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Der nächste Prozesstag um den Mord an Jäger und Büchsenmacher Simon Paulus aus Birkenfeld lieferte spannende Erkenntnisse. Symbolfoto: Adobe Stock

Paulus-Prozess: Angst vor Rache und jede Menge Erinnerungslücken

Karlsruhe/Pforzheim/Enzkreis. „Iron“ nennen ihn Freunde und Bekannte respektvoll. Und auch wenn so mancher Zeuge sich partout nicht daran erinnern mag, warum der Hauptangeklagte im Paulus-Mordprozess „der Eiserne“ genannt wird, hat der Fortsetzungstermin am Mittwoch im Schwurgerichtssaal des Karlsruher Landgerichts doch weitere Facetten seiner Persönlichkeit ans Tageslicht befördert.

Ein 19-jähriger Schüler aus dem Kreis Ludwigsburg etwa sagte aus, in einer langen Nacht bis in die frühen Morgenstunden mit dem 30-jährigen Hauptangeklagten aus Pforzheim und einem weiteren 27-jährigen Deutschen Rastplätze und Feldwege in der Region als Beifahrer angesteuert zu haben. In Rauch aufgegangen und bis zur Asche verkohlt seien Kleidungsstücke und Kissen, sogar Schuhe mit Stahlkappen seien ins Lagerfeuer gewandert, das aus dem Benzinkanister stets kräftig angeheizt worden sei. Ein Messer und ein Autokennzeichen, vermutlich mit SP für Speyer, hätten die feurige Aktion überlebt, weshalb der Hauptangeklagte diese Dinge wieder mitgenommen und schließlich an einem Feldweg abgelegt habe.

[ In einer Multimedia-Reportage blickt die PZ zurück auf einen der spektakulärsten Fälle der Region: Vom Verschwinden bis zum Prozess – der Fall Simon Paulus ]

Eigentlich sei ein Grillabend geplant gewesen. Doch der habe sich überraschend zu einer ausgedehnten Verbrennungstour entwickelt. Vorab habe man noch schwere Müllsäcke mit metallischem Inhalt bei einem Fitnessstudio abgeliefert. Viele Fragen habe er nicht stellen wollen, bekannte der Zeuge. „Iron“ sei bekannt für seine Waffenleidenschaft und habe ihm in einer Tiefgarage mal 20 bis 25 Exemplare aus dessen Sammlung präsentiert. Am Tag der Ausfahrt habe er gleich zu Beginn eine Neun-Millimeter in die Hand gedrückt bekommen, um sich die Waffe mal ganz genau anzusehen. Der Schüler, den Computerspiel-Kreise ins Umfeld des Hauptangeklagten geführt hatten, mochte sich auf konkrete Nachfragen von Gericht, Staatsanwältin, Nebenklägerin und Verteidigern praktisch an kaum etwas Konkretes erinnern und bekannte, „Angst vor Rache“ zu haben. Dem Italiener würden gute Kontakte nachgesagt, und die Waffen hätten Eindruck auf ihn gemacht. Im Übrigen, so der 19-Jährige, habe er sich später auch bei der Polizei unter Druck gesetzt gefühlt.

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