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Versuchen, den Mordvorwurf zu entkräften: der zum Tatzeitpunkt 30-jährige Italiener und sein Pforzheimer Anwalt Cornelius Schaffrath.  Foto: Meyer/PZ-Archiv 

Warum der Paulus-Prozess nicht voran kommt: Anträge der Verteidigung laufen ins Leere

Karlsruhe/Enzkreis/Pforzheim. Ein ehemaliger Schulkamerad aus seiner Ausbildungszeit zum Büchsenmacher war der Letzte, mit dem Simon Paulus am Abend seines Todes telefoniert hat – jetzt wurde der 51-Jährige als Zeuge vor dem Karlsruher Landgericht befragt. Zur Aufklärung des Falls oder der Hintergründe der Tat trug dies aber nur wenig bei. Beantragt hatte die Anhörung Ulrich Sommer, Verteidiger des 30-jährigen Italieners, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, Paulus am 29. August vergangenen Jahres in Gräfenhausen ermordet zu haben. Sommer hatte angedeutet, dass es bei dem rund zehnminütigen Telefonat um Waffengeschäfte gegangen sei.

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Davon blieb letztendlich nicht viel. „Gegen Ende des Gesprächs hat er mich gefragt, ob ich Interesse an einer Dekowaffe habe – einem italienischen Karabiner aus dem Zweiten Weltkrieg. Und ich habe gesagt: Ne, interessiert mich nicht. Was soll ich damit“, schildert der Zeuge. Nicht einmal über einen Preis sei gesprochen worden, geschweige denn über scharfe Waffen oder Geldsorgen von Paulus, erklärte der 51-Jährige auf Nachfrage des Gerichts.

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Sommers Versuch, zu untermauern, dass Paulus aus Geldnot ein Interesse an Waffengeschäften gehabt habe, funktionierte jedenfalls nicht. Zum Hintergrund: Sein Mandant hatte den 42-jährigen Mitangeklagten aus Pforzheim beschuldigt, er habe beim Büchsenmacher „Waffen für seine Jungs in München“ besorgen wollen und habe Paulus im Streit getötet.

Auch die Aussage des 42-Jährigen, er habe lediglich Schmiere gestanden und sei vom Italiener mit dem Walkie-Talkie erst herbeigerufen worden, als Paulus schon tot gewesen sei, wollte Sommer ins Wanken bringen. Er forderte eine technische Untersuchung, um nachzuweisen, dass die Funkgeräte am Tatabend überhaupt nicht in Betrieb waren. Das Gericht holte daraufhin Expertenrat, unter anderem von der Bundesnetzagentur ein. Das Fazit: Die Geräte können können keine nachweisbaren Spuren hinterlassen.

Dass Sommer selbst beim Prozess am Freitag gar nicht anwesend war, nachdem er am vorangegangenen Verhandlungstag etliche Beweisanträge gestellt hatte, sorgte bei Leonhard Schmidt, dem Vorsitzenden Richter der Schwurkammer, für etwas Verwunderung. So blieb vorerst unklar, wie das Programm beim nächsten Prozesstag am 21. Oktober aussehen wird.

Mehr lesen Sie am 28. September in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.

[ In einer Multimedia-Reportage blickt die PZ zurück auf einen der spektakulärsten Fälle der Region: Vom Verschwinden bis zum Prozess – der Fall Simon Paulus ]