Vermisster Simon Paulus: Polizei arbeitet 140 Spuren und Hinweise ab

Birkenfeld-Gräfenhausen. Zwei rätselhafte Kriminalfälle bewegen die Region. Während beim Tötungsdelikt nahe Dobel eine am Montagabend neben der L340 gefundene Leiche der Ausgangspunkt aller Untersuchungen war, ist es im Fall des vermissten Simon Paulus aus Birkenfeld-Gräfenhausen der Polizei noch nicht gelungen, den Büchsenmacher, Jäger und Sportschützen zu finden. Dabei will die Polizei hier ein Kapitalverbrechen „nicht ausschließen“, so Polizeisprecher Frank Otruba vom Polizeipräsidium Karlsruhe.

Die Formulierung ist bewusst vorsichtig gewählt, denn es gibt offenbar weder ein Lebenszeichen des 50-Jährigen noch wurde bislang seine Leiche gefunden. Paulus wurde zuletzt am Abend des 29. August von Nachbarn gesehen. Sämtliche Ausfallstraßen des Ortes wurden abgesucht, schließlich könnten Täter Dinge wie ein Handy oder eine Geldbörse von Paulus weggeworfen haben. Auch ein Waldstück zwischen Keltern und Karlsbad, das auf dem Weg von Gräfenhausen in Richtung der Autobahnauffahrt nach Karlsruhe liegt, wurde durchkämmt. Scheinbar wurde nichts Verwertbares gefunden.

„Wir haben 140 Spuren und Hinweise abgearbeitet“, so Otruba. Eine „richtig heiße Spur“ sei aber nicht dabei gewesen. Die Befragung aller Nachbarn im weiteren Umfeld durch die drei Dutzend Beamte zählende Sonderkommission „Wagner“ ist inzwischen abgeschlossen. Dabei hat sich bestätigt, dass es in der Nähe des Anwesens des möglichen Opfers ein Streitgespräch gab. Wer alles daran beteiligt war, scheint jedoch nicht geklärt zu sein. Auch weitere Kontaktpersonen von Paulus wurden befragt. Der PZ gegenüber wurde der Büchsenmacher als eine Art Sonderling beschrieben, der eher weniger kontakfreudig erschien.

Offiziell gilt Paulus als vermisst. An sich ist das nicht wirklich ein Grund für die Polizei, gleich mit großem personellen Aufwand in Gräfenhausen anzurücken. Dass in diesem Fall gleich eine Sonderkommission eingerichtet wurde, spricht dafür, dass die Polizei früh Hinweise auf ein Verbrechen erhalten beziehungsweise vor Ort gefunden hat. Angeblich wurden Blutspuren im Wohnhaus von Paulus entdeckt. Von Seite der Polizei gibt es zu der Art der Spuren keine Auskunft. Man wolle kein Täterwissen preisgeben und die Ermittlungen nicht durch frühzeitige Informationen gefährden. Dabei könnte eine große Menge Blut darauf hinweisen, dass Paulus in seinem Wohnhaus entweder schwer verletzt oder gar getötet wurde. Doch ohne eine Leiche bleibt es vorläufig bei Spekulationen.

Über sein Mobiltelefon ist der 50-Jährige bislang nicht erreichbar gewesen. Und: Mit Paulus sollen auch mindestens 30 Waffen verschwunden sein, die der Büchsenmacher als Jäger und Sportschütze legal besessen hatte. Wer kann von diesen Waffen profitieren? Gibt es zum Beispiel Beziehungen zur zuletzt immer militanter gewordenen Reichsbürger-Szene? „Da liegen uns keine Erkenntnisse vor“, sagt Otruba. Irgendwelche dubiosen Waffengeschäfte? Dazu gibt es offenbar ebenfalls keine Spuren.

Die Polizei ist wohl dringend auf neue Hinweise angewiesen. Oder auf einen Zufallstreffer – auch wenn das vielleicht bedeuten würde, dass man Simon Paulus nicht mehr lebend sehen würde.

Zeugen, die Hinweise zu diesem Fall geben können, werden gebeten, sich beim Kriminaldauerdienst unter (0721) 666-5555 zu melden.

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