Bad Wildbad. Besser geht’s nicht: Ein ganzes Wochenende lang begleitete Kaiserwetter die Jubiläums-Feierlichkeiten zu „650 Jahre Überfall im Wildbad“. Schon bei der Öffnung des Mittelaltermarktes im Kurpark und beim Festakt auf dem Kurplatz strömten die Besuchermassen. Wobei auch der Festakt ebenfalls bereits mehr Historien-Spektakel war als formal-steifer Gastreden-Marathon.
Bad Wildbads Bürgermeister Klaus Mack rief die alte Ballade von Ludwig Uhland in Erinnerung, die im 19. Jahrhundert die Legende vom Überfall auf den Grafen Eberhard II. überall in Europa berühmt gemacht hatte. Während der Ehrengast des Tages, die Königliche Hoheit Friedrich Herzog von Württemberg, berühmter Nachfahre jenes Grafen Eberhards, auf das enge Band seiner Familie zu Bad Wildbad hinwies.
Wobei Herzog Friedrich mit einem echten Fauxpas für den Lacher des Tages sorgte, als er bereits im zweiten Satz seines Grußworts aus Versehen aus Bad Wildbad ein Bad Urach machte – das im vergangenen Jahr in Gegenwart der Hoheit sein 700-jähriges Bestehen feierte, deshalb wohl. Aber flugs machte der hohe Gast daraus flugs ein Kompliment „für das wirklich wunderschöne Bad Wildbad“. Was die Wildbader Bürger und ihre Gäste augenblicklich wieder versöhnte. Die allesamt ohnehin viel mehr auf Feiern und Erleben eingestellt waren als auf allzu kritischer Nabelschau.
So überließen die Honoratioren recht zügig den zur Bühne umgebauten Kurplatz vor der Stadtkirche den Akteuren von der Freien Ritterschaft Baden, die sich für die Nachstellung der historischen Ereignisse vom Überfall noch Unterstützung durch die Gruppe „Sgeimb Solais“ (gälisch für „die Schönheit des Lichts“) besorgt hatten. So dass insgesamt wohl rund 50 Ritter samt Gefolge das geschichtsträchtige Bad von Graf Eberhard (gespielt von Frank Gunkelmann) nachstellten.
Das Mittelalter, in dem sich damals im Jahr 1367 der Überfall im Wildbad abgespielt haben soll, war eine recht derbe Zeit. Weshalb die späteren Angreifer aus dem Badischen, jener Wolf von Eberstein, Wolf von Wunnenstein und die Herren von Straubenhardt, auch recht rustikal zu Werke gingen, als sie ihr geplantes Attentat auf den verhassten Württemberger Fürsten vorzeitig verraten sahen. Und daher Wildbad brandschatzten und niedermachten, weil dessen Bewohner den hohen Badegast unerreichbar nach Zavelstein auf die dortige Burg in Sicherheit gebracht hatten.
Was die Wildbader – bei aller Feierlaune sechseinhalb Jahrhunderte später – damals auch einen hohen Blutzoll mit vielen Verwundeten und Toten kostete. Zumal zudem wohl nahezu alle Gebäude des Ortes in Flammen aufgingen – was mit ein wenig Feuerzauber auf dem Kurplatz eindrücklich vorgestellt wurde.

