Prozess Paulus 36
Am zweiten Verhandlungstag im Fall Simon Paulus sagte ein 27-jähriger Deutscher (hinten rechts) aus.

Von der Leiche im Kofferraum und verbrannter Kleidung: Mitangeklagter sagt im Paulus-Prozess aus

Karlsruhe/Enzkreis/Pforzheim. Am Montag hat der 27-jährige Mitangeklagte im Paulus-Prozess zum Abend des Mordes ausgesagt. Erstmals wurden Details zur Tatnacht und zu einem möglichen Motiv bekannt. Er erzählte vom toten Simon Paulus im Kofferraum, verbrannter Kleidung und Waffen in einer Garage. 

Die Staatsanwaltschaft wirft einem 30-jährigen Italiener aus Pforzheim vor, den Büchsenmacher Simon Paulus am Abend des 29. August in Gräfenhausen ermordet zu haben. Dessen Leiche wurde erst etwa sechs Wochen später gefunden – vergraben im Wald beim Pforzheimer Wildpark.

Der Abend des 29. August aus der Sicht des Mitangeklagten:

Der Deutsche und der Hauptbeschuldigte, ein 30-jähriger Italiener aus Pforzheim, sollen an diesem Mittwoch mittags gemeinsam gegessen und über ein geplantes Youtube-Projekt, das sie drehen wollten, gesprochen haben. Anschließend trennten sie sich. Gegen 22.30 Uhr stand der Italiener dann vor der Tür des 27-Jährigen und sie hätten bis etwa Mitternacht am Computer gespielt.

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Der Hauptangeklagte hätte ihm dann zugesichert, dass sie später weiter über den Videodreh sprechen würden, allerdings müsse davor noch etwas erledigt werden, wobei ihm der 27-Jährige helfen müsse. Die beiden seien daraufhin von der Wohnung des Jüngeren zu Fuß zur Wohnung des Italieners gelaufen und dann mit dessen Audi in den Hagenschieß-Wald gefahren. Er habe sich keine Gedanken darüber gemacht, berichtete der 27-Jährige teils mit stockender Stimme. In dem Wald seien sie schon öfter gewesen, weil sie ihn als Location für einen Halloween-Grusel-Streifen im Auge gehabt hätten. Er habe den Italiener, mit dem er seit etwa vier Jahren befreundet sei, noch scherzhaft gefragt: „Was hast du denn wieder angestellt?“.

Wortlos habe der Italiener den Kofferraum geöffnet. „Da habe ich einen nackten Fuß gesehen.“ Über der Leiche seien blutige, grüne Sitzkissen gebreitet gewesen, der Kopf sei in Folie eingewickelt gewesen. Auch Spaten, Schaufel und Handschuhe habe der Italiener dabei gehabt. Dieser habe ihn aufgefordert, ihm graben zu helfen. Er hatte Angst gehabt, was passieren würde, wenn er nicht Folge geleistet hätte, versuchte der 27-Jährige sein Verhalten zu erklären. 

Die halbe Nacht hätten sie gegraben. Erst als der Italiener ihn aufgefordert habe, sich testhalber mal in das Loch zu legen, habe er die Nerven verloren, die Schaufel weggeworfen und sich ins Auto gesetzt. Von dort habe er beobachtet, wie sein Freund die Leiche später aus dem Kofferraum gewuchtet und in den Wald gezerrt habe. Er habe den Italiener noch gefragt, wer der Tote sei, die Antwort: „Das liest du morgen dann schon in der Zeitung.“

Verdreckte Kleidung nach der Tat verbrannt

Der Italiener habe erzählt, dass er bei dem Getöteten gewesen sei, weil der ihm Munition verkauft habe. Dessen Freundin habe sich deshalb an die Polizei gewandt – was wohl für Ärger gesorgt hatte.

Im Anschluss seien sie zur Wohnung des Italieners gefahren. Dort hätte der Hauptangeklagte gesagt, der 27-Jährige solle duschen. Er habe ihm die dreckigen Kleider abgenommen und ihm stattdessen saubere gegeben. Danach seien beide nach Brötzingen in die Garage der Eltern des Italieners gelaufen. Dort habe der 30-Jährige dem Jüngeren mehrere Waffen gezeigt. Dem Hauptverdächtigen wird vorgeworfen, rund 30 Waffen aus dem Anwesen von Simon Paulus gestohlen zu haben. Anschließend soll der Italiener den 27-jährigen Deutschen nach Hause gebracht haben.

Zwei Tage später hätten sie sich erneut getroffen und die verdreckte Kleidung, die Sitzpolster, aber auch Speyrer Autokennzeichen und ein Messer auf dem Grillplatz im Würmtal und in Dillweißenstein im Wald verbrannt. 

Zu der zweiten Tat, einem geplanten Raubüberfall, äußerte sich der 27-Jährige am Montag nicht. Der 30-jährige Italiener und der 27-jährige Deutsche sollen gemeinsam mit einem 26-jährigen Griechen geplant haben, eine 60-Jährige im Enzkreis zu töten, um an ihr Erbe zu kommen.

Die beiden weiteren Angeklagten, ein 26-jähriger Grieche und ein 42-jähriger Deutscher äußerten sich am Montag nur zu ihren persönlichen Verhältnissen, nicht aber zur Tat. Sie wollen dies aber gegebenenfalls im Laufe des Prozesses noch nachholen.

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