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Legenden: Roger Daltrey (links) und Pete Townshend liefern eine großartige Show. Talmon
Mit rund 9000 Fans ist die Stuttgarter Schleyerhalle an diesem Abend proppenvoll mit „The Who“-Fans.
Jüngster Neuzugang Bassist Pino Palladino.
14.09.2016

Grandioser Abschied von The Who in der Stuttgarter Schleyerhalle

Nein, es bedarf gar nicht der wöchentlichen Erinnerung als Titelmelodie einer weiteren „CSI Las Vegas-Folge“, um zu beweisen, dass der Song „Who Are You“ alles andere als verstaubt ist, obwohl er bereits 38 Jahre auf dem Buckel hat. In der Stuttgarter Schleyerhalle bedarf es lediglich weniger Sekunden, um 9000 Menschen zum Jubeln zu bringen, als The Who ihr Konzert mit diesem Hit aus den 1970ern beginnen.

Bildergalerie: The Who in Stuttgart von 9000 Fans bejubelt

Klar, Roger Daltrey und Pete Townshend sind in die Jahre gekommen, aber so richtig wahrhaben will und kann man ihr Alter nicht. Denn mit 72 beziehungsweise 71 Jahren lassen sie ihre Youngster-Vorband Slydigs richtig alt aussehen. Und das nicht nur, weil Townshend seine Gitarren-Windmühle kreisen lässt und Daltrey mit dem Mikro jongliert, als würde er seine Tricks immer noch stundenlang üben.

Es ist vor allem die Musik, die voller Frische, Einfallsreichtum und überraschender Wendungen steckt, die kaum glauben lässt, dass hier 50 Jahre Rock-Geschichte Revue passieren. Und dass The Who mit Titeln wie „The Kids Are Alright“ oder „Generation“ einst die Idole der Mod-Bewegung waren. Druckvoll, expressiv, energiegeladen sind die Songs, die die Who-Urgesteine mit Drummer Zac Starsky, der Keith Moon (1946– 1978) ersetzt, und dem Bassisten Pino Palladino, der für den 2002 verstorbenen John Entwhistle in die Band kam, mit offensichtlichem Spaß trotz extremer Hitze zelebrieren. Da wirkt selbst die erfolgreiche Cover-Version ihres Hits „Behind Blue Eyes“ durch Limp Bizkit irgendwie brav, wenn sich die alten Recken wie in Stuttgart ins Zeug legen. Und wenn die von drei Keyboardern unterstützte Band mit dem Instrumental „The Rock“ im „Quadrophenia“-Teil des Konzerts die Schleyerhalle zum Beben bringt, dann ist der optische Bogenschlag in der großartigen Videoshow vom Vietnam-Krieg zu den Terroranschlägen in Paris mehr als augenfällig.

Townshends Riffs sind krachend und feingliedrig, als wären keine Jahrzehnte darüber hinweggegangen. Und Daltrey singt, als ob es keine Altersgrenze gäbe. Mit den Hits aus der Rockoper „Tommy“, dem Ohrwurm „Baba O’Riley“ und „Won’t Get Fooled Again“ verabschieden sich The Who ganz unprätentiös und ohne Zugabe nach zwei Stunden von einem hingerissenen Publikum. Ein Abschied, der mehr als aller Ehren wert ist.