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Vor der Schwurkammer des Karlsruher Landgerichts wird am Freitag der Paulus-Prozess fortgesetzt.  Foto: PZ-Archiv/Meyer 

Zwei Urteile wurden gesprochen, jetzt steht der Mord ganz im Fokus des Paulus-Prozesses

Karlsruhe/Enzkreis/Pforzheim. Im Paulus-Prozess vor der Schwurkammer des Karlsruher Landgerichts geht’s jetzt ans Eingemachte. Im Mittelpunkt des Verfahrens, das am Freitag fortgesetzt wird, steht die Frage: Wer hat den 50-jährigen Büchsenmacher am Abend des 29. August 2018 vor seiner Wohnung in Gräfenhausen getötet? Zwei Männer aus Pforzheim und dem Enzkreis sitzen noch auf der Anklagebank.

Die Staatsanwaltschaft wirft einem zum Tatzeitpunkt 30-jährigen Italiener vor, Paulus mit Schlägen oder Tritten gegen den Kopf ermordet zu haben. Der Hauptangeklagte, der in Untersuchungshaft sitzt, wiederum schiebt die Schuld einem damals 42-jährigen Kampfsportler zu, der gestanden hat, die Leiche und rund 30 – bis heute verschwundene – Schusswaffen aus dem Besitz des Büchsenmachers mitabtransportiert zu haben. Seiner Aussage zufolge habe er aber zuvor nur Schmiere gestanden und sei vom Italiener erst per Walkie-Talkie hinzugerufen worden, als Paulus schon tot war. Der 42-jährige ist derzeit auf freiem Fuß.

Gegen zwei weitere Mitangeklagte war bereits vor etwa zwei Wochen ein Urteil gesprochen worden. Nach viereinhalb Monaten und 19 Prozesstagen hatte der Vorsitzende Richter Leonhard Schmidt das Verfahren gegen sie abgetrennt.

Dem Italiener wird zudem vorgeworfen, seine Ehefrau mehrfach sexuell missbraucht und das Ganze gefilmt zu haben. Entsprechende Aufnahmen hatte die Polizei im Zug ihrer Ermittlungen auf Datenträgern zufällig gefunden.

Ein 27-jähriger Deutscher aus Pforzheim war wegen versuchter Strafvereitelung zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden – er hatte gestanden, Paulus Leiche beim Pforzheimer Wildpark mit vergraben zu haben. Freigesprochen wurde er, wie auch ein 26-jähriger Grieche aus dem Enzkreis, in einem anderen Punkt. Den beiden und dem Hauptangeklagten war vorgeworfen worden, geplant zu haben, eine 60-Jährige im Enzkreis auszurauben. Einen ersten Versuch haben sie den Ermittlungen zufolge abgebrochen – zu einem zweiten kam es durch das Eingreifen der Polizei nicht mehr. Das Trio wurde Mitte Oktober 2018 verhaftet. Für eine Verurteilung reiche die Vorbereitung der Tat aber nicht aus, befand das Gericht. Damit dürfte sich dieser Punkt auch für den Italiener erledigt haben.

Sein Anwalt Ulrich Sommer hatte zuletzt mehrere Beweisanträge gestellt. So soll nun unter anderem ein Zeuge vernommen werden, der von Paulus Verwicklungen in Waffendeals berichten könne, so Sommer. Zudem fordert er eine technische Untersuchung der Walkie-Talkies, die zeigen soll, ob die Geräte am Tatabend überhaupt in Benutzung waren.

Um sämtliche Punkte abzuarbeiten, hat das Gericht bis Weihnachten sieben weitere Verhandlungstermine angesetzt.

[ In einer Multimedia-Reportage blickt die PZ zurück auf einen der spektakulärsten Fälle der Region: Vom Verschwinden bis zum Prozess – der Fall Simon Paulus ]

Sven Bernhagen

Sven Bernhagen

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