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Bei diesem Brand in Neubulach starben zwei Menschen, mehrere wurden schwer verletzt. 

Brand in Neubulach fordert zwei Tote und viele Verletzte

Neubulach. Eine Frau und ein Mann sind bei einem Brand in einem Mehrfamilienhaus an der Badstraße in Neubulach (Landkreis Calw) ums Leben gekommen. Acht weitere Menschen erlitten bei dem Unglück eine Rauchgasvergiftung, wie die Polizei am frühen Dienstagmorgen mitteilte. Sieben von ihnen kamen ins Krankenhaus. Weitere acht Personen wurden vor Ort behandelt.

Zwei Menschen kommen bei Großbrand in Neubulach ums Leben
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Zwei Menschen kommen bei Großbrand in Neubulach ums Leben

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Zwei Tote bei Brand in Neubulach

Das Feuer war kurz vor Mitternacht in einer Erdgeschosswohnung auf der Gebäuderückseite einer dreistöckigen Wohnanlage im Zentrum des kleinen Kurorts mit rund 5500 Einwohnern ausgebrochen – die Polizei wurde um 23.50 Uhr alarmiert. In dieser Wohnung fand die Feuerwehr auch die beiden Toten. In dem Appartement sind vermutlich die beiden Bewohner, ein 42-jähriger Mann und seine 72-jährige Mutter ums Leben gekommen. Erst eine Obduktion oder weitere intensive Ermittlungen werden aber genauen Aufschluss über die Identität der Verstorbenen geben können. Die Feuerwehr suchte noch lange nach der Alarmierung nach Personen, die sich möglicherweise in dem dreistöckigen Gebäude aufgehalten haben könnten.

Beim Eintreffen der Rettungskräfte waren der Polizei zufolge noch 18 Menschen in dem Gebäude. Sofort wurden alle Abteilungen der Feuerwehr Neubulach nachalamiert, sowie die Drehleitern aus Calw und Altensteig zur Einsatzstelle hinzugerufen. Sie konnten mit den beiden eingesetzten Drehleitern sowie weiteren mobilen Leitern gerettet werden. Unter den 16 geretteten Personen befanden sich sieben Schwerverletzte und ein Leichtverletzter, die in die Krankenhäuser von Calw und Nagold gebracht wurden. Acht Bewohner konnten ambulant an der Einsatzstelle behandelt werden.

„Das Brandobjekt befindet sich mitten im Ortskern von Neubulach. Bei unserem Eintreffen befanden sich die ersten Hausbewohner bereits an den Fenstern. Somit hatte die sofortige Menschenrettung oberste Priorität. Ich war froh dass meine Feuerwehrleute die Menschenrettung so zugig durchführen konnten, um weiteren Personenschaden zu vermeiden“, so der Neubulacher Einsatzleiter Cetin Karanci.

Nach Angaben der Polizei war das Haus mit 15 Wohnungen und 25 gemeldeten Menschen sehr stark verraucht und die Lage zu Beginn des Einsatzes unübersichtlich. Die Feuerwehr musste ein weiteres Übergreifen des Feuers auf den Dachstuhl und die angrenzenden Wohnungen verhindern. In der ersten Phase waren gleich mehrere Atemschutztrupps zur Brandbekämpfung im Einsatz. Die Feuerwehrleute konnten nur unter schwerem Atemschutz arbeiten und alarmierten unter anderem für weitere Atemschutzgeräte Einheiten aus Calw sowie eine zentrale Atemschutzwerkstatt des Landkreises.

Der Feuerwehrdezernet des Landkreises Calw Joachim Bley eilte ebenso an den Einsatzort und überzeugte sich von der Arbeit der Feuerwehren bei diesem schweren Brandfall. Auch der Kreisbrandmeister des Landkreises Calw Hans-Georg Heide kam hinzu und unterstütze die Arbeit der Feuerwehren. Die Zentrale Atemschutzwerkstatt des Landkreise Calw aus Bad Wildbad-Calmbach wurde im Laufe des Einsatz nach Neubulach gerufen. Da auch die Nachlöscharbeiten nur unter schwerem Atemschutz durchgeführt werden konnte, war hier sehr viel Material notwendig. Zur weiteren Absicherung des Brandschutzes wurde auch die Feuerwehr Wildberg mit zwei Fahrzeugen alamiert. Diese standen in Neubulach in Bereitstellung. Die Feuerwehr war mit 110 Einsatzkräften und 18 Fahrzeugen an der Einsatzstelle, das Deutsche Rote Kreuz mit 25 Rettungskräften und zwölf Fahrzeugen, sowie die Polizei.

Die Löscharbeiten dauerten etwa drei Stunden. Einige der Wohnungen seien „ziemlich ramponiert“ worden, sagte ein Polizeisprecher. Vermutlich sind zahlreiche Wohnungen durch die Einwirkung von Rauch, Löschwasser und Ruß nicht mehr bewohnbar. Den entstandenen Schaden am Gebäude schätzte die Polizei daher auf mehrere Hunderttausend Euro. Die genaue Brandursache war zunächst nicht bekannt, auch den Brandherd innerhalb der betroffenen Erdgeschosswohnung konnte die Polizei nicht nennen. Aber: Rauchmelder waren in allen Wohnungen installiert. Ein Brandsachverständiger wird in die Ermittlungen des Kriminalkommissariats Calw miteinbezogen. Die Ermittlungen würden am Dienstagvormittag aufgenommen.

Landrat Riegger betroffen von Großbrand

Landrat Helmut Riegger ist noch in der Nacht von Kreisbrandmeister Hans-Georg Heide über den Brand eines Mehrfamilienhauses in Neubulach (Kreis Calw) unterrichtet worden. Der Kreischef zeigt sich sehr betroffen über das Unglück, bei dem zwei Menschen ums Leben gekommen sind.

Dank des schnellen Eintreffens der Rettungskräfte konnten jedoch die übrigen Bewohner des Hauses auch mit Hilfe von zwei Drehleitern aus dem Gebäude gerettet werden. „Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle allen am Einsatz beteiligten Helfern von Feuerwehr und Rettungsdienst. Sie haben Menschenleben gerettet und dafür gesorgt, dass die verletzten Bewohner in unseren beiden Kreiskliniken Calw und Nagold zeitnah medizinisch versorgt worden sind“, so Landrat Helmut Riegger.

Für ihn steht fest: „Ohne das reibungslose Zusammenspiel vieler ehrenamtlich tätiger Kreisbewohner, wäre ein solcher Einsatz nicht möglich. Ich habe großen Respekt vor dem Engagement der Rettungskräfte.“ Die Kreisverwaltung hat veranlasst, dass die Einsatzkräfte bei Bedarf noch heute mit Notfallseelsorgern sprechen können. Auch den Bewohnern des Mehrfamilienhauses steht der Kriseninterventionsdienst zur Seite.

Die schreckliche Tragödie erinnert stark an einen schlimmen Brand, der sich im Jahr 2009 in der Region ereignet hat: In Calw starben damals vier Menschen beim Feuer in einem Obdachlosenheim.

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