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Zwei Explosionen in Ex-Heilanstalt auf der Schömberger Charlottenhöhe

Schömberg. Zwei laute Explosionen in den Gebäuden der einstigen Schömberger Heilanstalt schreckten am Mittwochabend die Einwohner der Charlottenhöhe auf. Augenzeugen beobachteten, wie sich drei Personen mit zwei Fahrzeugen schnell vom Tatort entfernten und verständigten gegen 18 Uhr die Polizei, die dann um 18.42 Uhr die Feuerwehr alarmierte.

Bei der ersten Lageerkundung stellte Rainer Zillinger, Kommandant der Feuerwehr Schömberg, fest, dass sich durch die Explosionen Trümmerteile und Glasscherben über einen Radius von rund 50 Metern ums Gebäude verteilt hatten.

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Explosionen in alter Klinik auf Schömberger Charlottenhöhe

In Abstimmung mit der Polizei haben die Einsatzkräfte beschlossen, das Gebäude nicht zu betreten, da nicht auszuschließen war, dass weitere Sprengsätze im allmählich verfallenden Gebäude vorhanden sein könnten. Die weitere Lageerkundung beschränkte sich daher erst einmal auf die Sicherung der Umgebung durch eine weite Absperrung des Gefahrenbereiches und eine Untersuchung des Gebäudes durch die Fenster, die über die außenliegende Rettungstreppe erreicht wurden.

Drei junge Männer gestehen die Tat

Parallel dazu konnte die Polizei im Bereich Calmbach drei Tatverdächtige festnehmen, auf die die Täterbeschreibung der Zeugen passte. 

Die jungen deutschen Männer im Alter von 17, 20 und 21 Jahren, gerieten sofort in den Verdacht, an dieser Tat beteiligt gewesen zu sein. Nach anfänglichem Zögern räumte das Trio ein, in dem unbewohnten Gebäude drei sogenannte "Polenböller" gezündet zu haben. Einen davon in einer Toilettenschüssel, was eine besonders ohrenbetäubende Detonation ausgelöst hatte. Nachdem die Durchsuchung ihrer Wohnungen nicht zum Auffinden von weiterem Sprengmaterial führte, gaben die jungen Männer zu, noch acht weitere "Polenböller" im Gebäude deponiert, aber noch nicht gezündet zu haben, was sich auch tatsächlich so bewahrheitete.

Die Polizei entschloss sich, Spezialisten anzufordern, die im Umgang mit Sprengstoff speziell ausgebildet und geschult sind. Um jegliche Gefährdung von unbeteiligten Dritten auszuschließen, wurde an den beiden Zugangsstraßen zur Charlottenhöhe Zugangskontrollen eingerichtet.

Auf Grund der ersten Erkenntnisse ließ Feuerwehr-Einsatzleiter Zillinger auch die Schnelleinsatzgruppen Schömberg und sowie den Rettungsdienst vorsorglich alarmieren. Die Kräfte des Roten Kreuzes übernahmen dabei auch die Versorgung der wartenden Einsatzkräfte der Feuerwehr. Bürgermeister Matthias Leyn war ebenfalls vor Ort gekommen und ließ sich in die Lage einweisen.

Um 21.30 Uhr trafen die angeforderten Spezialkräfte an der Einsatzstelle ein. Nach kurzer Absprache mit der Einsatzleitung der Feuerwehr wurde entschieden, dass das Gebäude zusammen mit einem Trupp der Feuerwehr abgesucht wird. Im Rahmen der Untersuchung konnten keine weiteren Sprengsätze entdeckt werden. Danach konnten die Kräfte von Feuerwehr und Rotem Kreuz zusammenpacken und wieder in ihre Standorte einrücken.

Großeinsatz von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei

Im Einsatz war die Feuerwehr Schömberg mit sechs Fahrzeugen und 30 Einsatzkräften. Unterstützung leistete beim Absperren der Zufahrtsstraße aus Richtung Calmbach die Abteilung Calmbach der Feuerwehr Bad Wildbad mit zwei Fahrzeugen und acht Einsatzkräften. Stark vertreten waren auch die Helfer des Roten Kreuzes mit sechs Fahrzeugen und 30 Personen, darunter auch der organisatorische Leiter Rettungsdienst und der leitende Notarzt. Der Einsatz war 22.30 Uhr beendet.

