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Hier am Waisenhausplatz wurde der 20-Jährige brutal überfallen.  Ketterl
Hier am Waisenhausplatz wurde der 20-Jährige brutal überfallen. Ketterl
12.07.2015

24-Jähriger bezahlt Zivilcourage fast mit dem Leben

Es ist Freitagabend. Um 19 Uhr geht ein 20-jähriger Pforzheimer über den Waisenhausplatz, als er von einer dreiköpfigen Personengruppe angesprochen wird. Sie fordern Geld und attackieren ihn sofort mit Pfefferspray. Der junge Mann kann zunächst in Richtung Theater flüchten, wird aber verfolgt und von einem der Angreifer mit einem Teleskopschlagstock zu Boden gestreckt, woraufhin ihm die Umhängetasche entwendet wird.

Mehrere Personen eilen ihm zur Hilfe, darunter ein 24-jähriger Mann aus Pforzheim. Dieser verfolgt mit einem weiteren Passanten einen der Angreifer. Beiden gelingt es, einen flüchtenden 40-Jährigen festzuhalten, doch dieser zückt ohne zu zögern ein Messer und sticht brutal auf den 24-Jährigen ein. Er wird lebensgefährlich verletzt.

Auf diese kaltblütige Art und Weise wurde am Freitag um 19 Uhr ein Raubüberfall verübt, welchen eine Person hätte fast mit dem Leben bezahlen müssen. Einzig und allein das schnelle Handeln der anwesenden Passanten und eine Notoperation in einem Pforzheimer Krankenhaus retteten dem jungen Mann, welcher Zivilcourage wie aus dem Lehrbuch bewies, das Leben. Gestern informierte die Polizei, dass er auf dem Weg der Besserung sei und mittlerweile außer Lebensgefahr ist. Der attackierte 20-Jährige erlitt nach der Attacke mit Pfefferspray und Schlagstock nur leichte Verletzungen und ist wieder wohlauf.

Schneller Fahndungserfolg

Zunächst ist allen drei Tätern die Flucht gelungen, der 40-jährige Messerstecher wurde allerdings erkannt. Kurze Zeit nach der Tat ist der Polizei die Festnahme in der Wohnung des gebürtigen Pforzheimers mit Migrationshintergrund gelungen. Noch am selben Abend wird er vor dem Amtsgericht Karlsruhe dem Richter vorgeführt, welcher eine sofortige Untersuchungshaft anordnet. Er wird sich nun wegen versuchten Totschlags und räuberischer Erpressung verantworten müssen. Zu seinen weiter flüchtigen Komplizen verweigert der Inhaftierte jegliche Aussage, so dass den Ermittlern bisher nichts über deren Identität bekannt ist.

Schockierte Zeuginnen

Der Waisenhausplatz war zum Tatzeitpunkt alles andere als verwaist. Zahlreiche Passanten verweilten beim schönen Wetter am Enzufer, saßen auf der Wiese oder schlenderten in der Abendsonne, wie eine Zeugin gegenüber der PZ berichtet. „Ich habe aus der Ferne zunächst nur einen Tumult zwischen zwei Männern gesehen. Als der eine dann offensichtlich mit dem Messer niedergestochen wurde, sind wir sofort hin und haben versucht zu helfen“, berichtet die schockierte Pforzheimerin, welche regelmäßig die Außengastronomie am Waisenhausplatz nutzt. „Ich habe zu diesem Zeitpunkt nicht geglaubt, dass er überleben wird“, gesteht sie. Umso schöner sei es, nun zu erfahren, dass der 24-Jährige nicht mehr in Lebensgefahr schwebe.

„Es rannten mehrere Personen an uns vorbei, was für Aufregung sorgte“, berichtet eine weitere Zeugin. Einer der Männer habe Drohungen umher gebrüllt. Die Mutter zweier Kinder war mit ihrer vierjährigen Tochter auf dem Weg von der Theater-Tiefgarage zu einem nahe gelegenen Restaurant. An der Ampel über die Zerrennerstraße verweilten die beiden kurz, als zwei Personen, vermutlich zwei der Täter, über die Straße rannten. Sie habe sofort ihre Tochter an der Hand genommen um mit ihr in einem Lokal Schutz zu suchen. „In solch einem Moment hat man einfach nur Angst und möchte als Mutter vor allem eines: Die eigene Tochter in Sicherheit bringen“. Zu diesem Zeitpunkt war ihr das Ausmaß des Verbrechens allerdings noch gar nicht bekannt: Erst am Samstag habe Sie im Internet auf PZ-news über den brutalen Raubüberfall gelesen. „Dann fängt man erst an, sich richtig Gedanken zu machen“, erklärt die Mutter aus Kämpfelbach besorgt. Besonders bedenklich finden beide Zeuginnen die Tatzeit, denn immerhin war es noch helllichter Freitagabend. Beide sind sich außerdem einig: Es fehle an Polizeipräsenz rund um den Waisenhausplatz. Immer wieder komme es zu Auseinandersetzungen, welche nicht immer ein glimpfliches Ende haben.

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