Rugby-Bundesliga: Erfolgsmodell TV Pforzheim

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Köpfe zusammen und drauf! Die Pforzheimer Rugby-Cracks packen in der 1. Bundesliga kräftig zu. Das bekam zuletzt auch der Vizemeister aus Frankfurt zu spüren. Zu den Topspielern zählen unter anderem die beiden Neuseeländer Fabian Broughton (oben rechts) u
Köpfe zusammen und drauf! Die Pforzheimer Rugby-Cracks packen in der 1. Bundesliga kräftig zu. Das bekam zuletzt auch der Vizemeister aus Frankfurt zu spüren. Zu den Topspielern zählen unter anderem die beiden Neuseeländer Fabian Broughton (oben rechts) und Russell Kupa (Mitte) sowie Afa Tauli aus Myanmar in Asien. Fotos: Keller
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Multi-Kulti-Truppe auf Höhenflug

Sogar der deutsche Titel ist beim Bundesligisten kein Tabu-Thema mehr.

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Während die Rugby-Weltmeisterschaft in Neuseeland ihrem Höhepunkt entgegensteuert, treibt der harte Männersport auch in der Goldstadt seine Blüten. Noch vor ein paar Jahren wäre Rugby auf Erstliga-Niveau hier kaum denkbar gewesen. Nach vier Spielen und vier Siegen ist beim Bundesliga-Aufsteiger TV 34 Pforzheim aber nun sogar der deutsche Titel kein Tabu-Thema mehr. „Wir wollen mindestens ins Halbfinale“, lässt Teammanager Jens Poff nach dem überzeugenden 27:17 gegen den aktuellen deutschen Vizemeister SC 80 Frankfurt die Katze aus dem Sack. Und selbst der sonst eher zurückhaltende Trainer Alan Edmonds gibt ein kleines Stück seiner Gedankenwelt preis: „Wir haben noch jede Menge Arbeit vor uns – denn die Meisterschaft gewinnt man nicht schon im Oktober.“

Das Rugby-Wunder in Pforzheim hat längst Gestalt angenommen und der sportliche Erfolg fußt keineswegs – wie bei anderen Vereinen – auf größeren finanziellen Mitteln. „Es hat eigentlich ganz harmlos im Internet angefangen“, berichtet TV 34-Abteilungsleiter Norbert Poff von den zarten Anfängen, als sein Sohn Jens – ein bekennender Neuseeland-Fan – mit Russell Kupa und Fabian Broughton in Kontakt gekommen war.

Viele Neuseeländer im Team

Der Rest funktionierte nach dem Motto „Wer kennt wen?“ und „Wer hat Lust nach Deutschland zu kommen, um Rugby zu spielen?“ Auf diese Weise wuchs besonders der Anteil der Neuseeländer stetig. Aber auch gebürtige Waliser, Australier oder Rumänen haben das Pforzheimer Erfolgsteam mittlerweile zu einer Multi-Kulti-Truppe gemacht. „Ein zusammengewürfelter Haufen ist das aber nicht. Weil sich viele Spieler schon aus der Heimat kannten oder sogar miteinander verwandt sind“, betont Jens Poff. Wie zum Beispiel Co-Trainer Russell Kupa, der auch seinen Cousin Jason in die Goldstadt geholt hat und vom „alten Europa“ total fasziniert ist. „Die Mentalitäten sind hier so verschieden und viele Länder liegen dicht beieinander“, schwärmt der Stürmer, der auch gegen Frankfurt einen wichtigen Versuch ins Malfeld legte.

Für das Drumherum sorgt die Rugby-Abteilung des TV 34, kümmert sich um Jobs für ihre ausländischen Spieler und erledigt Visa-Angelegenheiten. Mit Unterstützung des Sportkreises und der Stadt unterrichten einige Rugby-Asse sogar aushilfsweise an 16 Schulen aus der Region von Birkenfeld bis Maulbronn.

Reise quer durch Europa

Die spielfreie Zeit nutzen Kupa und seine englischsprachigen Kollegen allerdings hauptsächlich, um ganz Europa zu bereisen. „Die waren schon in Ländern, die unsereins kaum kennt“, weiß Norbert Poff. „Oversea experience“ – Übersee-Erfahrung – nennt das der Neuseeländer.

„Das machen viele meiner Landsleute, um die europäische Geschichte und Kultur kennenzulernen“, sagt Scott Bain, der zweite Pforzheimer Co-Trainer. „Danach kehren wir zurück in unsere Heimat, um zu heiraten und eine Familie zu gründen.“

Bain, der zurzeit noch am Knie verletzt ist, arbeitet seit Kurzem an einer internationalen Schule in Frankfurt, schnuppert aber jedes Wochenende Adrenalin mit seinen TV 34-Teamkollegen. Für einige davon stand dieser Tage mal wieder eine ganz spezielle kulturelle Erfahrung auf dem Programm. Beim Münchner Oktoberfest wurde der maßvolle Umgang mit „german beer“ hoffentlich genauso diszipliniert geprobt, wie zuletzt die taktischen Feinheiten auf dem Spielfeld. „Keine Sorge“, beruhigt Russell Kupa, „spätestens beim nächsten Auswärtsspiel am Samstag gegen Neuenheim haben wir nur noch Rugby im Kopf.“

Autor: PETER HEPFER | PFORZHEIM

21.09.2011

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