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In diesem Ein-Zimmer-Appartment an der Hohenzollernstraße wurde eine 25-jährige Pforzheimerin erstochen. © Ketterl
Stefan Hammer, Leiter des Kriminalkommissariats Pforzheim, Karl-Heinz Ruff, Leiter der Kriminalpolizei des Polizeipräsidiums Karlsruhe, Sandra Bischoff, Leitende Oberstaatsanwältin der Staatsanwaltschaft Pforzheim sowie Polizei-Pressesprecher Frank Otruba (von links) informierten über den Tod der 25-Jährigen. © Ketterl
Frau erstochen Nordstadt 11.jpg
05.08.2014

Mann gesteht Tat - Live-Bericht aus der Pressekonferenz zum Nachlesen

Pforzheim. Der Fall der getöteten 25-jährigen Frau in der Nordstadt scheint geklärt: Ein 32 Jahre alter Mann aus dem südlichen Enzkreis hat gestanden, die junge Frau mit einem Küchenmesser erstochen zu haben. Ein Amtsrichter erließ am Mittwoch Haftbefehl wegen des Verdachts auf Totschlag. Die eigens gegründete, 29-köpfige Sonderkommission (Soko) „Nordstadt“ wird aufgelöst.

Es ist, so schildert es der mutmaßliche Täter, der frühe Sonntagmorgen. In einem Lokal in der Innenstadt laufen sich der 32-Jährige, der nach PZ-Informationen in Thailand geboren wurde, und sein späteres Opfer, das osteuropäische Wurzeln haben soll, über den Weg. Sie beschließen spontan, zu der Frau in ihr Ein-Zimmer-Appartment in einem Mehrfamilienhaus an der Hohenzollernstraße zu gehen. Sie essen eine Kleinigkeit, trinken Bier; es kommt zum Austausch von Zärtlichkeiten. Doch die Stimmung kippt, man gerät in Streit – welcher eskaliert.

Arno F. (Name geändert) packt ein in der Wohnung herumliegendes Küchenmesser mit zehn Zentimeter Klingenlänge und sticht mehrmals auf die Pforzheimerin ein. Laut Obduktionsergebnis sind ein Stich, der die Lunge tangiert, und einer in die Aorta letztlich tödlich – Jasmin Z. verblutet innerlich. Arno F. entkleidet sie bis aufs T-Shirt und versucht, sich an ihr zu vergehen. Dann lässt er ab von seinem Opfer, sammelt ihr Handy, den Hausschlüssel, das Messer und ihre Handtasche ein, verlässt die Wohnung, läuft in Richtung Innenstadt und versteckt die Gegenstände an verschiedenen Plätzen, die er später der Polizei zeigen wird.

Doch das wird noch zwei Tage dauern. So lange hält er sich bei einer Bekannten in Pforzheim auf, die keinen Verdacht schöpft. Eine Angehörige des Opfers – die Familie hat zwei Wohnungen in Pforzheim – betritt am Montagvormittag das Appartment, ein Anwohner alarmiert die Polizei. Stefan Hammer, Leiter des Kriminalkommissariats Pforzheim, und Karl-Heinz Ruff, Kripo-Chef beim Polizeipräsidium Karlsruhe, telefonieren mehrfach an diesem Montag – es ist im übrigen der erste Tag an dem der neue Polizeipräsident, Günther Freisleben seine künftige Arbeitsstelle inspiziert, ehe er wieder – bis Ende des Monats – auf seinen Posten im Kosovo als stellvertretender Chef einer internationalen Polizeimission zurückkehrt. Ruff und Hammer beschließen, eine Soko ins Leben zu rufen. Hammer wird ihr Leiter. Beamte aus Pforzheim, Calw, Bruchsal und Karlsruhe gehören ihr an.

Moderne Technik spielt ihnen in die Karten: Am Tatort sichern sie den Abdruck einer Hand, geben den Treffer ans Kriminaltechnische Institut des Landeskriminalamts. Eineinhalb Stunden später kommt der Anruf aus Stuttgart: Der Computer hat die Daten von Arno F. ausgespuckt, seinen Wohnort, seine Vorstrafen. Das Amtsgericht Stuttgart verurteilte ihn im Jahr 2006 wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren und vier Monaten Haft. Gegenwärtig läuft in Pforzheim ein Verfahren gegen ihn wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Nach PZ-Informationen ist er mehrfach wegen Drogendelikten auffällig geworden. Wieder 90 Minuten später – es ist Dienstagabend – nehmen ihn Kripobeamte in seiner Wohnung fest. „Ich hab’ Mist gebaut“, sagt er – und: „Ich hab’ die Polizei schon erwartet.“ Die Live-Berichterstattung aus der Pressekonferenz können Sie hier noch einmal nachlesen. Weitere Informationen zum Fall gibt es in der Donnerstags-Ausgabe der „Pforzheimer Zeitung“.

 

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