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Schwer bewaffnete Polizisten sicherten den Bereich um die Nordstadtschule ab. © Meyer
Zahlreiche Polizeiautos eilten zum Einsatzort. Dieses Bild entstand an der Karolingerstraße. © Privat
Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort. © Meyer
27.10.2017

Amok-Fehlalarm an Nordstadtschule absichtlich von Schülerin ausgelöst

Ein Amok-Fehlalarm an der Nordstadtschule hat am Freitagmorgen in Pforzheim einen Großeinsatz von Polizei- und Rettungskräften ausgelöst. Aufgelöste Eltern, besorgte Schüler und aufgeregte Anwohner meldeten sich daraufhin bei PZ-news. Später meldete die Polizei, dass der Alarm absichtlich von einer 13-jährigen Schülerin ausgelöst wurde.

Gegen 11 Uhr meldete die Polizei, dass das Gebäude gesichert sei und die Einsatzkräfte von einem Fehlalarm ausgehen. Mindestens 15 Einsatzfahrzeuge der Schutzpolizei, Beamte der Kriminalpolizei sowie ein Rettungswagen, ein Notarzteinsatzfahrzeug, der leitende Notarzt, der Rettungsdienstleiter und der organisatorische Leiter des Rettungsdienstes sowie die Kreisbereitschaftsleitung des DRK eilten um 9.30 Uhr zum Einsatzort. „Wir sind vor Ort und gehen der Sache auf den Grund“, sagte Polizeisprecher Ralf Minet zwischenzeitlich gegenüber PZ-news. „Es werden letzte Abklärungen gemacht, aber alles deutet auf einen Fehlalarm hin“, so Minet weiter.

Amokalarm an der Pforzheimer Nordstadtschule

Unterdessen gingen bei der Polizei Hinweise ein, wonach eine Schülerin den Alarmmelder bewusst ausgelöst haben soll. Weitere Abklärungen durch das Haus des Jugendrechts bestätigten den Verdacht. Die Ermittlungen zur Klärung der genauen Hintergründe dauern indessen noch an.

Augenzeugen vor Ort beschrieben die Lage an der Nordstadtschule als gespenstisch, überall zuckte Blaulicht. Schwer bewaffnete Polizisten mit Helmen und Maschinenpistolen hielten die Stellung. Ein Beamter mit Sturmhaube sicherte längere Zeit den Eingang des Gebäudes.

Bildergalerie: Polizei-Großeinsatz an der Nordstadtschule

Zahlreiche Polizeiautos eilten zum Einsatzort. Dieses Bild entstand an der Karolingerstraße.

Auch einige Schaulustige hatten sich rund um die Nordstadtschule versammelt. Alle blickten gebannt zur Tür. Auch viele Eltern waren vor Ort, weinten und machten sich große Sorgen um ihre Kinder. Allerdings soll sich die Lage in der Zwischenzeit wieder etwas entspannt haben. Ein besonders ausgebildeter Beamter der Polizei beruhigte die Eltern und warnte davor, in Panik auszubrechen. Die Kinder wiederum im Klassenzimmer waren während des Einsatzes sehr ruhig, verhielten sich vorbildlich, aßen teilweise sogar ganz entspannt ihr Pausenbrot. Betroffen waren insgesamt rund 800 Schülerinnen und Schüler in 32 Klassen. 

Im Anschluss durften die Väter und Mütter der Schüler schließlich auf die andere Straßenseite und die Polizei sprach mit ihnen über Details zum Einsatz. Anschließend wurden die Eltern in die Mensa der Schule geführt. Dort sprach Rektor Oliver Hesselschwerth, der erst an diesem Donnerstag in sein neues Amt eingeführt wurde, zu den besorgten Eltern. „Hesselschwerth hat das super gemacht. Er hat die Eltern beruhigt und ihnen die Sachlage ruhig erklärt“, berichtet PZ-Redakteur Claudius Erb. Nach den Ferien soll der Tag laut dem Rektor der Nordstadtschule aufgearbeitet werden.

Laut den Einsatzkräften vor Ort muss die Polizei in solchen Fällen stets eine bestimmte "Maschinerie" durchspielen, jedes Zimmer der Schule einzeln kontrollieren.

In der Region gab es in der jüngsten Vergangenheit bereits häufiger Einsätze dieser Art. Gleich zwei Mal in diesem Jahr herrschte Ausnahmezustand an der Verbandsschule im Biet in Steinegg. Dort verschanzten sich aufgrund eines Amokalarms Schüler und Lehrer in ihren Klassenräumen, schwerbewaffnete Polizisten durchkämmten das Gebäude. Am Ende stellte sich heraus, dass es sich in beiden Fällen um einen Fehlalarm gehandelt hat – verursacht offensichtlich durch einen technischen Defekt.

2012 versetzte ein Fehlalarm die Bergschule Singen in Angst und Schrecken. Am Gymnasium Remchingen löste 2013 ebenfalls ein technischer Defekt einen Großeinsatz der Polizei aus, 2016 wurde der Alarm aus Versehen von einem Lehrer ausgelöst. Auch die Alfons-Kern-Schule in Pforzheim wurde 2008 wegen einer Amok-Drohung evakuiert. Es war die erste Vorfall seit dem Bombenalarm an einer Mühlacker Schule im Nachgang des 11. September 2001.

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