Die Siedlung „Unteres Enztal“ in der Oststadt: Hier, in benachbarten Containern und im Thales-Gebäude sind rund 800 Flüchtlinge untergebracht.
Pforzheim
„Bild“ und „Focus“ zählen Oststadt zu schlimmsten Stadtteilen Deutschlands
  • Marek Klimanski

Die „Bild“-Zeitung titelt mit „Ghetto-Report Deutschland“, „Focus“ warnt schlagzeilenhaft vor der „Ghetto-Gefahr in deutschen Städten“. Beide widmen sich diese Woche thematisch Deutschlands Problemvierteln, und beide zählen die Pforzheimer Oststadt dazu. Zu der Handvoll von Stadtvierteln, meist in der Nordhälfte Deutschlands gelegen, darunter berühmt-berüchtigte wie das zwischenzeitlich in Teilen zum Szene-Quartier gewordene Berlin-Neukölln, aber auch die durch „Tatort“-Sendungen bekannte Dortmunder Nordstadt oder Duisburg-Marxloh.

Allen ist eine hohe Arbeitslosigkeit gemeinsam, überdurchschnittlich viele Sozialhilfe-Bezieher, ein weitaus höherer Migrantenanteil als in anderen Stadtteilen, dazu eine schlechte Bausubstanz und ein im Durchschnitt niedrige Bildungsgrad ihrer Bewohner. So hat der Städtetag die Problemlage zusammengefasst. Durch die Zuwanderungs- und Flüchtlingswelle verstärke sich dies noch.

Eines der fünf schlimmsten Ghettos Deutschlands also in Pforzheim? „Ich mag den Begriff Ghetto nicht, man sollte ihn nicht überstrapazieren, und er trifft auch nicht zu“, sagt Pforzheims Sozialbürgermeisterin Monika Müller. Sie kenne die anderen beschriebenen Stadtviertel, dort seien die Probleme, zum Beispiel die Arbeitslosigkeit, weit größer. Sie verweist aber auch darauf, dass die von der Boulevardpresse über die Pforzheimer Oststadt erhobenen Daten nicht ganz stimmen, teils noch drastischer sind. Die Einwohnerzahl liege mit 8200 um rund 700 Menschen höher als die dort genannten 7500, die Zahl der Hartz-IV-Bezieher sei aber auch höher – 1000 statt 500, der Anteil der Ausländer ohnedies: Die Berichte haben in ihren Zahlen nicht eingerechnet, was sie selbst als Kritikpunkt nennen, weil es die Ghetto-Gefahr weiter erhöhe – dass just in diesem Stadtteil mit den beiden Groß-Unterkünften Thales und Eutinger Tal rund 800 Asylbewerber und somit aktuell die Hälfte aller Flüchtlinge in der Stadt lebe. Beide großen Unterkünfte seien befristet angelegt, vor allem Thales, und der Not geschuldet, plötzlich sehr viele Menschen unterbringen zu müssen, erklärt Monika Müller dazu.

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