nach oben
11.01.2011

"Cowboy"-Minister Goll gibt eine seiner Waffen ab

STUTTGART. Der Vergleich mit Westernheld Lucky Luke wird Ulrich Goll wohl noch lange verfolgen. Zu einprägsam ist das Bild vom Justizminister, der schneller schießt als sein Schatten. Goll hat dieses Image selbst befördert. Bereitwillig erzählte er, wie blitzschnell er im Notfall seinen Revolver zur Hand hätte, um sich gegen Angreifer zu verteidigen.

Viel Spott, aber auch heftige Kritik brachte ihm das ein. Jetzt macht der 60-Jährige plötzlich einen Rückzieher. Eine seiner beiden Waffen habe der Minister abgegeben, bestätigte das Ministerium am Dienstag. Die Begründung blieb knapp.Der Minister benötige die Pistole nicht mehr.

Der ganze Aufruhr hatte angefangen, als Goll vergangenes Jahr im April bei einer Pressekonferenz ins Plaudern kam. Eigentlich sollte es darum gehen, wie die Regierung gegen illegale Waffen in Privathaushalten vorgehen wollte. Aber dann erzählte Goll freimütig von seinem eigenen Waffenschrank zu Hause. Eine Neun-Millimeter- Pistole des Herstellers Heckler & Koch aus Oberndorf (Kreis Rottweil) sowie einen Revolver des US-Herstellers Smith & Wesson vom Kaliber 22 habe er. Später legte der Minister nach:Einen professionellen Personenschutz halte er nicht für hilfreich. Im Ernstfall wolle er sich selbst verteidigen. Die Abläufe seien so eingeübt, „dass ich mindestens eine 80:20-Chance habe, einen Angriff auf meine Familie und mich abzuwehren“.

Für seine politischen Gegner war Golls Outing als überzeugter Waffenbesitzer ein gefundenes Fressen. Die Opposition im Landtag taufte den stellvertretenden FDP-Landeschef „Minister für Selbstjustiz“. Und Hardy Schober vom Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden kritisierte: „Man sieht, dass die Waffenlobby auch in der Landesregierung sitzt.“

Trotzdem blockte Goll vehement ab, wenn jemand forderte, er solle seine Waffen abschaffen. Dass er jetzt schließlich doch auf die kleinere seiner beiden Pistolen verzichtet, kommt überraschend. Monatelang hatte der Minister darauf gepocht, dass er die Waffen zur Selbstverteidigung brauche. Weshalb er sie jetzt nicht mehr braucht, wollte das Ministerium am Dienstag nicht beantworten.

Das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden war daher auch nur teilweise versöhnt. Seinen großen Revolver wolle Goll schließlich behalten, kritisierte Carlos Bolesch, stellvertretender Vorstand des Aktionsbündnisses. „Es ist für uns jedoch immer noch sehr schwierig, dass ein Repräsentant der Gewaltenteilung eine Waffe zum Selbstschutz besitzt. Das ist insgesamt natürlich befremdlich.“