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Stellen sich den Fragen der Bürger: (von links) die Herausforderer Dimitrij Walter (parteilos), Peter Boch (CDU) und Andreas Kubisch (Liste Eltern) sowie Amtsinhaber Gert Hager (SPD). Wahlleiter Dirk Büscher führt durch die Veranstaltung. Foto: Ketterl
Stellen sich den Fragen der Bürger: (von links) die Herausforderer Dimitrij Walter (parteilos), Peter Boch (CDU) und Andreas Kubisch (Liste Eltern) sowie Amtsinhaber Gert Hager (SPD). Wahlleiter Dirk Büscher führt durch die Veranstaltung. Foto: Ketterl © Ketterl
21.04.2017

Zweite Vorstellung der OB-Kandidaten: Mit harten Bandagen um Wähler ringen

Es war ein vorsichtiges Herantasten, ein Lage-Sondieren mit gebührendem Abstand, ein Vermessen der Konkurrenz, was die Besucher der ersten offiziellen OB-Kandidatenvorstellung der Stadt am Mittwochabend in Eutingen erlebten. Das hat die zweite Auflage in Hohenwart deutlich gemacht. Vielleicht erstmals in diesen Wochen haben die rund 250 Bürger in der örtlichen Sporthalle etwas erlebt, das dem Begriff „Wahlkampf“ vollauf gerecht wird.

Während CDU-Kandidat Peter Boch gewohnt eloquent wie energisch erneut seine Ziele vorstellte, um Pforzheim zu einer „familienfreundlichen Großstadt“ zu machen, und Andreas Kubisch, Mitgründer der Liste Eltern, im Plauderton wiederholt die Versäumnisse der Stadtverwaltung anprangerte, hatten der parteilose Dimitrij Walter und vor allem Amtsinhaber Gert Hager ihre Hausaufgaben gemacht. Walter ergänzte seine Vorstellungsansprache um einige Punkte wie das individuelle Sicherheitsgefühl der Bevölkerung und die – nicht in allen Beispielen der Realität entsprechende – Privatisierung städtischen Besitzes: „Ich habe das Gefühl, meine Stadt löst sich selbst auf.“

In besonderem Maße an seinem Auftritt gefeilt hatte aber augenscheinlich Amtsinhaber Gert Hager (SPD). Frei statt am Manuskript klebend, schaffte er es weit besser als am Vortag, seine Themen zu platzieren – und wurde mit dem am längsten anhaltenden Applaus belohnt.

Auch in Bezug auf seine Konkurrenten fand der OB klare Worte: „Wir haben Wahlkampf, und im Wahlkampf wird viel behauptet – auch Falsches“, sagte Hager und nahm Bezug auf Walters Behauptung, das Emma-Jaeger-Bad und die Stadtwerke würden verkauft, sowie auf Kubischs Ansicht, der Gestaltungsbeirat sei zu teuer. „Auch viele Versprechungen“, fügte er in Bochs Richtung an. Dieser hatte im Wirtschaftsrat erklärt, er wolle die Gewerbesteuer langfristig um 100 Punkte auf 350 Prozent senken und war am Abend zuvor der Frage nach einer möglichen Gegenfinanzierung ausgewichen. „Da muss man ehrlich sagen, dass dann im Jahr 25 Millionen Euro fehlen. Wenn man das will – das kann man ja –, muss man auch sagen, wo man das an anderer Stelle kürzen will. Theater schließen? Bäder schließen?“, so Hager.

Boch seinerseits teilte gegen den Amtsinhaber aus, wenn es um die Stellschrauben der Verwaltung beim Thema innenstädtischer Einzelhandel („Es hat mich als Stadt zu interessieren, was in die Leerstände reinkommt“), das Provisorium an der Zerrennerstraße („Geldverschwendung“), das Defizit bei den Betreuungsplätzen, die Ausgabenpolitik der Verwaltung („Ist das der Weg, den Pforzheim weiter beschreiten sollte?“), die Verkehrsproblematik in der Innenstadt („konzeptlos“) und die Transparenz bei den Plänen zum Projekt Innenstadt-Ost ging. Diese würden im kommenden Sommer, sobald das EU-Recht dies zulasse, öffentlich gemacht, versuchte Hager, seinem Herausforderer den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Die Bürger in Hohenwart bewegten indes wie zuvor in Eutingen nicht die örtlichen, sondern gesamtstädtische Themen wie der Branchenmix des sich ansiedelnden Gewerbes, der viel verspottete „Rostkübel-Boulevard“ und vor allem die Verkehrsprobleme im innerstädtischen Bereich. Auch in der Fragerunde ging es schärfer zur Sache. So wollte ein Besucher von Boch wissen, warum er sich mit der AfD als einer „Gruppierung, die deutlich ins Rechtsextreme abdriftet“, ausgetauscht habe. Boch betonte, mit allen gewählten Volksvertretern zu reden, und zwar einzig über die Geschicke der Stadt. Landes- und Bundespolitik spielten dabei keine Rolle. Dimitrij Walter sieht Flüchtlinge, die er als „neue Mitbürger“ bezeichnete, für Verschmutzungen vor der Schlössle-Galerie verantwortlich. Außerdem würden „Frauen hier bei uns wie Dreck behandelt“, woran „die Behörden zu 100 Prozent schuld“ seien.

Bereits am Montag gibt es ab 19 hr in Huchenfelds Hochfeldhalle den nächsten Schlagabtausch bei einer offiziellen Bewerbervorstellung.

atemgold
21.04.2017
Zweite Vorstellung der OB-Kandidaten: Mit harten Bandagen um Wähler ringen

Leider besteht der Gemeinderat nicht nur aus Leuchten, da kann der Bürgermeister noch so gut sein... mehr...