Bad Wildbad. Auch drei Tage nach der schrecklichen Tat in Bad Wildbad hallen Entsetzen und Fassungslosigkeit nach, angesichts einer Mutter, die sich bei der Polizei gestellt und erklärt hat, ihre Tochter getötet zu haben. Die „Pforzheimer Zeitung“ sprach darüber mit einem Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Neurologie und Psychiatrie.
Eine unfassbare Familientragödie hat sich am Mittwoch in Bad Wildbad ereignet. Eine 41-jährige Mutter soll ihre fünfjährige Tochter getötet haben. Sie habe sich laut Polizei daraufhin selbst bei der Polizei gemeldet. PZ-news hat sich in Bad Wildbad umgehört.
Traurige Gewissheit ist nach einer von der Staatsanwaltschaft beantragten Obduktion, dass das Kind erstickt worden ist. Am Freitagmittag gaben die Staatsanwaltschaft Tübingen und das Polizeipräsidium Karlsruhe zudem bekannt, dass der zuständige Haftrichter einen Unterbringungsbefehl erlassen hat. Die 41-jährige Mutter, nach PZ-Informationen eine Wildbaderin mit türkischen Wurzeln, wurde am Donnerstag in ein psychiatrisches Krankenhaus eingeliefert.
Nach wie vor ist allerdings offen, warum das kleine Mädchen sterben musste. Laut den Ermittlungsbehörden hat sich die Beschuldigte noch nicht weiter zur Tat geäußert – das Motiv liegt also nach wie vor im Dunkeln. Geplant oder im Affekt, geistig gesund oder unzurechnungsfähig – die Ermittlungen zu der schrecklichen Tat in Bad Wildbad beschäftigen nun die Ermittlungsbehörden.
Und das Rätsel um die Hintergründe, die zu dieser Kindstötung führten, bewegt nicht nur die Menschen in Bad Wildbad. Das belegen nicht nur die zahlreichen Äußerungen in den sozialen Medien wie etwa auf der PZ-news-Seite von Facebook. Auch der Leiter der Akademie für Psychotherapie Pforzheim, Werner Polster, verfolgt den Wildbader Fall. Seiner Einschätzung nach ein absolutes Extremereignis, aber mit Blick auf die tragischen Fälle, in denen ein Elternteil Kinder tötet, auch eine ungewöhnliche Konstellation.
„Der klassische Fall ist der erweiterte Suizid“, sagt der Facharzt im psychosomatischen Bereich. Eltern töten Kinder und dann sich selbst. So geschehen 2009 in Pforzheim, als eine Mutter ihre beiden Kinder vom Balkon warf – eines überlebte – und selbst in den Tod sprang.
Anders nun in Bad Wildbad. Eine Mutter gibt an, ihr jüngstes Kind getötet zu haben, die zwei älteren Söhne sind zwar in der Wohnung, bekommen laut Polizei von der Tat aber nichts mit. „Für den Vater und vor allem die Geschwister bedeutet das ein schweres Trauma, denn Kinder haben ein vermindertes Verarbeitungsvermögen“, so der Fachmann.
Dass die Mutter direkt nach der Tat zur Polizei gegangen ist und sich gestellt hat, könnte laut Polster als Indiz für eine Affekthandlung gesehen werden. „Nach der Tat kommt die Erschütterung über das, was man angerichtet hat.“
Die Voraussetzungen für die Einweisung eines Beschuldigten in eine Psychiatrie ergeben sich laut Tatjana Grgic von der Staatsanwaltschaft Tübingen aus Strafprozessordnung und Strafgesetzbuch. Dort steht, dass eine Unterbringung vom Gericht angeordnet werden kann, wenn „dringende Gründe für die Annahme vorhanden sind, dass jemand eine rechtswidrige Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit oder verminderten Schuldfähigkeit begangen hat“.
Höfen, Pforzheim, Grunbach: Chronik der Tötungsdelikte in der Region

