Das Theater Pforzheim muss an ziemlich vielen Ecken sparen – unter anderem bei den Personalkosten oder durch mehr Gastspiele. Foto: Ketterl/PZ-Archiv
Das Südwestdeutsche Kammerorchester – hier mit Dirigent Timo Handschuh – soll sich organisatorisch mit der Jugendmusikschule zusammentun. Foto: Ketterl/PZ-Archiv
Kultur
Auch die Kultur muss sich an Sparkurs der Stadt Pforzheim beteiligen
  • Simon Püschel

Kultur ist Luxus – heißt es zumindest. Da scheint es logisch, dass auch die kulturellen Einrichtungen aus Pforzheim mithelfen müssen bei der Sanierung des städtischen Haushalts. Denn dass die Stadt sparen muss, ist offensichtlich. Rund 30 Millionen Euro jährlich sind anvisiert. Schafft Pforzheim das nicht, könnte das Regierungspräsidium Karlsruhe einem zukünftigen Haushalt die Genehmigung verweigern – die Stadt wäre nicht mehr handlungsfähig, die Zwangsverwaltung droht. Um das zu verhindern, hat die Rathausspitze einen Sparplan entworfen, der während der kommenden zwei Wochen diskutiert wird. Viele Maßnahmen betreffen auch die Kultur.

Die Museen sollen weniger Geld bekommen, der Reuchlinpreis wird wohl künftig nur noch alle drei statt zwei Jahre vergeben. Doch den Großteil der kulturellen Einsparungen tragen naturgemäß die drei wichtigsten kulturellen Einrichtungen der Stadt: das Theater, das Kammerorchester und das Kulturhaus Osterfeld. Die PZ zeigt, wo diese sparen sollen. Welche Veranstaltungen es nicht mehr geben wird – und wie viel Geld das alles konkret in die Stadtkasse spült. Und das wichtigste: Was denken eigentlich die Verantwortlichen über den Aderlass?

An allen Ecken gespart – das Theater Pforzheim

Wo soll gespart werden? Beim Theater kommen viele Maßnahmen zusammen. So sollen zum Beispiel die Gastspiele ausgebaut werden. Auch beim Personal soll unter anderem durch eine Neugestaltung der Gagen gespart werden. Außerdem soll Geld aus der Rücklage an die Stadt fließen. Auch die Reduzierung der Sachkosten verspricht Einsparungen.

Wie viel Geld bringt das der städtischen Kasse? Insgesamt 605.000 Euro pro Jahr.

Was sagen die Betroffenen? Uwe Dürigen, Verwaltungsdirektor des Theaters, äußert sich: „Die Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen treffen das Theater Pforzheim als ohnehin schon eines der günstigsten Dreispartentheater in Deutschland mit einer Zuschusskürzung von fast 10 Prozent substanziell. OB Hager hat die Theaterleitung beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten, das den Erhalt aller drei Sparten bei gleichzeitiger Erreichung des notwendigen, sehr harten Einsparvolumens verwirklicht. Der zusätzliche Personalabbau – auch durch betriebsbedingte Kündigungen – führt uns, wie auch unsere Mitarbeiter, an die Grenze des Machbaren. Wir werden unser Dreispartentheater darüber hinaus durch den Verzicht auf eine große Produktion, den weiteren Ausbau des sehr erfolgreichen Gastspielbetriebes, den Abbau der von uns erwirtschafteten Sicherheitsrücklage und viele weitere Maßnahmen erhalten können.“

Synergien nutzen – das Südwestdeutsche Kammerorchester

Wo soll gespart werden? Das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim (SWDKO) und die städtische Jugendmusikschule sind in ihren Zielen vergleichbar – das sieht jedenfalls die Vorlage so. Deswegen sollen Synergieeffekte zwischen den beiden Einrichtungen für Einsparungen sorgen – zum Beispiel die räumliche Zusammenlegung oder eine gemeinsame Geschäftsstelle.

Wie viel Euro bringt das der städtischen Kasse? 150.000 pro Jahr – aber erst ab 2018. Dazu kommt der geplante Verkauf der SWDKO-Geschäftsstelle in Brötzingen. Der soll nach Aussage von OB Hager im PZ-Gespräch einmalig rund 250 000 Euro bringen.

Was sagen die Betroffenen?

Andreas Herrmann, der Geschäftsführer des SWDKO, meint: „Angesichts der schwierigen finanziellen Situation der Stadt ist klar, dass jeder einen Beitrag zur Konsolidierung leisten muss – so schmerzhaft das ist. Der Vorschlag der Verwaltung, mögliche Synergien – zum Beispiel bei einer gemeinsamen  Raumnutzung – zu nutzen, muss genauer untersucht werden. Bei einem entsprechenden Prüfauftrag des Gemeinderates an die Verwaltung werden wir sowohl die Möglichkeiten als auch die Notwendigkeiten des Kammerorchesters in die Prüfung einbringen. Unabhängig davon wird das Kammerorchester – wie die Stadt selbst – weiter alles daran setzen, auch die Einnahmen zu erhöhen.“

Am Limit angekommen – das Kulturhaus Osterfeld

Wo soll gespart werden? Die Stadt unterstützt das Kulturhaus Osterfeld mit einem Betriebskostenzuschuss von rund 800 000 Euro pro Jahr. Der soll ab dem Jahr 2020 verringert werden. Außerdem werden einige Veranstaltungen wie die „Sommersprossen“ aufgegeben, die das Kulturhaus mitorganisiert hat.

Wie viel Euro bringt das der städtischen Kasse? Die Einsparungen bei den Betriebskosten bringen 144 000 pro Jahr ab 2020.

Was sagen die Betroffenen?

Maria Ochs, die Leiterin des Kulturhauses, sagt: „Der Vorschlag, den Zuschuss für das Kulturhaus Osterfeld perspektivisch um 20 Prozent zu kürzen und zusätzlich auch noch Projekte, die im Kulturhaus angesiedelt sind, zu streichen,  macht uns große Sorgen. Für ein Haus, das schon sehr effektiv und ohne Luft nach oben arbeitet und trotz steigender Kosten auch jetzt schon keine Anpassungen erfährt, ist das ein existenzgefährdender Plan. Für mich ist eine Sache unbestritten: Pforzheims Stärke ist das kulturelle Angebot. Wer es schmälert, schafft Probleme, die an anderer Stelle ein mehrfaches an Kosten verursachen. Sicher müssen alle ihren Beitrag leisten – auch wir. Das Osterfeld, das mit viel Kraft aus der Bevölkerung heraus aufgebaut wurde, muss jedoch behutsam betrachtet werden – und nicht mit der Rasenmäher-Methode“