikräfte werden gerade mobilisiert, um mehr Präsenz in und um Pforzheim herum zu zeigen. Die Polizei hat einen Flyer entwickelt, der Anwohnern der betroffenen Straßen und neuen möglichen Zeugen zukommen soll.

Vor einem Jahr: Feuerteufel in Remchingen

Vor rund einem Jahr, Ende November 2018, hat schon einmal ein Feuerteufel in Remchingen sein Unwesen getrieben. Damals brannten fünf Autos und ein 30-Jähriger sagte kurz darauf aus, das Feuer gelegt zu haben. Das Gericht verhängte zwar eine Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren gegen ihn, allerdings ist er seitdem in einer geschlossenen Psychiatrie. Bernhard Ebinger, Sprecher der Staatsanwaltschaft Pforzheim, bestätigte das noch einmal am Montag gegenüber PZ-news.

Sie haben eine Frage zum Versicherungsschutz bei solchen Brandfällen? Hier hat die PZ ein paar Infos zusammengestellt.

Thomas Kurtz

Thomas Kurtz

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