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09. Juni 2011
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Bekennt sich offen zu seiner Homosexualität: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (rechts) und sein Lebensgefährte Jörn Kubicki.
Bekennt sich offen zu seiner Homosexualität: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (rechts) und sein Lebensgefährte Jörn Kubicki.
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Schwule Paare sind heute ein nicht mehr ganz so ungewöhnlicher Anblick. Für die Mehrheit der Deutschen ist die Home-Ehe kein rotes Tuch mehr.
Schwule Paare sind heute ein nicht mehr ganz so ungewöhnlicher Anblick. Für die Mehrheit der Deutschen ist die Home-Ehe kein rotes Tuch mehr.
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Deutschlands schwuler Sommer vor zehn Jahren

Liebe und Liberalität liegen in der Luft im Sommer 2001. Alles scheint möglich - und die Sonne rosarot. Erst macht am 10. Juni Klaus Wowereit mit seinem Ausspruch «Ich bin schwul, und das ist auch gut so» auf sich aufmerksam, dann tritt am 1. August die sogenannte Homo-Ehe in Kraft. Zehn Jahre ist dieser «schwule Sommer» nun her.

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Sein Ende kam jäh. Plötzlich - am 11. September - scheint die Zeit vorüber für warme Worte, Gesten und Gesetze. Angriff auf die USA, Krieg gegen den Terror. Sogenannte weiche Themen müssen in schwerer Zeit weichen. Wirkt der Sommer 2001 trotzdem bis heute nach?

«Er war ja nicht irgendein Politiker, sondern einer, der noch was werden wollte, und unmittelbar vor der Wahl stand», sagt Martin Munz, Vorsitzender beim Bund Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ) über das damalige Echo auf den SPD-Politiker Wowereit, der bis heute Regierender Bürgermeister von Berlin ist, und der in diesem Herbst wiedergewählt werden will. «Seine Offenheit wurde belohnt, weil erfreulich viele Heterosexuelle sein Coming-out als Fortschritt und Ausdruck neuer deutscher Lockerheit empfunden haben», meint Munz. «Es war das Signal für viele Homosexuelle, dass die Zeit des Versteckens - zumindest in den Großstädten - endgültig vorbei sein konnte.»

In seiner Autobiografie «...und das ist auch gut so» schreibt Wowereit: «Ich war erleichtert, hatte aber keine Ahnung, was passieren würde (...) Es brach ein Orkan los, den ich mir in meinen wildesten Träumen nicht hätte ausmalen können (...) Das Beste aber war: Alle überschlugen sich vor Nettigkeit. Ich hatte Mut bewiesen und die Sympathien auf meine Seite gezogen.»

Munz vom BLSJ, der mit seinem Mann in Hamburg lebt, ergänzt: «Wir warten immer noch auf die Spitzenpolitikerin, die sagt: "Ich bin lesbisch, und das ist auch gut so." Das steht uns noch bevor.»

Seit gut zehn Jahren untersucht ein Team an der Universität Bielefeld die Vorurteile der Deutschen gegenüber bestimmten Menschengruppen, darunter Juden, Migranten und eben auch Homosexuelle. Nach der neuesten Befragung von 2010 finden 16 Prozent der Deutschen Homosexualität «unmoralisch».

Das Nein zur «Homo-Ehe» ist auf einem Tiefstand: Aktuell hat genau ein Viertel der Befragten etwas dagegen, dass Schwule und Lesben (sowas ähnliches wie) heiraten dürfen. 2002 vertraten noch gut 40 Prozent diese Meinung. Die Aussage «Es ist ekelhaft, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen» bejahten 2010 immerhin 26 Prozent, 2002 waren es noch gut 33 Prozent.

«Die ablehnende Haltung gegenüber Homosexuellen hat in den vergangenen Jahren stetig nachgelassen», sagt Andreas Zick, der an der Studie maßgeblich mitarbeitet. Ursache sei wohl auch «die lange Reihe positiver Einflussnahmen zugunsten von Homosexuellen» - zum Beispiel die Einführung der eingetragenen Lebenspartnerschaft. «Diese Anerkennung des Staates setzt sich langsam in der Bevölkerung durch.»

Doch 2009, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, sahen die Bielefelder Forscher eine wachsende Ablehnung der Gruppen «Juden» und «Homosexuelle» - und zwar bei denen in der Bevölkerung, die sich vor dem Abstieg fürchteten. Erklärungsversuch: Manche sahen die beiden Minderheiten unbegründeterweise als «Krisengewinner», die die wirtschaftlichen Nöte scheinbar kaum betreffen.

Mittlerweile sagt Zick jedoch: «In Deutschland liegt die öffentliche Diskussion inzwischen so stark bei Integration und Religion, dass andere Gruppen wie Homosexuelle aus der "Schusslinie" geraten.»

Doch nicht überall: Im sächsischen Landtag wetterte vor kurzem beispielsweise die NPD, gleichgeschlechtliche Beziehungen seien eine «Panne der Humanevolution». Und nicht nur Rechtsextreme, auch Ultrakonservative fast aller Religionen sind feindselig und pflegen ihre Homophobie. Lesbisch? Schwul? Gut so? Wenigstens «auch in Ordnung»? In manchen Kreisen ist das kein Konsens. dpa

09.06.2011

Leserkommentare (16)

Mehr Kommentare
1
ruul | 09.06.2011 | 10:09

[QUOTE]Wir warten immer noch auf die Spitzenpolitikerin, die sagt: Ich bin lesbisch, und das ist auch gut so.[QUOTE] Ja man spürt förmlich, wie diesem befreienden Augenblick entgegen gefiebert wird; man hat ja sonst keine Probleme. Übrigens, gerade wenn man die Meinung vertritt, eine sexuelle Veranlagung sollte nicht moralisch bewertet werden, muss man den Zusatz "....und das ist gut so" weg lassen. mehr...

2
Nordstädtler | 09.06.2011 | 10:15

Zuweilen hat man den Eindruck, dass nur die (selbstverständliche) Gleichstellung scheinbar gar nicht ausreichend scheint... Alles aus diesem Bereich wird gelegentlich geradezu zelebriert.... mehr...

3
mailerin | 09.06.2011 | 10:49

Nun Anne Will ist zwar keine Spitzenpolitkerin. Sie hat aber schon `was drauf UND ist lesbisch. Viele ausgesprochen gutaussehende und kluge Frauen im öffentlichen Leben haben sich in den letzten Jahren zu ihrer gleichgeschlechtlichen Sexualität bekannt. Vielleicht spült gerade dieser Status, auch bei Männern, die dennoch existierende Zurückhaltung gegenüber dieser ungewohnten Offenheit weg. Im normalen Leben ist und bleibt es z.B. für Eltern nicht einfach, anzuerkennen, dass Sohn oder Tochter ...... mehr...

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