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Welche Spuren haben die Ermittler der Polizei am Fundort der Leiche auf der L340 zwischen Dobel und Bad Herrenalb gefunden? Aus ermittlungstaktischen Gründen wird dazu noch nichts bekanntgegeben. 
Opfer-PkwAudiA6
Wer kann Auskunft zu diesem grauen Audi A6 geben? Das rechtsgelenkte Auto gehörte dem Erschossenen und wurde in Maximilansau in der Pfalz gefunden. Hat jemand das Auto in der Nähe des Tatorts gesehen? 

Bei Dobel erschossener Iraker lebte schon länger in Deutschland

Dobel/Bad Herrenalb. Die Aufregung in Dobel ist immer noch groß und geprägt von ungläubigem Staunen. Ein am Montag gegen 22 Uhr neben der L340 zwischen Dobel und Bad Herrenalb aufgefundener 47-jähriger Iraker wurde am Fundort mit drei Schüssen – zwei Kugeln trafen den Kopf, eine drang in die Brust ein – getötet. Täter und Motiv scheinen noch völlig unbekannt zu sein. Für die Menschen in Dobel ist so etwas in ihrer Gemeinde bislang undenkbar gewesen.

„Hier herrscht eine ungläubige Ruhe“, hatte Bürgermeister Christoph Schaack gegenüber der PZ erklärt. „Man kann es kaum glauben, dass hier ein solches Verbrechen stattgefunden hat“, beschreibt er die Stimmung in der Gemeinde. „Es herrscht Entsetzen darüber, dass so etwas in unserem beschaulichen Dobel passiert ist“, meint auch ein Dobler Gemeinderat. Verunsichert seien die Leute deshalb schon: „Es wird spekuliert und jedes fremde Auto wird misstrauisch begutachtet“, so der Gemeinderat.

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Leiche mit Schusswunden bei Dobel entdeckt

„Das ist ein Kapitalverbrechen, da gehen wir mit Volldampf ran“, sagt Polizeisprecher Dieter Werner. Die 34-köpfige Sonderkommission „Tanne“ arbeitet gerade mit Hochdruck daran, das noch im Dunkeln liegende soziale Umfeld des Irakers aufzuhellen. War der 47-Jährige polizeibekannt? Welchen Familienstand hatte er? In welchen Kreisen hat er sich bewegt? Auf diese Fragen will die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen noch keine Antwort geben. Dass der erschossene Mann aus dem Stadtkreis Baden-Baden wohl ein Beziehungsnetzwerk gehabt haben muss, lässt sich aus seiner längeren Anwesenheit in Deutschland ableiten. Etwa 15 bis 20 Jahre soll er schon hier gelebt haben.

Der Tote hatte offenbar keine persönlichen Papiere dabei, dennoch fand die Polizei nicht näher beschriebene Hinweise, die es ihr ermöglichten, die Leiche einer bereits vorliegenden Vermisstenmeldung zuzuordnen. Wer den Iraker vermisst gemeldet hat, wurde von der Polizei nicht mitgeteilt.

Sein soziales Umfeld muss jetzt umfassend beleuchtet werden. Familie, Freunde, Arbeitskollegen, Nachbarn – überall müssen Menschen aufgesucht und befragt werden. Am Ende wird alles zusammengetragen, manches nachgefragt oder aufwändig überprüft, um ein rundes Gesamtbild vom Menschen und seiner Lebenssituation zu erhalten. Und das alles in der Hoffnung, eine ganz heiße Spur zu finden oder einen entscheidenden Hinweis zu erhalten. Ergebnisoffen soll das Vorgehen auch noch sein. Beim Motiv, so Polizeisprecher Werner, komme zum aktuellen Zeitpunkt immer noch „alles oder nichts“ in Frage.

Mit Spannung warten die Ermittler auf die Ergebnisse der Untersuchung des Autos des 47-Jährigen. Das steht gerade in Karlsruhe in einer Fahrzeughalle der Polizei und dürfte in den vergangenen Stunden ausgiebig durchleuchtet worden sein. Wie kam der rechtsgelenkte graue Audi A6 ins rund 40 Kilometer entfernte Maximiliansau in Rheinl

and-Pfalz? Dort wurde er am Mittwochmittag von der Polizei sichergestellt.

Stand das Auto zwischen 21.30 Uhr und 22 Uhr am Fundort der Leiche auf der Landesstraße? Die Stelle dürfte wohl auch der Tatort gewesen sein. Vor allem wenn man bedenkt, dass eine Zeugin in diesem Zeitraum Schüsse im Waldgebiet zwischen Bad Herrenalb und Dobel gehört hat.

Fuhr der Iraker mit seinem Auto selbst auf die L340? Oder wurde er in dem Auto dort hin transportiert? Und wer fuhr das Auto dann weg? Hat der Tote Beziehungspunkte zu Maximiliansau? Oder spielte das Fahrzeug in der Tatnacht gar keine Rolle? Antworten darauf gibt es offiziell nocht nicht. Das sei Täterwissen und könne daher noch nicht bekanntgegeben werden. Man wolle die laufenden Ermittlungen nicht behindern. Man hoffe auf weitere Zeugenaussagen zum Audi A6 und seinen möglichen Aufenthaltsorten insbesondere zwischen Montag und Mittwoch.

Welche Spuren im Auto entdeckt worden sind, wird von der Polizei noch nicht verraten. Am Ende könnte es schwierig werden, eindeutige Hinweise in einer Fülle von Fingerabdrücken und DNA-Spuren herauszufiltern.

Unklar ist, ob der Iraker gegen 22 Uhr zum Zeitpunkt des Auffindens durch einen Zeugen noch gelebt hat. Der Zeuge ging zwar angesichts der blutenden Wunden von einem schwer verletzten Mann aus und alarmierte dem entsprechend den Rettungsdienst, der verständigte Notarzt konnte jedoch nur noch den Tod feststellen. Angesichts der zwei Kopfschüsse könnte der Tod aber sofort eingetreten zu sein.

Als aktiver Feuerwehrmann war Bürgermeister Schaack am Montagabend selbst an der L340 im Einsatz. „Wir wurden zunächst für eine technische Hilfeleistung alarmiert“, sagt er. Spätestens als der Hubschrauber seine Kreise gezogen habe, sei jedoch klar gewesen, dass es sich nicht um einen Routineeinsatz handelt. Für alle Hilfskräfte sei der Dienst in dieser Nacht sehr belastend gewesen, darum habe sich auch ein Notfallseelsorger um die Beteiligten gekümmert.

Die Polizei bittet weiterhin Personen, die am Montagabend Schüsse gehört oder sonstige verdächtige Beobachtungen gemacht haben, die zu Fahrtbewegungen oder Standpunkten des Audi A6 Auskunft geben können, sich mit dem Kriminaldauerdienst in Karlsruhe, Telefon (0721) 666-5555 in Verbindung zu setzen.

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