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Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch. Foto: Meyer/Archiv
Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch. Foto: Meyer/Archiv
09.01.2018

Heftiger Gegenwind für OB Bochs Gewerbe-Pläne

Pforzheim. Weil die Pläne für ein Gewerbegebiet „Ochsenwäldle“ an der Autobahnausfahrt Pforzheim-Süd plötzlich aus Kostengründen utopisch erschienen, hat die Stadtverwaltung um OB Peter Boch nun die Erschließung des Gebiets „Klapfenhardt“ auf der Wilferdinger Höhe im Visier. Dort soll Platz für Porsche und Zulieferer geschaffen werden. Doch dagegen formiert sich Widerstand.

Wichtige Flora und Fauna

Als „geschmacklos und nicht nachvollziehbar“ bezeichnet die Bürgerinitiative (BI) Nord Bochs Vorgehen. Dieser habe „am Tag vor Weihnachten die Abholz-Taste für 68 Hektar Wald im Klapfenhardt“ gedrückt, eines der schönsten und größten Naherholungsgebiete Pforzheims. Das schon 1527 urkundlich beschriebene historische Waldgebiet sei der Lebensraum vieler schützenswerter Tierarten, so die BI. Teile des Walds stünden unter Naturschutz und beinhalteten ein Naturdenkmal. Der Bereich sei Trinkwassereinzugsgebiet von Kämpfelbach und Landschaftsschutzgebiet Pforzheims. Er sei ein Bannwald, der die Stadt vor Windeinfall schütze und eine Kaltluftschneise verhindere. Zudem führe der Wald zu einer spürbaren Verringerung schädlicher oder belästigender Einwirkungen wie Lärm, Staub oder Gase. Aus eben jenen Gründen sei dieser Bereich stets als Gewerbegebiet ausgeschlossen worden. Es seien „keinerlei Fakten“ ersichtlich, die zu einer anderen Einschätzung führen könnten, so die BI-Vorstandsmitglieder Manfred Pflüger, Simon Dussler, Jörg Schröder und Bernhard Landmesser: „Herr Boch sollte einmal erklären, warum diese Bewertungen plötzlich nicht mehr aktuell sind.“ Die „Hauruck-Aktion – Ochsenwäldle weg, Klapfenhardt her – ohne jegliche Bürgerbeteiligung“ sei „genau das Gegenteil dessen, was der Mann aus Epfendorf im Wahlkampf den Bürgern zugesichert“ habe. Schon nach fünf Monaten Amtszeit sei „offenbar die Bürgernähe verflogen“. Dass „ausgerechnet die grüne Baubürgermeisterin“ aus Kostengründen die „massive Vernichtung ökologischer Ressourcen besser findet, als die Erddeponie im ,Ochsenwäldle‘ abzutragen“, sei „mehr als verwunderlich“.

Vorwurf der Klientelpolitik

Bei Klapfenhardt seien „offensichtlich die Berater des Oberbürgermeisters in der Führungsebene der CDU-Fraktion zu suchen“, die schon bei Untersuchungen zum Gebiet „Steinig“ den Natur- und Artenschutz als unwichtig bezeichnet hätten, bis sie „von Bürgern eines Besseren belehrt wurden“, so die BI.

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pforzheimer007
10.01.2018
Heftiger Gegenwind für OB Bochs Gewerbe-Pläne

wachstum um jeden preis? ich finde es auch mehr als befremdlich, wie hier mit der ressource wald umgegangen wird....ein schelm der böses dabei denkt....wirklich...politisch ja nicht so ganz sauber.... mehr...

Faelchle
10.01.2018
Heftiger Gegenwind für OB Bochs Gewerbe-Pläne

Ich halte solche Pläne ökologisch für bedenklich. Man sollte die Auswirkungen auf die Umwelt bei den Planungen mehr mit einbeziehen und über Alternativen nachdenken, z.B. interkommunale Gewerbegebiete, Industriebrachen umweltgerecht nutzen usw. mehr...

heimisch
10.01.2018
Heftiger Gegenwind für OB Bochs Gewerbe-Pläne

Im Prinzip sind die Probleme globaler: - Freie Flächen sind endlich - Kommunen / Landkreise sind gezwungen, einen angemessenen Mix aus Einnahmen aus Einkommens- und Gewerbesteuern zu erzielen - Man muss vorhandenen Unternehmen Erweiterungsflächen und neuen Unternehmen Ansiedlungsflächen bieten können - Naturschutz kann auch sein, örtlichem Bedarf an Arbeitsplätzen örtliche Arbeitsplätze zu bieten (und damit den Individualverkehr und einiges mehr einzusparen) - Wertediskussionen egal wie ...... mehr...

heimisch
10.01.2018
Heftiger Gegenwind für OB Bochs Gewerbe-Pläne

Achso, noch etwas: Der Gegenwind ist doch normal. Kein Mensch erwartet dass ein Industrie-/Gewerbegebiet angelegt wird ohne dass es Widerspruch gibt. Die Verwaltung wird mit dem Vorgang im Interesse eines fairen Austausches mit den Bürgerinitiativen entsprechend umgehen. Was auch heißt: Die BI´s sind keine Gewerbe- / Industriegegner genauso wie die Verwaltung kein Umweltfeind ist. mehr...