nach oben
Ein 49-Jähriger Mann wurde wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt.
Ein 49-Jähriger Mann wurde wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt. © Symbolbild: dpa
24.08.2011

Urteil im Missbrauchs-Fall: Zehn Jahre Haft

PFORZHEIM. Bis zum Schluss hat der 49 Jahre alte Angeklagte bestritten, seine Stieftochter über elf Jahre hinweg missbraucht zu haben. Stattdessen schob er der heute 19-Jährigen einen Großteil der Schuld zu. Sie sei nach ihrem 18. Geburtstag auf ihn zugekommen und habe ihn verführt. Die Auswärtige Große Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe in Pforzheim unter Vorsitz von Richter Hermann Meyer war anderer Ansicht und verurteilte den Nordafrikaner nach sechstägiger Verhandlung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren.

Damit folgte die Kammer größtenteils den Ausführungen von Oberstaatsanwältin Gabriele Gugau, die in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von elfeinhalb Jahren gefordert hatte. Sie warf dem Angeklagten vor, er habe seine Stieftochter ab deren vierten Lebensjahr auf unterschiedliche Art und Weise missbraucht und später auch zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Zudem soll der Angeklagte in mindestens 30 Fällen auch Arbeitskollegen aufgefordert haben, sich an dem Mädchen zu vergehen. Rechtsanwältin Susanne Burkhardt verzichtete darauf, ein konkretes Strafmaß zu fordern. Stattdessen wies sie darauf hin, dass ihr Mandant sich nach wie vor in der Opferrolle sehe.

Diese Sichtweise verdeutlichte der Nordafrikaner auch in seinem Schlusswort: „Wenn das alles so wäre, wie sie erzählt hat, dann wäre ich nicht aus meiner Heimat zurückgekommen.“ Tatsächlich hatte sich der Angeklagte ins Ausland abgesetzt, nachdem er von der Anzeige seiner Stieftochter erfahren hatte. Allerdings kam er einige Tage später wieder zurück, wurde festgenommen und sitzt seit Mitte Dezember in Untersuchungshaft. Seit Juni musste er sich in Pforzheim vor Gericht verantworten. Im Prozess kam auch ein psychologischer Gutachter zu Wort. Der Spezialist aus Trier bescheinigte dem Opfer eine glaubhafte Aussage. Die Mutter des Opfers und Ehefrau des Angeklagten verweigerte die Aussage, ebenso wie die jüngere Schwester der heute 19-Jährigen.

Der Angeklagte will laut Rechtsanwältin Burkhardt das Urteil anfechten.

Leserkommentare (0)