Locker-flockig übers Wetter plaudernd – so kennen die Deutschen Sven Plöger. Im Fernsehen hat er immer nur wenige Minuten Zeit, seine Botschaft loszuwerden. Dabei hat der gebürtige Rheinländer durchaus mehr zu sagen über spannende Wetterphänomene und klimatische Entwicklungen. Das konnten die Gäste der Sparkasse Pforzheim Calw am Dienstagabend beim Turmgespräch mit dem Wettermoderator erfahren. Das Gewitter, das sich da vor den großen Panoramafenstern abspielte, nutzte Plöger zum Anschauungsunterricht.
Herr Plöger, Sie haben gar kein schönes Wetter zu uns nach Pforzheim mitgebracht. Wie kommt’s?
Sven Plöger: Das Tief kann auch ich leider nicht wegschieben. Die Unwetter derzeit sind schon krass, deswegen ist meine Freude auch ein bisschen reduziert. Obwohl ich ansonsten Gewitter toll finde.
Sind Gewitter Ihr Lieblingswetter?
Sven Plöger: Ja, definitiv. Vorausgesetzt niemand kommt zuschaden, was derzeit leider nicht der Fall ist. Ansonsten ist ein Cumulonimbus capillatus incus, so heißt Gewitterwolke auf meteorologisch, ist eigentlich etwas ziemlich Schönes. Wenn man bei der Entwicklung einer solchen Wolke zuschaut, sieht man, wie diese quillt und in die Höhe schießt. Oben bei 12, 13 Kilometern, kommt die Wolke in der Tropopause an, kann da nicht drüber und bildet dann diesen schönen Amboss. Das sind Wetterlagen, die ich toll finde – weil sie eine Ästhetik haben und natürlich auch, weil sie eine Herausforderung fürs Prognostizieren sind. Da ist man als Meteorologe mit einem vierstelligen Puls unterwegs.
Dazu besteht derzeit häufig Anlass. Vierstelligen Puls dürften auch die Bewohner von Stein am Dienstagabend gehabt haben, als ein kurzes Gewitter für eine Überschwemmung sorgte. Wie kommt es zu solchen sehr lokalen Ereignissen?
Sven Plöger: Das Entscheidende ist, dass die Gewitter, wie sie sich derzeit häufiger ereignen, nur sehr langsam vorankommen. Ohne überlagernden Wind gibt es praktisch null Wanderschaft der Wolken. Der Ort, wo das Gewitter drinhängt, bekommt also alles ab. Wir haben das vom Pforzheimer Sparkassenturm aus beobachtet – bei uns hat es dagegen nur getröpfelt.
Was ist denn mit unserem Wetter los? Immer häufiger – so scheint es jedenfalls – ereignen sich sogenannte Jahrhunderthochwasser. Gibt es da einen Zusammenhang zum Klimawandel?
Sven Plöger: Zunächst ist das einmal Wettergeschehen und auch früher hat es schon mal längere Gewitterperioden gegeben. Wobei das jetzt – 13 Tage am Stück mit schwersten Unwettern – schon eine extrem lange und außergewöhnliche Phase ist. Bei der Betrachtung des Klimamittels von 30 Jahren lässt sich zwar noch keine Unwetterzunahme finden, gerade die letzten Jahre zeigen aber Auffälligkeiten. Ob sich diese als Trends fortsetzen, muss weiter beobachtet werden. Interessant ist beispielsweise die Entwicklung bei der jetzigen Wetterlage „Tief Mitteleuropa“. Sie kam in den 1950er-Jahren rund sieben, achtmal pro Jahr vor, heute eher zehn bis 15 mal. Da kann man tatsächlich sagen: Oha, da tut sich was. Und deshalb traue ich mich schon, eine Verbindung zum Klimawandel herzustellen.
Können Sie diese Verbindung erklären?
Sven Plöger: Da gibt es äußerst spannende Entwicklungen. Zum Beispiel, wenn Sie sich die Höhenströmung angucken. Jeder kennt den Jetstream – das Starkwindband in der Höhe, das zustande kommt, weil es am Pol kalt ist und am Äquator warm. Durch den Klimawandel wird es am Pol nun übermäßig stark wärmer, weil sich das Eis zurückzieht. In der Folge nimmt die Temperaturdifferenz zwischen Äquator und Pol ab. Damit wird das Starkwindband schwächer und störanfälliger. Wir beobachten in den letzten Jahren sehr oft, dass die Rossby-Wellen (diese beschreiben den Verlauf des Jetstreams an der Grenze zwischen kalter Polarluft und warmer Subtropenluft, Anm. d. Red.) häufig stehenbleiben. Im Wellenberg hängt das Hoch, im Wellental hängt das Tief – und wenn die Rossby-Wellen stehenbleiben, bleibt auch das Wetter stehen. Gerade kann man bei uns erleben, was das bedeutet: Jeden Tag die gleiche Wetterlage. Aus der Atmosphäre haut es das Wasser runter und am nächsten Tag transportiert es die Sonne wieder in die Atmosphäre. Und so geht es immer hin und her. Ich glaube, hier wird der Klimawandel spürbar.
Glauben Sie, dass heftigere Wetterphänomene in Zukunft an der Tagesordnung sein werden?
Sven Plöger: Davon gehe ich aus. Wobei man es auch nicht verallgemeinern darf. Klimawandel heißt nicht: Alles was schlimm ist, wird überall immer noch schlimmer. Zum Beispiel verlagert sich durch den Klimawandel eine Sturmzone von A nach B. Dann gibt es in Region plötzlich mehr Stürme – aber in A dafür weniger.
Jetzt haben wir viel übers Wetter gesprochen. Reden Sie eigentlich auch privat gerne über das Thema Nummer eins der Deutschen?
Sven Plöger: Ich werde ständig gezwungen. Wenn ich irgendwo unterwegs bin, sagen natürlich immer alle zu mir: Wie wird’s denn? Ich rede ja auch gerne übers Wetter – es ist bei mir Beruf und Berufung. Aber ich kann mich verblüffenderweise auch über andere Dinge unter- halten.

