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Sechs Kriminaltechniker aus Pforzheim und Karlsruhe mit weißen Anzügen und Mundschutz waren im weiträumig abgesperrten Waldstück dabei, Spuren zu sichern. © Meyer
Kriminaltechniker aus Pforzheim und Karlsruhe mit weißen Anzügen und Mundschutz waren im weiträumig abgesperrten Waldstück dabei, Spuren zu sichern. © Meyer
Sechs Kriminaltechniker aus Pforzheim und Karlsruhe mit weißen Anzügen und Mundschutz waren im weiträumig abgesperrten Waldstück dabei, Spuren zu sichern. © Meyer
02.10.2018

Obduktion nach Leichenfund im Wald: Wie es jetzt weitergeht

Pforzheim/Enzkreis. Im Wald südlich von Pforzheim wurde am Dienstagmittag eine Leiche entdeckt. Am Mittwoch wird die tote Person in der Rechtsmedizin in Heidelberg obduziert. Währenddessen stehen zahlreiche Fragen im Raum.

Handelt es sich um einen Mann oder um eine Frau? Was war die Todesursache? Wie lange ist die Person bereits tot? Handelt es sich bei der Leiche um den seit rund vier Wochen vermissten Simon Paulus aus Gräfenhausen?

[ Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um den vermissten Simon Paulus handelt ]

Es lag Verwesungsgeruch in der Luft, als die Kriminaltechnikeraus Pforzheim und Karlsruhe am Dienstagnachmittag begannen, Spuren zu sichern. Mit Schaufeln gruben sie den Körper aus. In welchem Zustand sich die Leiche befand, ist nicht bekannt. In der Gerichtsmedizin in Heidelberg wird die Leiche am Mittwoch obduziert. Die Polizei hofft, die Ergebnisse im Laufe des Tages zu erhalten und weiterzukommen. Erst dann werde es Gewissheit geben, um wen es sich handelt. 

Leichenfund im Wald bei Pforzheim

Im Haus des vermissten Simon Paulus war Blut gefunden worden. Wie die Polizei gegenüber der PZ berichtete, würde der Abgleich dieser DNA-Spuren nach der Obduktion beim LKA in Stuttgart stattfinden. Und was passiert, wenn es sich nicht um den Vermissten handelt? Dann wird es schwieriger. Fingerabdrücke wird man eventuell nicht mehr verwerten können. Bei der Identifizierung von Toten hilft den Experten oft das Gebiss weiter, denn es ist sehr individuell, vergleichbar mit einem Fingerabdruck. Mit Hilfe der Zähne ist beim Mensch auch eine Schätzung vom Alter möglich.

Bildergalerie: Leiche in einem Pforzheimer Waldstück aufgefunden

Kriminaltechniker aus Pforzheim und Karlsruhe mit weißen Anzügen und Mundschutz waren im weiträumig abgesperrten Waldstück dabei, Spuren zu sichern.

Weitere Vermisstenfälle aus der Region seien der Polizei aber derzeit nicht bekannt. Ein Selbstmord ist aufgrund der Gesamtumstände auszuschließen.

Gegen 16 Uhr sind sechs Kriminaltechniker aus Pforzheim und Karlsruhe mit weißen Anzügen und Mundschutz im weiträumig abgesperrten Waldstück dabei, Spuren zu sichern. Zwei weitere sperren mit rot-weißem Flatterband den Fundort ab. Der liegt keine zehn Meter von einem Forstweg entfernt zwischen lichten Bäumen. Zwei der Beamten sind mit der Schaufel dabei, den Körper auszugraben. Lose Äste liegen daneben. Fotos werden gemacht, eine Lampe wird aufgestellt. Verwesungsgeruch liegt in der Luft. Entdeckt hatte die Leiche wohl ein Jäger. Die Atmosphäre ist ruhig und konzentriert. Nach etwa zwei Stunden ist die Arbeit getan und der Leichnam ist bereit für den Transport in die Rechtsmedizin.

Über den Zustand der Leiche macht die Polizei keine Angaben, auch nicht dazu, ob sie männlich oder weiblich ist. Unbekannt ist ebenso, ob bei der Person Dokumente oder Gegenstände gefunden werden, die eine Identifikation erleichtern.

Die Information über den Leichenfund erreichte die Pforzheimer Kriminalpolizei am Dienstagmittag just zu der Zeit, als sie eine große Pressekonferenz zum Stand der Ermittlungen im Fall des vor vier Wochen verschwundenen Büchsenmachers, Sportschützen und Jägers Simon Paulus samt seiner rund 30 Waffen gab.

Der Fall, der die Region seit Ende August beschäftigt, hatte am Wochenende durch die Online-Berichterstattung einer großen Boulevardzeitung auch bundesweit Aufsehen erregt. Nach einem Streit mit Unbekannten zuhause in Gräfenhausen war der 50-Jährige verschwunden. Große Mengen Blut von Paulus wurden gefunden. Die Polizei geht deshalb von einem Gewaltverbrechen aus, dem Paulus zum Opfer fiel und nicht von einem Untertauchen des Vermissten.

Über 300 Spuren und Hinweisen sei die Soko „Wagner“ inzwischen nachgegangen. Zu einem möglichen Täter oder einem Motiv habe bisher aber noch keine Spur geführt. Es habe mehrere Suchaktionen in der Region gegeben – auch aus der Luft. Alle bisher aber ergebnislos.

Es ist bereits der dritte Leichenfund in der Region innerhalb von zwei Wochen. Am 17. September ist an der L340 zwischen Dobel und Bad Herrenalb ein Mann irakischer Herkunft Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Am 12. September ist ein 33-jähriger Vermisster in einem Waldstück am Viehweg im Pforzheimer Nordwesten aufgefunden worden. Ein Gewaltverbrechen liegt hier allerdings nicht vor.
Wann es im aktuellen Fall weitere Ergebnisse und Informationen für die Öffentlichkeit gibt, ließen Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstagabend offen.

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