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Die Spezialisten der Polizei bei der Bergung der Leiche. Foto: Meyer, Archiv
13.06.2019

Schwere Maschinengewehre im Kinderzimmer von Simon Paulus versteckt

Karlsruhe/Enzkreis. Viele Einzelheiten im Fall des getöteten Büchsenmachers Simon Paulus sind bei der Fortsetzungsverhandlung am Donnerstag im Schwurgerichtssaal des Karlsruher Landgerichts öffentlich geworden. Dazu gehört, dass das Opfer in seiner elterlichen Wohnung in Herrenberg hinter Holzwänden nicht nur irgendeine Waffenliebhaber-Sammlung in seinem früheren Kinderzimmer angelegt hatte, sondern laut Gericht ein großes Arsenal zum Teil mit scharfen und gebrauchsfähigen Exemplaren. Samt jeder Menge Munition für unterschiedliche Kaliber.

Die ermittelnden Beamten staunten nicht schlecht, als sie dort auf mehrere Maschinengewehre und Maschinenpistolen, darunter eine Uzi (über deren Existenz die „Pforzheimer Zeitung“ von Anfang an berichtet hatte), sowie Revolver, Pistolen und Bauteile, wie Läufe und Verschlüsse, stießen. Klar wurde durch die Befragung von Waffenexperten, dass das spätere Opfer in Herrenberg eine Sammlung angelegt hatte, bei der unter anderem zu Dekowaffen umgerüstete Einheiten teilweise routiniert wieder scharf gemacht worden waren.

[ In einer Multimedia-Reportage blickt die PZ zurück auf einen der spektakulärsten Fälle der Region: Vom Verschwinden bis zum Prozess – der Fall Simon Paulus ]

Zwar waren die meisten Kriegswaffen aus dem 1. und 2. Weltkrieg nicht scharf, ebenso einige Sturmgewehre neueren Datums. Doch es gab Maschinenpistolen, die voll funktionsfähig waren, etwa eine Klein-MP Skorpion mit Schalldämpfer, ganz zu schweigen von einsatzbereiten Revolvern und Pistolen. Ein Schmuckstück sei das historische Maschinengewehr Maxim gewesen. Möglicherweise hatte es der 30-jährige Hauptangeklagte auf diese Waffen abgesehen, denn in der Wohnung von Paulus in Gräfenhausen verschwanden im Wesentlichen die für Waffennarren üblichen Gewehre aus dem Jägeralltag.

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Viele Details gab es durch die Ermittler über die Auffindungssituation des Büchsenmachers nur 100 Meter vom Parkplatz an der Tiefenbronner Straße und 300 Meter vom Pforzheimer Wildpark entfernt. Schulter, Fußsohle und Plastikplane hatten aus der Erde geragt, als Waldmitarbeiter bei einer Putzaktion auf die Leiche gestoßen waren. Die Bergung am 2. Oktober 2018 erwies sich als kompliziert.

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