Passender hätte der Eingang der Fritz-Erler-Halle kaum gestaltet sein können: Über einen roten Teppich betraten Fans und Spieler die Arena, in der am Samstag und Sonntag der vierte Euro Gold Cup ausgetragen wurde. Eindrucksvoll zeigten die Nachwuchshandballer in den jeweils 30-minütigen Spielen, dass unter ihnen einige Stars der Zukunft zu finden sind.
Ein Kandidat hierzu ist Lamine Mamadou: Dank seiner Sprungkraft avancierte der erst 15-jährige Senegalese im Trikot des FC Barcelona zunächst zum Publikumsliebling und schließlich auch zum Spieler des A-Jugend-Turniers. Oder auch Kreisläufer Florian Heine von den Füchsen Berlin, der die SG Pforzheim/Eutingen im Halbfinale abschoss. Und schließlich der als bester Torwart ausgezeichnete Slowene Mark Ferjan, der dem Hauptstadtclub den 14:13-Finalsieg gegen den THW Kiel rettete.

Füchse Berlin gewinnen EuroGoldCup
Zuvor hatte sich der FC Barcelona mit einem 16:12 gegen müde werdende Pforzheimer Rang drei gesichert. Sowohl dieses Spiel als auch das Finale hatte es bereits am Samstag in der Vorrunde gegeben – doch da behielten noch Kiel und Pforzheim die Oberhand.
Auch wegen dieses deutlichen 13:7-Erfolgs im ersten Spiel der Turnier sprach THW-Trainer Michael Haß vor dem Endspiel von einer „besonderen Brisanz“. „Zum einen wird sich Berlin dafür revanchieren wollen“, erklärte er seine Einschätzung. Zum anderen sei aber auch seine Mannschaft topmotiviert, weil die Füchse den THW in der vergangenen Saison am letzten Spieltag geschlagen hatten – und ihnen so die Qualifikation für die Endrunde nahmen.
Trotz aller Explosivität verlief das folgende Finale unter den Augen der Sportbürgermeisterin Monika Müller und der Sportkreis-Vorsitzenden Gudrun Augenstein sehr fair – und extrem spannend: Nachdem Berlin den besseren Start erwischt hatte, schien das Spiel zu kippen: Innerhalb von vier Minuten drehte Kiels Julius Noack mit drei Toren und zwei Vorlagen das 8:10 in ein 13:11. Negativserie, Hitze, kleinere Bank und auch noch eine Zwei-Minuen-Strafe: Alles sprach nun gegen die Berliner – die aber kämpften sich zurück: Drei Tore und zwei Ferjan-Paraden später hatte sich der Sieger von 2013 auch den Euro Gold Cup 2015 gesichert.
Den Gewinner von 2014 – die SG Pforzheim – hatten die Berliner bereits im Halbfinale ausgeschaltet: Beim 20:9 hatte die Heimmannschaft am Sonntagvormittag nicht den Hauch einer Chance. „Da sind wir heute Morgen überhaupt nicht ins Turnier reingekommen“, sagte Trainer Alexander Lipps. Sein Team habe zu Beginn „die Zweikämpfe nicht angekommen“. In der Vorrunde am Samstag hatte Lipps dagegen „Höhen und Tiefen“ gesehen: Das erste Spiel (10:14 gegen Großwallstadt) war recht schlecht, dann haben wir aber noch zwei richtig gute Spiele (15:12 gegen Barca, 14:13 gegen Flensburg) gemacht.“
Nervenkitzel im Halbfinale
Weitaus enger ging es im zweiten Halbfinale zu: Kurz vor der Schlusssirene lag Kiel gegen Barcelona bereits mit 15:13 in Führung, doch die Spanier retteten sich noch mit 17:17 in die Verlängerung. Dort waren sie wiederum auf der Siegerstraße, ehe Noack in der letzten Sekunde das 19:19 erzielte. Zum Helden wurde schließlich sein Teamkollege und Torwart Tim Wendt, der im Siebenmeterwerfen einmal parierte.
Dass Barcelona das Spiel um Platz drei gegen Pforzheim dann mit 16:12 gewann, sei unter anderem „eine Kraftfrage“ gewesen, meinte Lipps: „Im Rückraum hatte ich wenige Möglichkeiten zu rotieren“, erklärte er. Doch nur darüber waren die kleinen Spanier zu knacken, wie Tom Schlögel bewies: Der Rückraumspieler traf in den ersten elf Minuten viermal, danach ging ihm die Puste aus.
Schließlich hatte schon der Samstag den Spielern viel abverlangt. Jedes Team verlor da mindestens einmal – ein Zeichen für das ausgeglichene, hohe Niveau des Turniers, wie Organisator David Bregazzi betonte. Er freute sich über den guten Zuspruch, rund 800 Zuschauer waren insgesamt in der Halle. „Bei dem Freibadwetter ist es wirklich außergewöhnlich, dass so viele kamen“, meinte Bregazzi. „Aber andererseits: Wann bekommt man schon die Creme de la Creme des Jugendhandballs zu Gesicht?“



