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Ende 2011 gingen in der Schmuckkettenfabrik Cobra für immer die Lichter aus, nachdem der Geschäftsführer im April Insolvenzantrag gestellt hatte.  Foto: PZ-Archiv 

Gericht nimmt Firmen-Pleite unter die Lupe: Cobra-Insolvenzverwalter sah Einbruchsversion skeptisch

Mannheim/Pforzheim. Die Wahrheitsfindung kann mitunter ein mühsames Unterfangen sein, zumal dann, wenn die Ereignisse annähernd ein Jahrzehnt zurückliegen. Diese Erfahrung machte am Mittwoch einmal mehr auch die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Mannheim. Denn die am Vormittag geladenen beiden Zeugen im Verfahren gegen den ehemaligen Geschäftsführer der einstigen Pforzheimer Schmuckkettenfabrik Cobra, dem Insolvenzverschleppung und das Vortäuschen einer Straftat vorgeworfen werden, mussten bei so mancher Detailfrage der Kammer unter Vorsitz von Richterin Claudia Kreis-Stephan passen.

So bleibt vorerst unter anderem die Frage unbeantwortet, was es mit den drei Überweisungen in Höhe von insgesamt 118.000 Euro an zwei Unternehmen in Hongkong und Thailand auf sich hat, die Cobra im Januar 2011, wenige Wochen vor der Pleite, tätigte. Weder der ehemalige Steuerberater der Pforzheimer Firma noch der spätere Insolvenzverwalter können Licht ins Dunkel bringen.

Angesichts des Gesamtschadens, den die Insolvenz nach sich zog, nimmt sich die Summe, die gen Asien transferiert wurde, gering aus. Die Gläubiger werden dem Insolvenzverwalter zufolge mangels Masse auf mehr als zehn Millionen Euro sitzen bleiben. Als er nach Ostern 2011 seine Arbeit bei Cobra aufnahm, habe sich der Edelmetallbestand auf 60 Kilogramm Gold und 1,8 Tonnen Silber im Wert von insgesamt rund vier Millionen Euro belaufen. Den Fehlbestand beziffert der Stuttgarter Rechtsanwalt mit neun Millionen Euro, was sich aus den bis heute spurlos verschwundenen 120 Kilogramm Gold und zwei Tonnen Silber ergibt. Folge eines Einbruchs, wie es damals der Geschäftsführer darstellte? Dieser Behauptung sei er „sehr skeptisch“ gegenübergestanden, er habe sich den Grund für das Fehlen des Edelmetalls aber auch nicht erklären können, betont der 65 Jahre alte Zeuge. Die Verbindlichkeiten des Pforzheimer Betriebs, so der Jurist weiter, hätten sich nach dem Insolvenzantrag auf 13 Millionen Euro belaufen. Betroffen von der Pleite seien 63 Arbeitnehmer gewesen.

Umsatzeinbruch

Auch ungeachtet des verschwundenen Edelmetalls wäre es nach Ansicht des Rechtsanwalts zu einer Insolvenz von Cobra gekommen. Demnach brach im ersten Quartal 2011 der Umsatz um 30 Prozent ein, sodass im April die Löhne und Gehälter nicht mehr hätten bezahlt werden können.

Dabei hatte es Ende 2010 gar nicht so schlecht ausgesehen für das Pforzheimer Unternehmen. Auch wenn der Jahresabschluss in Höhe von 9,6 Millionen Euro einen überschaubaren Umsatzrückgang im Vergleich zu 2009 (10,5 Millionen Euro) auswies, sei er von einer „stabilen Situation“ ausgegangen, hatte zuvor der ehemalige Cobra-Steuerberater ausgesagt. Die Ertragslage beziffert er mit 110 000 Euro. Nach Erfahrung des Insolvenzverwalters „nicht viel, aber branchentypisch“. Die Inventur 2010 hat der Erinnerung des Steuerberaters zufolge keine Unregelmäßigkeiten ergeben.

Vertrag mit Swarovski

Um seine Geschäftsentwicklung zu verbessern, hatte Cobra noch im März/April 2011 mit der Firma Swarovski in Liechtenstein einen Ketten-Kaufvertrag abgeschlossen. Vereinbart worden war die Lieferung von 1,2 Millionen Meter Kette, bestehend aus acht bis zehn Tonnen Tombak. Daraus wurde letztlich nichts. Anfang April meldete das Unternehmen Kurzarbeit an. Laut dem 48-jährigen Zeugen hatte ihm der Cobra-Geschäftsführer schließlich am 27. April telefonisch die Überlegung unterbreitet, Insolvenzantrag zu stellen, da erhebliche Mengen von Edelmetall verschwunden seien. Dieser erfolgte dann einen Tag später.

Am Freitag geht der Prozess in die nächste Runde. Auf der Tagesordnung steht die Befragung ehemaligen Cobra-Mitarbeiter.