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Am Donnerstagvormittag haben rund 25 Beamte den Bereich um den Fundort noch einmal großflächig nach Spuren abgesucht. 
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25 Polizisten haben am Donnerstagvormittag den Hagenschieß-Wald durchsucht. 

Warum dort? Leichenfundort stellt Soko vor ein Rätsel – Obduktion dauert an

Pforzheim/Birkenfeld-Gräfenhausen. Immer noch ist Warten angesagt. Entgegen erster Erwartungen konnte die Polizei am Donnerstag noch keine Ergebnisse der Obduktion der Leiche präsentieren, die am Dienstag im Hagenschieß bei Pforzheim gefunden wurde. 

Aufgrund körperlicher Merkmale gehen die Ermittler aber nach wie vor davon aus, dass es sich um den seit gut vier Wochen vermissten Gräfenhausener Simon Paulus handelt. Letzte Gewissheit soll eine DNA-Untersuchung bringen, deren Ergebnis laut Pressemitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft ebenfalls noch auf sich warten lässt.

Die Obduktion soll auch Klarheit darüber bringen, wie das Opfer zu Tode gekommen ist. Außerdem erhoffen sich die Ermittler Aufschluss über den Todeszeitpunkt und darüber, wie lange der Körper schon im Wald lag.

Am Dienstag hatte nach Polizeiangaben ein Waldarbeiter die Leiche zufällig entdeckt. Vergraben war sie in einem Waldstück zwischen dem Pforzheimer Wildpark und dem Waldkindergarten, nur etwa zehn Meter von einem Forstweg entfernt. Einem Bericht von „Focus-Online“ zufolge sollen Tiere den Körper teilweise ausgegraben haben. „Die Örtlichkeit hat uns alle überrascht“, erklärte Polizeisprecher Frank Otruba gegenüber der PZ. Der Waldabschnitt ist bei Spaziergängern beliebt und äußerst belebt.

Weiter keine Spur von Waffen

Am Donnerstagvormittag haben rund 25 Beamte den Bereich um den Fundort noch einmal großflächig nach Spuren abgesucht. Rot-weißes Flatterband versperrt den Weg. Vier Manschaftsbusse der Polizei stehen auf dem Waldweg.  Wo sonst Scharen von Spaziergängern entlangschlendern, Jogger und Mountainbiker unterwegs sind, oder Hundebesitzer ihre Vierbeiner Gassi führen, ist kein Durchkommen.

Spurensuche nach Leichenfund: Polizisten durchkämmen Wald
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Spurensuche nach Leichenfund: Polizisten durchkämmen Wald

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Nach Leichenfund: Polizisten durchkämmen Wald erneut

Im äußerst beliebten und belebten Waldstück unweit des Wanderparkplatzes an der Tiefenbronner Straße zwischen dem Pforzheimer Wildpark und dem Waldkindergarten sucht die Polizei nach Spuren. Mit Stöcken und Metalldetektoren wurde der Wald durchkämmt. Rund drei Stunden dauert die Aktion. Auf den ersten Blick offensichtlich ergebnislos. „Ich habe keine Informationen darüber, dass etwas gefunden wurde“, sagte Otruba. Von Simon Paulus’ rund 30 Waffen, die zusammen mit dem 50-jährigen Büchsenmacher, Sportschützen und Jäger aus dessen Gräfenhausener Wohnung verschwunden sind, fehle weiter jede Spur.

Leichenfund im Wald bei Pforzheim
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Leichenfund im Wald bei Pforzheim

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Leiche in einem Pforzheimer Waldstück aufgefunden


Leichenfundort stellt Soko vor ein Rätsel

„Nach dem Zustand der Leiche gehen wir davon aus, dass sie schon seit längerer Zeit an dieser Stelle lag“, sagt Otruba. Möglich sei dennoch, dass Paulus nicht in der Nacht seines Verschwindens, sondern erst später hier vergraben worden sei. Die Polizei sucht deshalb Zeugen, die in der Zeit seit Mittwoch, 29. August, hier Auffälliges bemerkt oder beobachtet haben.

Vor ein Rätsel stellt die 40-köpfige Sonderkommission (Soko) „Wagner“ bei der Kriminalpolizei Pforzheim der Fundort der Leiche. Zum einen ist das Waldstück sehr belebt und auch am späten Abend ist auf den zahlreichen Wegen rundum noch mit Passanten zu rechnen. Zum anderen ist die Lage ungewöhnlich. „Man fährt ja mit einer Leiche oder einem Schwerverletzten im Kofferraum nicht ewig durch die Gegend“, hatte Ulrich Conle, Ermittlungs-Leiter der Soko „Wagner“ noch bei der Pressekonferenz am Dienstag kurz vor dem Bekanntwerden des Leichenfunds gemutmaßt.

Polizei zum Ermittlungsstand im Fall Simon Paulus
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Das sagt die Polizei zum Ermittlungsstand im Fall Simon Paulus

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Polizei zum Ermittlungsstand im Fall Simon Paulus

Bei ersten Suchaktionen hatten sich die Ermittler deshalb auch auf mögliche Fluchtwege konzentriert, die durch eher unbelebte Gebiete oder schnell Richtung Autobahn führen. Nun ist festzustellen, dass die Täter offensichtlich zumindest das Risiko auf sich genommen haben, quer durch Pforzheim zu fahren – denn anders ist die Stelle von Birkenfeld her kaum zu erreichen. Eine der zentralen Fragen, die die Polizei nun beschäftigen, ist, ob der Täter möglicherweise Ortskenntnis hatte, oder die Stelle zufällig ausgewählt wurde.

Sollten Personen seit dem Verschwinden des Opfers auch im Hagenschieß verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben oder sonstige Hinweise geben können, werden diese weiterhin gebeten, sich bei der Kriminaldauerwache unter der Telefonnummer (0721) 666-5555 zu melden.

Seit dem Verschwinden von Paulus Ende August hatten in der Region zwei weitere Leichenfunde für Aufregung gesorgt. Am 17. September wurde an der Straße von Dobel nach Bad Herrenalb ein Mann irakischer Herkunft erschossen. In diesem Fall ermittelt parallel die Soko „Tanne“. Am 12. September wurde ein 33-jähriger Vermisster tot im Wald nordwestlich von Pforzheim gefunden. Ein Gewaltverbrechen liegt hier allerdings nicht vor.