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Die Leiche des Büchsenmachers, Sportschützen und Jägers Simon Paulus war in einem Pforzheimer Waldstück gefunden worden. 

Spuren in die Kampfsportszene: Mögliche Verbindung der beiden Verdächtigen im Fall Paulus

Enzkreis/Pforzheim. Im Fall des getöteten Simon Paulus laufen aufseiten der Verdächtigen die Fäden nach PZ-Informationen offensichtlich in der Kampfsportszene zusammen.

So hat es Mitte Dezember in Pforzheim parallel zur Verhaftung eines 42-jährigen Deutschen auch eine Durchsuchung bei einem Sportverein gegeben, der Räume an eine Kampfsportschule vermietet hatte. Nach Hinweisen von Beteiligten stehen diese beiden Polizeieinsätze in direkter Verbindung. Eine offizielle Bestätigung seitens der Ermittler oder der Staatsanwaltschaft gibt es aber – wie zu so vielen Aspekten im Fall Paulus – aus ermittlungstaktischen Gründen nicht.
Der 42-Jährige, der laut Polizei im Verdacht steht, an der Tötung von Paulus und der Beseitigung der Leiche beteiligt gewesen zu sein, soll einer der Kampfsportler sein, die in den Räumen des Sportvereins aktiv waren. Ebenso soll der bereits Mitte Oktober verhaftete Hauptverdächtige – ein 29-jähriger Italiener und früherer Nachbar von Paulus aus Pforzheim – Kontakte zur Kampfsportschule gehabt haben.

Inzwischen habe sich der 42-Jährige, der in Untersuchungshaft sitzt, auch zur Sache geäußert, bestätigt Polizeisprecher Frank Otruba auf PZ-Anfrage. Zum Inhalt der Aussage machte er allerdings keine Angaben.

Ende August war Paulus nach einem Streit mit zwei Unbekannten aus seiner Wohnung in Gräfenhausen verschwunden. Die Leiche des 50-jährigen Büchsenmachers wurde Anfang Oktober vergraben im Wald beim Pforzheimer Wildpark gefunden. Seit knapp vier Monaten arbeitet die rund 40-köpfige Sonderkommission (Soko) Wagner an dem Fall und inzwischen dürften die großen Zusammenhänge aufgeklärt sein. „Ich gehe davon aus, dass der Fall im kommenden Jahr zur Anklage kommt“, so Otruba. Zur Frage nach dem Motiv für die Bluttat ist bisher allerdings nichts nach außen gedrungen.

Offen ist, was aus den rund 30 verschwundenen Feuerwaffen geworden ist, die Paulus legal besessen hatte. Nach allem, was bisher öffentlich wurde, sind die offensichtlich nach wie vor weg. Fragen, ob einzelne Waffen im Zuge der Verhaftungen und Durchsuchungen bereits sichergestellt wurden, blocken Polizei und Staatsanwaltschaft konsequent ab.

Möglicherweise wurde also in den Räumen des Sportvereins jetzt auch nach den Waffen gesucht. Einer, der sich dort auskennt, sagt allerdings: „Die Kampfsportler hatten meines Wissens nur ein paar Geräte rumstehen, aber keine Schränke oder Ähnliches.“

Im Zuge der Ermittlungen zum Fall Paulus hat die Polizei außerdem eine geplante Folgetat aufgedeckt und verhindert. So sitzen zwei 26-Jährige aus Pforzheim – ein Grieche und ein Deutscher – in Untersuchungshaft, die laut Polizei einen Raubüberfall im Enzkreis verüben wollten. Der 26-jährige Deutsche hatte zudem laut Polizei dem 29-jährigen Italiener ein falsches Alibi für die Nacht des Verschwindens von Paulus gegeben.

Nachdem die beiden Männer geständig waren, kamen sie zwischenzeitlich wieder auf freien Fuß, wurden aber Anfang Dezember erneut verhaftet, nachdem die Soko Wagner neue Erkenntnisse zur geplanten Tat zusammengetragen hatte.

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