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Steht kurz vor seinem Ziel: Meyle-und-Müller-Geschäftsführer Eugen Müller ist der Initiator des freien Wlan-Zugangs für die Pforzheimer Innenstadt. Foto:Ketterl
Steht kurz vor seinem Ziel: Meyle-und-Müller-Geschäftsführer Eugen Müller ist der Initiator des freien Wlan-Zugangs für die Pforzheimer Innenstadt. Foto:Ketterl
Paris hat’s vorgemacht: eine WiFi-Zone beim Eiffelturm. Foto: dpa
Paris hat’s vorgemacht: eine WiFi-Zone beim Eiffelturm. Foto: dpa
02.08.2013

Vorbildlich: Bald kostenloses Internet in Pforzheim

Paris, Berlin, Pforzheim. Beim kostenlosen Wlan-Angebot zieht die Goldstadt locker mit den großen europäischen Städten mit. Am 4. September wird der Schalter umgelegt. Dann können Passanten der Innenstadt kostenlos und drahtlos via Smartphone, Tablet oder Notebook ihre E-Mails abrufen oder im Internet surfen.

Mehr noch: Handelsgeschäfte können sich an der Initiative beteiligen und via PF-Wlan-Aufkleber am Schaufenster ihren Kunden den digitalen Service signalisieren. Unternehmen haben die Möglichkeit, für Kunden oder Mitarbeiter das offene Netz anzubieten – um nur einiges zu nennen.

Während in anderen baden-württembergischen Städten – wie zuletzt in Freiburg – noch ergebnislos über das Wer und Wie und insbesondere über die Haftungsfrage diskutiert wird, hat eine kleine Gruppe von Unternehmern und Managern in Pforzheim innerhalb von zwei Jahren Fakten geschaffen.

Und das war der Anfang: Eugen Müller hat im Juli 2011 eine Vision. Der Geschäftsführer des Pforzheimer Mediendienstleisters Meyle + Müller will die Position der Goldstadt als einer der wichtigen IT-Standorte in Baden-Württemberg besser in der breiten Öffentlichkeit verankert sehen. Eine der plakativen Maßnahmen, mit der Müller der Welt zeigen will, dass in Pforzheim namhafte, innovative Unternehmen der IT-Branche ihren Sitz haben: ein freier Internetzugang in der Stadt. „Wir wollen mit dem Angebot des freien Wlan auch symbolisch demonstrieren, welches Potenzial hier in der Stadt zur Verfügung steht“, sagt der Initiator und denkt dabei auch an die Gewinnung von Fachkräften für diesen Standort.

Aus der Vision ist Realität geworden: Müller schart im Sommer 2011 unternehmerisch denkende Mitstreiter um sich, bringt zudem die Verwaltung der Stadt Pforzheim sowie die Sparkasse Pforzheim Calw hinter sich und formiert die Gruppe unter dem Namen „Medien-/IT-Initiative“, kurz M/IT. Zum Geschäftsführer der Gruppe wird Erwin Geisler benannt, ehemaliger Marketingmann der Sparkasse.

Und weiter: Die M/IT gründet im Mai 2013 den Verein „PF-Wlan Pforzheim“. Der Verein fungiert künftig als Auftraggeber für das kostenlose Wlan-Angebot. Betreiber mit der entsprechenden technischen Umsetzung ist das Kelterner Unternehmen Skytron. „Wir übernehmen auch die Betreiberhaftung“, macht Skytron-Geschäftsführer Stefan Schneider deutlich.

Betreiberhaftung, dieser Begriff hat bislang andere Städte davon abgehalten, ein ähnliches Angebot wie jetzt in Pforzheim zu installieren. Das Fachblatt c’t-Magazin erklärt dazu, dass das Landgericht Hamburg eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen für die Internet-Landschaft in Deutschland getroffen habe. Demnach haftet der Betreiber eines offenen Wlan als sogenannter Störer für Rechtsverletzungen, die über seinen Zugang begangen wurden. Das heißt: für Datenmissbrauch über das Netz – etwa digitaler Betrug auf fremden Konten – muss der Betreiber entsprechend gerade stehen.

Skytron stellt sich laut Geschäftsführer Schneider dieser Herausforderung und bietet seinen Dienst via Pforzheimer Wlan-Initiative auch anderen Unternehmen an. Etwa im Betrieb für Kunden, in Gaststätten oder in Wartezimmern der Arztpraxen sowie in Krankenhäuser oder sonstigen öffentlichen Gebäuden. Vorteil für die Auftraggeber: sie müssen sich nicht mit der Betreiberhaftung herumschlagen.

Dabei ist das Kelterner Unternehmen nicht auf die Region begrenzt: „Wir können freies Wlan auch ohne Weiteres in Freiburg oder jeder anderen Stadt installieren“, sagt Schneider und macht deutlich, dass Skytron etwa auf dem empfangsschwachen flachen Land (beispielsweise im Hochschwarzwald oder in den Tiefen des Nordschwarzwaldes) eine optimale technische Alternative sei. Demnächst können die Pforzheimer selbst testen, was der Betreiber leistet. Dann ist die Goldstadt zumindest digitaltechnisch auf der Höhe von Paris und Berlin.