Gut besuchtes PZ-Autorenforum. Im Blickpunkt: die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus. Foto: Seibel
Hans-Jürgen Jakobs stellt das Buch „Wem gehört die Welt?“ vor. Foto: Seibel
Wirtschaft
Hans-Jürgen Jakobs stellt Buch im PZ-Autorenforum vor
  • Peter Marx

Pforzheim. Wem die Welt gehört, wollten 160 Gäste beim PZ-Autorenforum am Donnerstagabend wissen. Sie verfolgten aufmerksam den Vortrag von Hans-Jürgen Jakobs, der sein in kurzer Zeit bereits in dritter Auflage erschienenes Sachbuch über die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus vorstellte.

Der fast 700-seitige Band, an dem 20 Auslandskorrespondenten und 30 Fachredakteure des „Handelsblatts“ mitgewirkt haben, passt gut in eine Zeit, in der mit Donald Trump ein Milliardär Präsident geworden ist, der die USA wie ein Unternehmen führen will und eine große Steuerreform initiiert, bei der durch den Wegfall der Erbschaftssteuer allein seine Familie mit 500 Millionen US-Dollar profitieren würde.

Moderiert von Eckhard Mickel absolvierte Jakobs in seiner zunächst einstündigen Einführung einen Parforceritt durch die entscheidenden Kapitalschauplätze und verdeutlichte die elementaren Einflüsse arabischer und chinesischer Investoren auf den Weltmarkt. China verfolge eine exzellente Langzeitstrategie zur Durchdringung des Weltmarkts. Möglich werde dies durch einen von der Kommunistischen Partei Chinas ruhig, besonnen, aber mit beständiger Kraft vorangetriebenen Ansatz, die Dominanz auf den Zukunftsmärkten zu erzielen. Die gelenkte Wirtschaft Chinas zeige klar, dass die politische Führung strategische Vorstellungen in die Tat umsetze. Der deutsche Mittelstand sei ein wichtiges Zukunftsfeld für strategische Übernahmen. China wolle fit werden für die Industrie 4.0 und verspreche sich hierbei von weiteren Übernahmen noch viel Potenzial. In anderen Ländern, etwa Norwegen, so Jakobs weiter, könne auch über Staatsfonds Einfluss auf Entwicklungen genommen werden.

Zu den Hauptakteuren zählen freilich mittlerweile nicht mehr nur Staaten oder Familienpatriarchen, sondern zunehmend an maximaler Rendite interessierte, globale Kapitalsammler, die sich überall einkaufen. Hedgefonds und Private Equity veränderten die Finanzstrukturen auf diesem Planeten grundlegend, erläutert Jakobs. Und wer an der Spitze dieser gewaltigen Mächte stehe, werde im Buch „Wem gehört die Welt?“ porträtiert.

Entstanden ist so ein Who-is-Who des globalen Finanz- und Schattenbankkapitalismus. Die Ära der Globalisierung führe zu ungeahnten Akkumulationsprozessen beim Kapital, was die Bildung marktbeherrschender Trusts ermögliche, bei denen ein enthemmtes Profitstreben zu verorten sei. Das, so Jakobs, sei der Gegensatz von sozialer Marktwirtschaft, die die soziale Verantwortung eines Unternehmens kenne.

Hans-Jürgen Jakobs: „Wem gehört die Welt?“, ISBN 978-3-8135-0736-2, Knaus Verlag München.