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Demo Stuttgart © dpa
19.10.2014

Aufgeheizte Stimmung bei «Demo für alle» - Polizei im Großeinsatz

Das Thema Sexualität im Unterricht lässt weiter die Emotionen hochkochen: Rund 1200 Menschen haben unter dem Motto «Ehe und Familie vor» gegen den Bildungsplan des Kultusministeriums protestiert. 500 Polizisten überwachten am Sonntag die «Demo für alle» in Stuttgart, gegen die auch 200 Gegendemonstranten auf die Straße gingen.

Bildergalerie: Demonstration gegen den Bildungsplan in Stuttgart

Das Kultusministerium wehrte sich gegen Vorwürfe, es strebe mit dem Bildungsplan eine «Sexualisierung der Schule» an oder wolle Familien zerstören. «Die Initiatoren spielen bewusst mit den Ängsten von Eltern, um ihrer Ideologie zu entsprechen und ihre Anhänger anzuheizen», sagte ein Sprecher von Ressortchef Andreas Stoch (SPD). Vielmehr sei der Wert von Ehe und Familie einer der Grundpfeiler des Bildungsplans.

In einer der Leitperspektiven des Plans, der an den Südwest-Schulen von 2016 an gelten soll, soll Toleranz unter anderem gegenüber sexueller Vielfalt verankert werden. Dagegen wandten sich Eltern und Großeltern bei der Protestversammlung mit blauen und rosa Ballons. Auf ihren Transparenten war zu lesen: «Schützt unsere Kinder», «Recht auf Kindheit» und «Gender-Ideologie stoppen». Auch der Landesvorsitzende des Philologenverbandes, Bernd Saur, kritisierte im «Focus» eine «Pornografisierung der Schule». Einige Bundesländer wollten abstruse Vorstellungen einer modernen Sexualpädagogik im Bildungsplan der Schulen festschreiben.

Der Petitionsausschuss des Landtags hat kürzlich eine entsprechende Eingabe der Initiative «Kein Bildungsplan unter der Ideologie des Regenbogens» abgelehnt, die 192 000 Unterstützer fand. Dadurch wurde die dritte «Demo für alle» ausgelöst.

Trotz aufgeheizter Stimmung kam es dabei zwischen den beiden Lagern nicht zu Übergriffen, auch weil die Polizei sie mit Absperrgittern voneinander trennte. Allerdings wurden Beamte von Gegendemonstranten angespuckt und mit Stinkbomben beworfen. Die Polizei erteilte nach eigenen Angaben Mitgliedern linker Gruppen sechs Platzverweise und stellte mehrere Gegenstände sicher, darunter Textilien zur Vermummung.

Stochs Sprecher forderte die Bildungsplan-Gegner auf, sich mit dem tatsächlichen Vorhaben zu beschäftigen und die Erarbeitung der Bildungspläne durch Pädagogen im Internet nachzuvollziehen. Er erinnerte daran, dass das Ministerium das Thema sexuelle Vielfalt nach Kritik in einem größeren Zusammenhang gestellt habe: Es gehe genauso um Akzeptanz religiöser, kultureller, ethnischer und sozialer Vielfalt.

Auch zwischen den Parteien sorgt die vehemente Gegnerschaft konservativer Gruppierungen gegen dem Bildungsplan für Zwist. So riefen SPD und Grüne CDU-Landeschef Thomas Strobl auf, die Rolle seiner Partei beim Protest zu klären. «Strobl hat die Gelegenheit, klarzumachen, ob er nur Modernität für seine Partei proklamiert oder ob diese auch gelebt wird», sagte SPD-Generalsekretärin Katja Mast am Samstag in Stuttgart.

Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand kritisierte CDU-Teilorganisationen wegen ihrer Teilnahme an der Demonstration: Evangelische Arbeitskreise der CDU-Kreisverbände Heilbronn, Mannheim und Rems-Murr sowie der landesweite CDU-Arbeitskreis «Christdemokraten für das Leben». Sie stellten sich an die Seite von AfD und ultrakonservativen Verbänden und Personen, für die allein die traditionelle Familie eine gute Familie und Homosexualität eine Krankheit sei. Strobl gehört zum Heilbronner Kreisverband.

Der wiedergewählte CDA-Landeschef Christian Bäumler sagte, Toleranz gegenüber Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Neigungen entspreche dem christlichen Menschenbild. Auch gegen die Vermittlung von Akzeptanz gegenüber sexueller Vielfalt in der Schule sei nichts einzuwenden.

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