Die weiteren Ermittlungen werden von der Kriminalpolizei übernommen. Hinweise auf eine Verbindung zu den jüngsten Vandalismus-Fällen in Höfen hätten sich nicht ergeben, so die Polizei. Da glücklicherweise niemand verletzt wurde, ging die Sache noch glimpflich aus. Da es sich um ein marodes Gebäude handelt, entstand geringer Sachschaden. Die Heranwachsenden werden nun wegen Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz angezeigt. 

Polizei warnt: Privatgelände darf nicht betreten werden

Die Polizei erhält immer wieder Hinweise, dass sich Personen verbotenerweise Zugang zu dem Gebäude Charlottenhöhe verschaffen. Da es sich dabei um ein Privatgelände handelt ist es verboten, das Anwesen zu betreten. Wenn Personen dort angetroffen werden, erwartet sie eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs. Zudem begibt sich jeder, der das Gebäude betritt, aufgrund der Baufälligkeit in Gefahr. Aus diesem Grund wird die Polizei auch zukünftig ein Auge auf das Anwesen haben und regelmäßig bestreifen.

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Die Charlottenhöhe in Schömberg

Alte Lungenheilstätte als Treffpunkt für obskure Aktionen

Eigentlich ist es ja ganz ruhig an der Charlottenhöhe, schon fast unheimlich ruhig. Bei den abgeschiedenen Häusern der früheren Lungenheilstätte sorgen tagsüber höchstens Wanderer für ein wenig Abwechslung. Das ändert sich, wenn es dunkel wird im Wald zwischen Schömberg und Calmbach: Dann trauen sich nicht nur die Rehe heraus. Nein, dann irren auch seltsame Gestalten herum, deren Taschenlampen immer wieder die Finsternis erhellen und bei den Anwohnern für Angst und Schrecken sorgen.

Es sind vielmehr Geisterjäger, die in den alten, zum Großteil unbewohnten Gemäuern nach Erscheinungen aus dem Jenseits suchen.

Der Spuk mit der Gespensterjagd ärgert die wenigen Anwohner, die sich immer wieder massiv beschwert haben – auch über die Internet-Plattform Gespensterweb.de. In diesem Forum tauschen sich Gleichgesinnte über Spuk-Erscheinungen und gruselige Plätze aus. Außerdem gibt es Hinweise, was man zur Geisterjagd braucht und wie man Erscheinungen deuten kann.

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Film über „Irrenanstalt bei Nacht“ auf Youtube

Ob sie sich nun gruseln wollen oder Vorträge über die Geschichte halten: Nach wie vor zieht es die Menschen zur Schömberger Charlottenhöhe – das zeigen Videos auf Youtube. So war in einer Mai-Nacht eine Gruppe Jugendlicher auf dem Gelände und in den Häusern unterwegs und stellte ein Filmchen davon ins Netz. „Irrenanstalt Charlottenhöhe bei Nacht“ lautet der Titel und offenbart sofort fehlende Kenntnisse über die einstige Nutzung als Lungenheilstätte. Über 15 Minuten lang kann man den Weg durch die Häuser mitverfolgen, durch dunkle Räume voller Unrat und Scherben.

Die Kommentare zum Film sind nicht sehr freundlich. Von pubertierenden Kindern ist da die Rede: „Kein Wunder, dass die Nachbarn am Rad drehen.“ „Richtig schlecht“ findet ein anderer Betrachter das Filmchen und natürlich kommt auch der Hinweis, dass es sich bei der Charlottenhöhe keineswegs um eine einstige Irrenanstalt handelt. Einige Betrachter schreiben in ihren Kommentaren zum Film, dass sie schon auf dem Gelände waren oder bald hingehen wollen. Ein anderer Film stammt von jemandem, der im September vor Ort war. Das Video zeigt fast 20 Minuten lang einen Rundgang durch die Häuser, diesmal allerdings bei Tag. Titel „Lost Place | Nähe Pforzheim.“ Mehr Informationen über Geschichte und Zustand der Gebäude liefert ein Film, der ebenfalls im September entstanden ist. Der Filmer kritisiert die Vermüllung, Graffiti und Vandalismus: „Was soll das“, fragt er und zeigt Scherben, Heizkörper und Dachziegel, die auf den Wegen liegen. Sein Kommentar: „Das war früher Schömbergs Markenzeichen, die Lungenheilklinik Charlottenhöhe tief im Wald, seht selbst, was noch bleibt.“