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Vielseitig: Klaus Eichberger, George Leitenberger, Ralf von Mohn und Clarissa Mo. Foto: Roller
Vielseitig: Klaus Eichberger, George Leitenberger, Ralf von Mohn und Clarissa Mo. Foto: Roller
27.02.2017

Kurze musikalische Weltreise: Liedermacher George Leitenberger beim Kulturverein Brühlstraße

Pforzheim. Einen besseren Ort hätte er sich für sein Konzert wohl kaum aussuchen können. Die Räume des Kulturvereins in der Brühlstraße liegen im zweiten Stock eines alten Gewerbegebäudes, das kurz nach dem Krieg errichtet wurde. Dunkler Holzfußboden, schwache Beleuchtung, alte Möbel und viele Kerzen schaffen den perfekten Rahmen für die Musik von George Leitenberger und seiner Band. Echte Wohnzimmer-Atmosphäre also für einen Künstler, der viel zu erzählen hat.

Stilrichtungen vereint

Von seiner Heimat in Genf, von Liebe und von der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, wenn man viel gegessen und getrunken hat. Seine Musik ist facettenreich, vereint unterschiedliche Stilrichtungen und zeichnet die Stationen seines Lebens nach. Und davon gab es viele: Im Remstal aufgewachsen, zog es ihn irgendwann nach Berlin und später nach London, wo sein erstes Kind geboren wurde. Zusammen mit seiner Frau ging es dann nach Genf. Dort lebt er bis heute.

Der selbst ernannten „Ville de l’Humanité“ hat er einen eigenen Song gewidmet: eine unaufgeregte, gefühlvolle Nummer, die auf unnötige Schnörkel verzichtet. Deutlich schneller und mit eingängigem Rhythmus ist dagegen das Stück, das er über ein chinesisches Restaurant geschrieben hat, das in Berlin ganz in der Nähe seiner Wohnung lag. Dort sagte der Wirt immer „Kost das Haus“, wenn etwas aufs Haus ging. Der Ausdruck hat sich bei ihm so eingebrannt, dass er seinen Song danach benannt hat.

„Die meisten Lieder entstehen aus Beobachtungen heraus“, sagt Leitenberger im PZ-Gespräch. „Man nimmt seine Umgebung wahr und reflektiert.“ In manchen bezieht er auch Stellung zu gesellschaftlichen Themen. In „Heavens“ – einem ruhigen Stück mit hohen Gitarrenklängen – geht es etwa um den Fanatismus, der immer mehr um sich greift. Und in „Bigdatores“ steht die allgegenwärtige digitale Überwachung im Mittelpunkt. Alles Themen, die ihn beschäftigen und an denen er seine Zuhörer mit seiner tiefen, manchmal etwas schnoddrigen Stimme teilhaben lässt – nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch und Französisch.

Leitenberger ist ein vielseitiger Künstler, der es versteht, Stilrichtungen wie Jazz, Blues oder Country zu einer bemerkenswerten Symbiose zu vereinen. „Weil ich es kann und Spaß daran habe“, sagt er lächelnd. Sein neues Album heißt „Autovia“ ist im vergangenen Jahr erschienen. Als er zusammen mit Bassistin Clarissa Mo, Pianist Klaus Eichberger und Schlagzeuger Ralf von Mohn dem Publikum einige Stücke daraus präsentiert, hat man das Gefühl, mit ihm auf eine kurze Weltreise zu gehen. So vielseitig und ausdrucksstark sind seine Songs. Viele Zuhörer sind nicht zu seinem Konzert beim Kulturverein Brühlstraße gekommen. Aber diejenigen, die gekommen sind, erleben einen begabten Liedermacher, hören ihm gerne zu und spenden viel Applaus.