Parodiert, erzählt, plaudert, spielt Gitarre und Keyboard: Andreas Müller ist ein Alleinunterhalter der ganz besonderen Art. Frommer
Kultur
SWR-Comedian Andreas Müller begeistert im CCP
  • Robin Daniel Frommer

Pforzheim. Er teilt kräftig aus und nimmt kein Blatt vor den Mund: Stimmenimitator Andreas Müller kennt zur Freude des Pforzheimer Publikums im bestens besuchten CongressCentrum kein Pardon. Alle, wirklich alle bekommen ihr Fett ab: prominente Sportler, Manager, Musiker und – Wahlkampf hin, Wahlkampf her – die Großkopferten aus EU-, Bundes- und Landespolitik.

Natürlich lässt sich Müller (49) dabei kaum eine Steilvorlage entgehen. Bestes Beispiel: Boris Beckers reichlich indisponierte Aussage bei der TV-Präsentation seines Buchs „Ich sage es ganz klar, dass ich stolz Deutscher zu bin“.

Am besten ist Andreas Müller aber, wenn er Politiker gegen den Strich bürstet. Er reibt sich an der „lustigen Sprache“ von Kretschmann, Oettinger und Guido Wolf, wohingegen Stefan Mappus quasi Hochdeutsch unterwegs gewesen sei. Bei Wolf legt SWR3-Comedy-Chef Müller außerdem optisch nach. Er lässt dessen Konterfei auf die Bühnenrückwand projizieren. Retuschiert die Brille weg und lässt, begleitet von der Bemerkung „ich wusste, ich kannte das putzige Gesicht“, die Großaufnahme eines Monchhichi-Figürchens folgen. Das bringt im Saal fast so viele prustende Lacher, wie das angebliche Röntgenbild vom wohlgenährten Fußballfunktionär Reiner Calmund samt dem Kommentar: „Ich dachte, das Skelett wächst mit.“ Im CCP zeigt sich Andreas Müller – der „Herr der 1000 Stimmen“ – in geradezu bestechender Form: Er wechselt rasant von der Gitarre zu einem der insgesamt sieben Keyboards, schlüpft in die Rolle von Jogi Löw, lacht wie „Basta-Kanzler“ Schröder und japst wie „Bundes-Horst“ Seehofer oder würgt Textfetzen wie Herbert Grönemeyer.

Manchmal singt Müller auch – beispielsweise das, mit Blick auf Putin, wieder aktuell gewordene Lied „Der Mann aus Russland“ des nur noch selten auftretenden Schweizer Musikers Stephan Sulke (72). Gewissermaßen „im Vorbeihuschen“ reißt Andreas Müller dem „Pop-Panda Cro“ die Bärenmaske vom Gesicht. Der sähe gar nicht so schlecht aus, wie er befürchtet habe, kommentiert Müller, könne aber „mit so einer Maske an mehreren Orten gleichzeitig spielen“. Das von Müller vorgelegte Tempo birgt aber auch Gefahren. Gerade mit verstellter Stimme gesprochen, geht manche Pointe im nicht optimal beschallten Saal schlicht verloren.

Vor allem seine humorvollen Verknüpfungen könnte der Baden-Badener gern ein paar Sekunden sacken lassen. Wäre doch schade, wenn etwa der von ihm von WM-Bestechung zur mangelnden europäischen Solidarität gespannte Bogen nicht verstanden würde, den er so anklingen lässt: „Falls jemals eine Mannschaft gegen uns wieder ein Tor schießt, kriegt die sofort 100 000 Euro? Nein, Flüchtlinge!“