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Kriminalpolizistinnen beobachten die Kollegen im Wasser. Foto: Meyer
Gezielte Suche: Polizeitaucher waten beim Inselsteg in der Au durch die Enz. Anderthalb Stunden dauert die Aktion. Über die Funde schweigt sich die Polizei offiziell aus. Foto: Meyer
08.11.2018

Fall Simon Paulus: Polizeitaucher fischen Revolver aus Enz

Pforzheim/Gräfenhausen. Ein seltener – und seltsamer – Anblick kurz nach 11 Uhr für die wenigen Passanten auf dem Inselsteg zwischen Emma-Jaeger- und Pflügerstraße: Unten, in der Enz, waten Taucher der Wasserschutzpolizei des Präsidiums Einsatz in wasser- und kälteabweisenden Anzügen im Fluss, halten immer wieder die Köpfe unter Wasser – definitiv suchen sie in einem definierten Planquadrat nach etwas Bestimmtem. Am Ufer zwei junge weibliche Angehörige des Kriminalkommissariats Pforzheim.

Bald werden die Taucher fündig: Nach PZ-Informationen fischen sie nach eineinhalb Stunden einen Revolver und einen elektronischen Datenträger aus der braunen Brühe.

Die erste Antwort auf die Anfrage bei der Pressestelle des Polizeipräsidiums Karlsruhe fällt dürr aus – man habe möglicherweise etwas gefunden, das im Zusammenhang stehe „mit dem Jäger“. Im Klartext: mit dem mutmaßlich getöteten Gräfenhausener Jäger, Büchsenmacher und Waffensammler Simon Paulus. Dessen Leiche war Anfang Oktober im Wald beim Pforzheimer Wildpark in einer Erdkuhle entdeckt worden. Vermisst wurde der 50-Jährige seit einem Streit mit mehreren Unbekannten Ende August in seiner Wohnung in Gräfenhausen, wo die Polizei Blut fand. Mit Paulus sind auch mindestens rund 30 Waffen verschwunden, die sich legal in seinem Besitz befanden – darunter auch Pistolen und eine AR-14, die zivile Variante eines US-Sturmgewehrs.

Bildergalerie: Pressekonferenz zum Fahndungserfolg im Fall Paulus

Bildergalerie: Leiche in einem Pforzheimer Waldstück aufgefunden

Kriminaltechniker aus Pforzheim und Karlsruhe mit weißen Anzügen und Mundschutz waren im weiträumig abgesperrten Waldstück dabei, Spuren zu sichern.

Bildergalerie: Nach Leichenfund: Polizisten durchkämmen Wald erneut

Eine offizielle Bestätigung, welche Gegenstände nun in der Enz gefunden wurden und ob sie dem Fall zuzuordnen sind, gibt es am Nachmittag weder von der Polizei noch der Pforzheimer Staatsanwaltschaft. „Aus ermittlungstaktischen Gründen“, wie Polizeisprecher Frank Otruba sagt. Man werde an die Öffentlichkeit gehen, wenn „wir die Zeit als sinnvoll erachten“.

So bleibt offen, ob die Aussagen von zwei Verdächtigen, die im Zusammenhang mit dem Fall Paulus Mitte Oktober festgenommen wurden, die Beamten möglicherweise an die Enz geführt haben. Im Zuge der Ermittlungen war die 40-köpfige Sonderkommission „Wagner“ unter Leitung von Kommissariats-Chef Uwe Carl auf einen im Enzkreis geplanten Raubüberfall gestoßen. Die Spur führte zu einem Deutschen und einem Griechen (beide 26) aus Pforzheim, die laut Polizei auch geständig waren und seit Anfang der Woche wieder auf freiem Fuß sind.

Der haupttatverdächtige Italiener bleibt aufgrund der im Zuge der Ermittlungen gewonnenen, ihn schwer belastenden Erkenntnisse aber weiter in U-Haft.

Zum Verbleib der etwa 30 aus dem Haus in Gräfenhausen verschwundenen Waffen äußerte sich die Polizei nicht.

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Hier finden Sie Videos zum Fall Simon Paulus:

So gelang der Fahndungserfolg im Fall Paulus

Leichenfund im Wald bei Pforzheim

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