nach oben
Andre Baumann, Staatssekretär im baden-württembergischen Umweltministerium, im Gespräch mit Bürgern in Bad Wildbad – unter anderem Schäfer Gernot Fröschle, dessen Schafe Opfer einer Wolfsattacke geworden sind.
Andre Baumann, Staatssekretär im baden-württembergischen Umweltministerium, im Gespräch mit Bürgern in Bad Wildbad – unter anderem Schäfer Gernot Fröschle, dessen Schafe Opfer einer Wolfsattacke geworden sind. © Tilo Keller
11.09.2018

Baumann: Müssen mit Wolf leben - Bad Wildbader bleiben skeptisch

Gernsbach/Bad Wildbad. Baden-Württembergs Umweltstaatssekretär Andre Baumann (Grüne) hat zu einer Versachlichung der Diskussion beim Thema Wolf aufgerufen. «Bei dem Thema schießen die Emotionen durch die Decke», sagte er am Montagabend bei einer Info-Veranstaltung in Bad Wildbad (Kreis Calw) zum neuen Wolfsgebiet im Nordschwarzwald.

Baumann betonte, er habe sich nicht gewünscht, dass Wölfe wieder nach Baden-Württemberg kommen. Klar sei aber, dass man das streng geschützte Raubtier nicht einfach abschießen könne: «Wir werden mit dem Wolf leben müssen.»

Das Umweltministerium geht davon aus, dass sich derzeit ein Wolf im Schwarzwald fest angesiedelt hat. Das Tier mit dem Kürzel GW852m hat in der Region wiederholt Schafe gerissen und Ende April für Schlagzeilen gesorgt: Nach einer Attacke auf eine Herde in Bad Wildbad starben mehr als 40 Tiere in einer Nacht.

«Das war ein Schock, mit einem solchen Ausmaß hat niemand gerechnet», sagte Bürgermeister Klaus Mack (CDU). Die Menschen in der Region seien verunsichert, Gäste fragten, ob Wandern im Schwarzwald noch sicher sei. Er forderte die grün-schwarze Landesregierung unter Applaus von rund 300 Zuhörern auf, tätig zu werden. «Der Wolf muss ins Jagdrecht aufgenommen werden, um die Population langfristig zu regeln.»

Umfrage

Sollte der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen werden?

Das Ministerium hat nach der Wildbader Wolf-Attacke eine Region mit einem Durchmesser von mehr als 60 Kilometern im Nordschwarzwald als «Förderkulisse Wolfprävention» ausgewiesen. Das Land erstattet darin Nutztierhaltern 90 Prozent der Kosten für Schutzzäune. In den ersten drei Monaten der Förderkulisse seien aber lediglich 36 Anträge für Herdenschutzmaßnahmen bewilligt worden, weitere 16 Förderanträge würden bearbeitet. Landratsämter gehen von über 1500 potenziellen Antragstellern aus.

Staatssekretär Baumann forderte die Weidetierhalter auf, das Förderangebot des Landes zu nutzen und Schafe und Ziegen besser einzuzäunen. Es gebe genügend Rothirsche, Wildschweine und Rehe im Schwarzwald. «Der Wolf soll nicht lernen, dass es einfacher ist, Schafe und Ziegen zu reißen.» Zäune müssten nicht nur hoch genug sein, sondern auch unter Strom stehen. «Der Wolf muss eine gebrezelt bekommen», so Baumann. Zuletzt schlug Wolf GW852m vermutlich am vergangenen Freitag zu: Kurz vor der Infoveranstaltung wurde bekannt, dass in Gernsbach (Kreis Rastatt) erneut drei Schafe gerissen wurden. Gewissheit soll eine genetische Untersuchung bringen.

Mehr lesen Sie am Mittwoch in der Pforzheimer Zeitung oder Epaper auf PZ-news.de!

Mehr Artikel und Hintergründe über den Wolf in der Region:

Drei tote Schafe im Kreis Rastatt - Wolf im Verdacht

Hinweis auf Wolfsrudelbildung im Nordschwarzwald? Was ein Wildtierexperte dazu sagt

Schnappschuss vom Wolf gelungen: Jäger entdecken Raubtier auf Überwachungskamera

Nach Wolfsangriff: Diese Enzkreis-Gemeinden sind jetzt Wolfsgebiet

Video: Nach Wolfsangriff in Bad Wildbad - Wie geht es dort weiter?

"Ein Bild des Grauens": Mehr als 40 tote Schafe nach Wolf-Attacke