14. März 2014
Schüler in Religion unterrichten und nebenbei Miete aus einem Bordell (Symbolbild) kassieren - darf das sein? Seine Arbeitgeber schmissen einen Lehrer deshalb raus. Zu recht, fand das Arbeitsgericht. Das letzte Wort ist allerdings noch nicht gesprochen.
Schüler in Religion unterrichten und nebenbei Miete aus einem Bordell (Symbolbild) kassieren - darf das sein? Seine Arbeitgeber schmissen einen Lehrer deshalb raus. Zu recht, fand das Arbeitsgericht. Das letzte Wort ist allerdings noch nicht gesprochen.
© Symbolbild: dpa

Kündigung von Religionslehrer wegen Bordell ist rechtens

Karlsruhe. Er hatte eines seiner Gebäude an ein Bordell vermietet und in Baden-Baden als jüdischer Religionslehrer gearbeitet - das ging gar nicht, meinte nun auch das Arbeitsgericht Karlsruhe. Es entschied am Freitag, dass die ordentliche Kündigung durch die Israelitische Religionsgemeinschaft (IRG) Baden rechtens war.

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Die fristlose Kündigung hielt das Gericht allerdings nicht für gerechtfertigt. Dagegen habe das lange Arbeitsverhältnis des Lehrers gesprochen und auch, dass zum Zeitpunkt der Kündigung im Juli 2013 kein Bordellbetrieb mehr stattfand. Das letzte Wort muss das jedoch nicht gewesen sein: Das Urteil ist nicht rechtskräftig, beide Parteien können dagegen Rechtsmittel beim Landesarbeitsgericht einlegen. Außerdem schwebt noch ein Rechtsstreit vor einem jüdischen Schiedsgericht.

Die Vermietung an das Bordell soll im Zuge von Ermittlungen und Durchsuchungen wegen möglicher finanzieller Unregelmäßigkeiten in der Israelitischen Kultusgemeinde Baden-Baden entdeckt worden sein. Der Lehrer, der zugleich dieser Gemeinde vorstand, war schon zuvor dieses Amtes enthoben worden. Der Lehrer ist zugleich Alleingesellschafter und Geschäftsführer einer Immobilienfirma, die 2006 in Baden-Baden ein Haus erworben hatte, in dem in zwei Wohnungen ein Bordell betrieben wurde. Er hatte hieraus sechs Jahre Miete kassiert.

Das Gericht sah hierin «einen ausreichend schweren Verstoß gegen die Loyalitätspflichten gegenüber seinem jüdischen Arbeitgeber aufgrund seiner Vorbildfunktion als Religionslehrer». Die Weiterbeschäftigung sei für den Arbeitgeber nicht zumutbar. Das zwei Jahrzehnte währende Arbeitsverhältnis endete nun durch die ordentliche Kündigung Ende Januar. Der Mann hatte sich sowohl gegen die fristlose als auch gegen die ordentliche Kündigung gewehrt.

Auch wenn der Kündigungsprozess noch in die nächste Instanz gehen sollte: Orna Marhöfer, die seit Mitte September die IRG Baden führt, hatte schon im Vorfeld betont, dass der Mann keine Schüler mehr unterrichten dürfe. Ein Religionslehrer müsse Vorbild sein.

Autor: dpa

14.03.2014
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