Michael Martin Kofler spielt Flöte – und leitet gleichzeitig das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim.
Kultur
Dirigieren und Spielen gleichzeitig: Michael Kofler wagt das Experiment
  • Simon Püschel

Pforzheim. Wenn der Flötist Michael Martin Kofler morgen die Bühne des Congress-Centrums Pforzheim (CCP) betritt, übernimmt er die Aufgaben zweier Personen. Die Flöte spielt er als Solist in den Konzerten von Carl Stamitz und Mozart – und muss doch gleichzeitig als Dirigent das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim leiten.

Der Körper dirigiert mit

Die Hände hält er an der Flöte, auch sein Oberkörper ist dem Orchester nur minimal zugewandt – denn als Solist schaut Kofler natürlich ins Publikum. Wie kann er sich da bemerkbar machen und zeigen, was er eigentlich will vom Orchester? „Bei dieser Art der Orchesterleitung kommt dem Konzertmeister natürlich eine verantwortungsvolle Aufgabe zu.“ Auf ihn, den Führer der Ersten Geigen, muss sich Kofler blind verlassen können. Aber ganz ohne Draht zu den Musikern ist der Flötist nicht – auch wenn er sie nur in den Augenwinkeln sieht.

Wenn Kofler in die Flöte bläst, ist sein ganzer Körper in Bewegung. Er geht in die Hocke, reißt Kopf und Körper in die Höhe – still steht er nicht. Und aus diesen Bewegungen ist eben doch viel zu erfahren über die Musik. Koflers Dirigat ohne Dirigentenstab funktioniert. Denn ein Dirigent, der sorgt nicht nur für den problemlosen Ablauf der Musik; er ist es auch, der die Interpretation der Musik vorgibt. All die Stellen, bei denen Kofler innerhalb der Konzerte als Flötist schweigt, hat er mit dem Orchester einzeln geprobt – und dem SWDKO vermittelt, wie er denn die Musik versteht. Und es gibt auch Werke, da legt Kofler die Flöte ganz aus der Hand. Das Konzert wird von Haydns 64. Symphonie beschlossen; Kofler dreht sich um zum Orchester, nimmt den Stab in die Hand – und wird zum richtigen Dirigenten.

Eine Premiere für den Musiker, der rund 1000 Solo-Konzerte gespielt hat. Ein professionelles Orchester zu leiten, das lernt man im Flötenstudium eigentlich nicht. Von einer Erfahrung aber zehrt Kofler. Seit fast dreißig Jahren ist er bei den Münchner Philharmonikern – und hat dort mit Sergiu Celibidache, James Levine oder Christian Thielemann unter großen Dirigenten gearbeitet. „Von denen habe ich eine Menge gelernt“, sagt Kofler. Er ist zuversichtlich – und freut sich drauf zu zeigen, dass das möglich ist: ein Solist zu sein und gleichzeitig Dirigent.