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Das Anti-Graffiti-Mobil im Einsatz: Malermeister Heiko Seiter, Volker Weingardt (Haus des Jugendrechts) und Behr Sadriu reinigen einen Stromkasten am Leoo.  Foto: Meyer 

Anti-Graffiti-Mobil hat volles Auftragsbuch: So geht die Erfolgsgeschichte trotz Unkenrufen weiter

Pforzheim. 100 Anfragen für die Reinigung von insgesamt 345 Quadratmetern Fläche liegen dem Verantwortlichen für das Anti-Graffiti-Mobil, Polizeihauptkommissar Volker Weingardt, aktuell vor. Die Wiedergutmachung eines Schadens von insgesamt rund 10.000 Euro, schätzt er. Die Anfragen an das Haus des Jugendrechts Pforzheim Enzkreis seien durch die Corona-Pandemie in den vergangenen Monaten weiter aufgelaufen. Denn eine große Aktion in der Nordstadt, bei der sieben Jugendliche zusammen mit der Malerinnung ihre eigenen Schmierereien entfernen sollten, musste im April abgesagt werden.

Gerüchte um das Ende des Anti-Graffiti-Mobils, wie es CDU-Stadtrat Andreas Sarow in den Sozialen Medien verkündet hat, können weder Weingardt noch Seiter bestätigen. Am Dienstag half der 15-jährige Behr Sadriu freiwillig, einen verunzierten Stromkasten an der Schlössle Galerie zu säubern. Drei Arbeitsstunden hatte er früher mal wegen Schulschwänzens abgeleistet. Dadurch entwickelte sich sein Interesse am Malerhandwerk, sagt er. Innungsobermeister Heiko Seiter hätte ihm längst zu einem Praktikum verholfen. Wäre nicht der Shutdown dazwischen gekommen. Trotz den Unkenrufen von Sarow geht es offenbar weiter. Im Gegenteil: Weingardt, den ehrenamtlichen Malern und auch den Vertretern des Bürgervereins Nordstadt, dem Bezirksverein für soziale Rechtspflege und Pforzheim Mitgestalten geht die Arbeit nicht aus.

Die Frage, ob es Kunst oder doch nur ein Geschmiere ist, stellt sich Frank Otruba, Pressesprecher der Polizeidirektion Pforzheim, nicht. Für ihn ist nur ausschlaggebend, ob sich das Graffito auf einer legalen oder illegalen Fläche befindet. Legale Flächen in Pforzheim seien weder der Polizei noch den Kooperationspartnern bekannt. Es habe vor 2011 an der Nordstadtbrücke den Versuch gegeben, eine Fläche legal auszuweisen, sagt Otruba. Der sei beendet worden, weil zu viele illegale Graffiti dazukamen von Sprayern, die sogar aus Stuttgart angereist seien. Auch Oberbürgermeister Peter Boch hält nichts von legalen Flächen. Und vom CDU-Kreisverbandsvorsitzenden Gunther Krichbaum kam ebenfalls ein klares Bekenntnis zum Anti-Graffiti-Mobil. Der Vorsitzende des Jugendgemeinderats Paul Jenisch sieht zwar "die Notwendigkeit von legalen Graffiti-Flächen und das Potenzial für das Stadtbild", sagt aber auch, dass es für beide Seiten von Nachteil sei, wenn das Anti-Graffiti-Mobil seine Arbeit einstellen würde.

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Martina Schaefer

Martina Schaefer

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