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Tatort Nordstadtschule: Bei dem von einer 13-Jährigen ausgelösten Amok-Alarm am 27. Oktober waren dutzende Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und DRK vor Ort.. Foto: Meyer
06.11.2017

Erster Schultag nach dem Amok-Alarm an der Nordstadtschule

Knapp zwei Wochen ist es her, dass eine 13-Jährige den Amok-Alarm an der Nordstadtschule auslöste und damit den Ausnahmezustand an ihrer Schule ausrief. Am Montag nach den Herbstferien beginnt die Auf- und Nachbereitung des Fehlalarms bei Schülern, Lehrern und Eltern.

Pforzheim. Dieser Montagmorgen an der Nordstadtschule ist nicht nur der erste Tag nach den Herbstferien, sondern auch der erste Unterricht nach dem Amok-Alarm, der am Freitag, 27. Oktober, über Stunden für Angst bei Schülern, Lehrern und vor allem Eltern sorgte. Gegen 9.30 Uhr hatte eine 13-Jährige den Alarm ausgelöst.

Amokalarm an der Pforzheimer Nordstadtschule

Schnell konnte das Großaufgebot aus Polizei und Feuerwehr Entwarnung geben (die PZ berichtete). Dennoch hat der unfreiwillige Testlauf bei allen Beteiligten seine Spuren hinterlassen. „Heute Morgen wurde der Vorfall innerhalb der Klassen thematisiert“, erklärt Schulleiter Oliver Hesselschwerdt. Neben der Aufarbeitung des Erlebten und einer entsprechenden Betreuung der Schüler stehe jetzt vor allem die Nachbearbeitung des Vorfalls im Mittelpunkt. „Wir wollen die Schüler für die verschiedenen Arten von Alarmsituationen sensibilisieren“, so Hesselschwerdt.

Bildergalerie: Polizei-Großeinsatz an der Nordstadtschule

Zahlreiche Polizeiautos eilten zum Einsatzort. Dieses Bild entstand an der Karolingerstraße.

Seit der Sanierung des Schulgebäudes seien an allen Treppenaufgängen der Schule zwei Alarmkästen angebracht. Ein blauer, mit dem der Hausalarm beispielsweise bei Feuer ausgelöst wird, und das Signal zur Evakuierung des Gebäudes gibt. Sowie ein gelber für das Melden einer Amoklage. In den kommenden Tagen sollen beide Situationen, sowohl das richtige Verhalten bei einer Evakuierung als auch bei einer Verbarrikadierung, geprobt werden – die Evakuierung als Großübung für die gesamte Schule, der Amokalarm klassenintern. Beide Probeläufe sollen angekündigt werden, um nach dem für alle Beteiligten belastetenden Vorfall nicht für unnötige Ängste zu sorgen.

Neben den technischen Abläufen stehe innerhalb des Kollegiums auch eine pädagogische Nachjustierung des Handlungsfadens auf der Agenda.

Weshalb die 13-Jährige an jenem Freitagmorgen den Alarm auslöste, ist nach wie vor nicht geklärt. Die Ermittlungen sind noch nicht ganz abgeschlossen. Auch wer für die Kosten des Großaufgebots aufkommt, ist bislang unklar. Laut Polizeisprecherin Sabine Doll ist es jedes Mal eine Einzelfallentscheidung, besonders weil das Kind noch strafunmündig sei.

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In der Region gab es in der jüngsten Vergangenheit bereits häufiger Einsätze dieser Art. Gleich zwei Mal in diesem Jahr herrschte Ausnahmezustand an der Verbandsschule im Biet in Steinegg. Dort verschanzten sich aufgrund eines Amokalarms Schüler und Lehrer in ihren Klassenräumen, schwerbewaffnete Polizisten durchkämmten das Gebäude. Am Ende stellte sich heraus, dass es sich in beiden Fällen um einen Fehlalarm gehandelt hat – verursacht offensichtlich durch einen technischen Defekt.

2012 versetzte ein Fehlalarm die Bergschule Singen in Angst und Schrecken. Am Gymnasium Remchingen löste 2013 ebenfalls ein technischer Defekt einen Großeinsatz der Polizei aus, 2016 wurde der Alarm aus Versehen von einem Lehrer ausgelöst. Auch die Alfons-Kern-Schule in Pforzheim wurde 2008 wegen einer Amok-Drohung evakuiert. Es war die erste Vorfall seit dem Bombenalarm an einer Mühlacker Schule im Nachgang des 11. September 2001.

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