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Am 2. Oktober wurde die Leiche von Paulus im Hagenschieß gefunden. Seither beschäftigt der Fall die Justiz. 

Paulus-Prozess gerät kurz vor Schluss ins Stocken: Befangenheitsantrag gegen Richter

Karlsruhe/Birkenfeld-Gräfenhausen. Der 17. Verhandlungstag im Paulus-Prozess hatte am Dienstag in Erwartung der Plädoyers begonnen und endete überraschend mit einem Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter Leonhard Schmidt.

Am Mittwochnachmittag wird der Prozess vor dem Karlsruher Landgericht fortgesetzt. Bis dahin soll über den Befangenheitsantrag entschieden sein, so Gerichtssprecherin Carolin Kley. Sollte ihm stattgegeben werden, müsste der Prozess vor der Schwurgerichtskammer unter neuem Vorsitz neu aufgerollt werden – komplett mit Zeugenanhörungen und allem.

Den Antrag stellte Rechtsanwalt Ulrich Sommer im Namen seines Mandanten, eines 30-jährigen Italieners aus Pforzheim. Dem wird vorgeworfen, im vergangenen Sommer den 50-jährigen Büchsenmacher Simon Paulus in Gräfenhausen getötet und rund 30 Schusswaffen aus dessen Besitz geraubt zu haben.

Sommer unterstellte Schmidt, außerhalb der Verhandlung Gespräche mit der Staatsanwaltschaft geführt zu haben, die nicht aktenkundig gemacht worden seien. Dabei sei es offensichtlich um die Rückgabe von Datenträgern gegangen, auf denen Filmaufnahmen sind, vom sexuellem Missbrauch den die Staatsanwaltschaft dem Italiener an seiner Ehefrau vorwirft. Schmidt habe den entsprechenden Aktenordner „in weniger als drei Sekunden“ zur Hand gehabt, als das Thema in der Verhandlung angesprochen worden sei, so Sommer. Das sei nicht möglich, ohne vorher Bescheid gewusst zu haben, dass das Thema kommt.

Stephanie Vogt, Anwältin der Ehefrau und Nebenklägerin, wies den Antrag zurück. Schmidts Verhalten sei nicht Ausdruck von Befangenheit, „sondern von guter Vorbereitung.“ Zudem sei absehbar gewesen, dass der Punkt angesprochen werde.

Schmidt selbst ließ die Verlesung des Antrags mit zurückgelehntem Kopf und geschlossenen Augen über sich ergehen – als ob er derlei juristische Winkelzüge schon erwartet hätte.

Der 30 Jahre alte Hauptangeklagte soll im August 2018 den 50 Jahre alten Gräfenhausener Simon Paulus ermordet haben. Erst habe er sein Opfer gewürgt, dann auf den Mann eingestochen und ihn schließlich mit einem Fußtritt gegen den Kopf getötet, hatte die Staatsanwältin bei der Verlesung der Anklageschrift gesagt.

Zwei weitere Männer stehen vor Gericht, die dem Italiener bei dem Abtransport und der Beseitigung der Leiche geholfen haben sollen. Bei der Anklage geht es außerdem um weitere schwere Straftaten, darunter ein Mord, den der Italiener mit zwei weiteren Angeklagten geplant, aber letztendlich nicht ausgeführt haben soll. Außerdem wird dem Hauptangeklagten vorgeworfen, seine Ehefrau vergewaltigt zu haben.

[ In einer Multimedia-Reportage blickt die PZ zurück auf einen der spektakulärsten Fälle der Region: Vom Verschwinden bis zum Prozess – der Fall Simon Paulus ]