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Harry Wörz

Harry Wörz kann in den kommenden Monaten mit einer abschließenden Entscheidung zu der von ihm verlangten Haftentschädigung rechnen.
Justiz will Entschädigung im Fall Wörz schnell abschließen © dpa
21.02.2014

Justiz will Entschädigung im Fall Wörz schnell abschließen

Karlsruhe. Das Justizopfer Harry Wörz kann in den kommenden Monaten mit einer abschließenden Entscheidung zu der von ihm verlangten Haftentschädigung rechnen. Bis März werde ein Gutachten zu materiellen Ansprüchen wie einer Erwerbsunfähigkeitsrente erwartet, sagte Generalstaatsanwalt Uwe Schlosser am Freitag in Karlsruhe. «Wenn das Gutachten mängelfrei ist, werden wir dann die abschließende Entscheidung treffen.»

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Der gelernte Installateur Wörz hatte viereinhalb Jahre wegen versuchten Totschlags in Haft gesessen - unschuldig, wie sich dann herausstellte. Im Haftentschädigungsverfahren erhielt er nach Angaben Schlossers zwei Vorschüsse: 41 900 Euro für den erlittenen immateriellen Schaden mit einem Satz von 25 Euro pro Hafttag sowie einen in der Höhe nicht bezifferten Vorschuss für den materiellen Schaden.

Davon sei ein Anteil von drei Viertel des Haftkostenbeitrags für Unterkunft und Verpflegung abzuziehen, sagte Schlosser. Hier sei die Generalstaatsanwaltschaft an die Vorschriften gebunden, erklärte er und fügte hinzu: «Sonst würde ich mich der Untreue schuldig machen.»

Teuer zu stehen kam die Steuerzahler im vergangenen Jahr eine Entschädigung für vier Straftäter in Freiburg, deren Sicherungsverwahrung rückwirkend verlängert worden war - rechtswidrig, wie 2009 der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte befand. Die Entschädigung bezifferte die Generalstaatsanwaltschaft am Freitag mit 409 284 Euro.

Drastisch gestiegen ist im vergangenen Jahr die Zahl der Auslieferungsverfahren bei Straftaten. Bearbeitet wurden 191 Fälle - 47 Prozent mehr als 2012, wie Schlosser mitteilte. Ursache dieser Entwicklung sei die zunehmende Verbreitung des Europäischen Haftbefehls (EuHB). «Das hat sich sehr bewährt und funktioniert auch mit den osteuropäischen Ländern gut», sagte Schlosser. In deutlich mehr als 90 Prozent der Fälle werde auch ausgeliefert.

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