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Ein letztes Handanlegen, dann ist wieder ein Korb fertig: Oskar Hees in seiner Werkstatt.  Lutz
Ein letztes Handanlegen, dann ist wieder ein Korb fertig: Oskar Hees in seiner Werkstatt. Lutz
Verschiedene Formen und Farben: Der 83-Jährige produziert sehr vielfältige Körbe.
Verschiedene Formen und Farben: Der 83-Jährige produziert sehr vielfältige Körbe.
14.10.2016

Altes Handwerk: Einer der letzten Korbmacher der Region

Oskar Hees blickt auf ein Berufsleben zurück, das gleich in mehrerer Hinsicht auch für zwei Leben reichen würde. Mit 13 Jahren hat er begonnen mit dem Korbflechten und betreibt es auch heute noch, mit 83. Zudem war er 45 Jahre lang Maschinenführer in einer Firma, nachdem die Menschen zu Beginn der 1950er-Jahre durch das Massenaufkommen von Plastik ihre Güter fortan lieber in Tüten als in Körben transportierten und sich Hees einen neuen Beruf suchen musste. Die Korbmacherei betrieb er jedoch weiterhin nebenher – von daheim aus.

Auch heute noch, nach 70 Jahren, in denen er mittlerweile Körbe produziert, kann der Enzweihinger nicht lassen von dieser Beschäftigung, die für ihn stets mehr gewesen ist als pure Arbeit.

Dabei war einst ein tragischer Zufall ausschlaggebend, dass er überhaupt mit dem Gedanken spielte, Korbmacher zu werden: Während des Zweiten Weltkriegs wurde Hees als Jugendlicher beim Spielen mit Freunden infolge eines Angriffs von einer Splitterbombe schwer verwundet und musste sich deshalb einen Beruf suchen, den er im Sitzen ausüben konnte. Noch heute kann er sein rechtes Bein nicht vollständig bewegen. „Ich hatte eigentlich gedacht, einmal Elektriker oder Schlosser zu werden“, erzählt Hees. „So aber wurde ich schließlich Korbmacher.“

Rund zehn Handwerker, die sich auf die Herstellung von Körben spezialisiert hätten, habe es nach dem Krieg in Vaihingen gegeben, sagt Hees. Dann kam das Plastik – und mit ihm das Ende vieler Korbflechter. Heute sei er weit und breit der Einzige, der die aufwendige Passion noch immer betreibt. „Meine Familie sagt immer, ich solle doch auch aufhören. Aber ich habe noch immer viel Spaß und Leidenschaft für das, was ich tue.“

Dennoch weiß Hees, dass er wohl der Letzte in der Familie sein wird, der sich mit der Korbmacherei beschäftigt. Weder seine Kinder noch seine Enkel hätten Interesse, sein Geschäft einmal weiterzuführen. Hees kann das nachvollziehen, auch wenn man ihm anmerkt, dass er es ein Stück weit bedauert. „Es ist eine schöne Beschäftigung, bei der man bei gutem Wetter an der frischen Luft bei seinen Weiden ist und bei schlechtem Wetter in der Werkstatt.“

Jene Weiden, die er für seine Körbe braucht, pflanzt Hees auf eigenen Äckern an, schneidet sie selbst und verarbeitet dann die geschälten und eingeweichten Zweige. Drei bis vier Stunden benötigt er, bis ein mittelgroßer Korb fertig ist. „Danach trocknet er und wird noch geschwefelt, damit er länger hält“, erklärt Hees. 25 Jahre könne ein solcher Korb ohne Weiteres gut in Schuss bleiben, wenn man ihn einigermaßen pfleglich behandle. Rechnet man diese Zeitspanne und den enormen Aufwand, den Hees in kompletter Handarbeit investiert, sind die rund 40 Euro, die so ein Korb kostet, eigentlich ein Witz. „Die Leute kaufen trotzdem lieber Plastiktüten“, sagt Hees. „Dabei würden sie mit einem Weidenkorb der Umwelt sehr viel mehr helfen.“ Falls doch einmal eines seiner Flechtwerke kaputtgeht, bietet Oskar Hees auch eine Reparatur an. „Ich habe schon fast alles wieder hinbekommen“, sagt der 83-Jährige und grinst. „Nur wenn man wirklich sehr viel erneuern müsste, frage ich höflich nach, ob es nicht gescheiter wäre, einfach einen neuen Korb zu kaufen.“